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Untersuchungen über Thierstaaten / von Carl Vogt
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Ich habe Euch schon erzählt, theure Verwandte, daßdiese schwarzen Oblatenfresser das Licht scheuen und nur imDunkeln ihre Unternehmungen machen. Man hat sie viel-leicht nur deßhalb Kakerlaken genannt, weil sie lediglich inder Finsterniß sich wohl befinden. Zwingt man sie ausihrem Verstecke, an das Licht hervor, so ziehen sie dieBeine dicht an den Leib, verbergen ihre scharfen Kieferhinter der gespaltenen Unterlippe, legen die Fühlhörner zu-rück und nehmen ein äußerst unschuldiges, sanftmnthigesAussehen an. Fleisch und Fett, sonst ihre Lieblingsspeisen,rühren sie jetzt nicht an, zuweilen nur genießen sie etwasZucker. Kaum aber ist die Leuchte des Tages hinter denBergen hinabgesunken, so erwacht ihre Gier, und mit ver-doppeltem Eifer stürzen sie auf die Speisen, von denen sieam Tage glauben machten, daß sie ihnen verboten seien.

So üben sie schon früh sich in die Heuchelei. Allenihren Sünden wissen sie eine glatte Außenseite zu geben,sie zu entschuldigen, zu verdecken vor fremden Thieren undHausgenossen im Geheimen nur üben sie ihre Laster.So kommt es denn auch, daß nur wenige Thiere ihr ver-derbliches Treiben kennen. Die meisten, welche Tags übersich beschäftigen, sehen die Kakerlaken ruhig in den Spaltender Bäume, in den Ritzen der Fußböden, in den Löchernder Mauern sitzen, und halten sie für ein harmloses, gut-müthiges Geschlecht, das einsam in Entbehrung und gutenWerken seine Tage hinbringe. Sie werden deßhalb oft dieBetrauten ihrer Nachbarn, bis diese zu spät merken, daßihr Vertrauen gemißbraucht wurde. Mit allen nächtlichenThieren leben die Kakerlaken auf freundschaftlichem Fuße.Die hochnäsigen Laternenträger, die in ihrem hohlen Kopfeein Licht zu tragen behaupten, und von welchen auch die