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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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77-78
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Gottlieb Wilhelm Rabener.

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mir einen hübschen Menschen verschlagen. Ichverlange weiter nichts von ihm, als daß er gutLatein versteht, sich in Wäsche und Kleidungreinlich und sauber hält; Französisch und Ita-liänisch sprechen kann, eine schöne Hand schreibt,die Mathematik versteht, Werfe macht, so vielman fürs Haus braucht, tanzen, fechten undreiten kann, und wo möglich ein wenig zeich-mt. In der Historie muß er auch gut be-schlagen sehn, vor allen Dingen aber in derWapenkunst. Ist er schon auf Reisen gewesen,desto besser. Aber er muß sich gefallen lassen,bey mir auf meinem Gute zu bleiben, und sichwenigstens auf sechs Jahre bey mir zu ver-mischen. Dafür soll er bey meinen Kindernauf der Stube freye Wohnung haben, mit demKammerdiener essen, und jährlich 50 Gulden

bekommen. Zum heiligen Christe und zur Messegebe ich nichts; dergleichen Betteleyen kann ichnicht leiden. Sind die sechs Jahre um, so kanner in Gottes Namen hingehen, wohin er will.5 Ich will ihn sodann an seinem Glücke nichthindern. Mich dünkt, die Vorschläge sind ganzbillig. Hat der Mensch Lust zur Wirthschaft,so kann er meinem Verwalter mit an die Handgehen. Es wird sein Schade nicht seyn, denn10 er weis doch nicht, wozu ers einmal brauchenkann. Ich werde für Ihre Bemühung erkennt-lich seyn, und bin,

Hochzuverehrender Herr Professor,

15 Ihr

dienstbereilwilligster

HI- Antwort drs Professors, nebst zwo Taren von einem geschickten und cilf

ungeschickten Hofmeistern.

Hochwohlgebohrner Herr, 25

Gnädiger Herr,

Ew. Excellenz gnädigst mir ertheiltem Be-fehle unterthänigst nachzuleben, habe ich mirMühe gegeben, alle diejenigen subieota guouiswoll» zu sondiren, von denen ich geglaubt, daß 30sie der hohen Gnade nicht ganz unwürdig wä-ren , welche Ew. Hochwohlgebohrne Excellenz,als ein wahrer Mäcenat, und Beschützer derschonen Künste und Wissenschaften, so groß-ch^sbig zu osseriren geruht haben. Es fehlt 35nicht an Leuten, welche conüitionss suchen;aber es ist zu beklagen, daß heut zu Tage jungeLeute zu zeitig vornehm seyn, und sich nichtgefallen lassen wollen, durch einen kleinen An-sang den gewissen Grund zu ihrem grössten 40Glücke zu legen. Die wenigen Wissenschaften,so sie etwan besitzen, machen sie so stolz, daßste unverschämt genug sind, für ihre kleinenBemühungen, die doch in weiter nichts bestehen,als Kinder zu informiren, so viel zu fordern, 45baß man dafür gar reichlich drey Bediente inLsbrey halten könnte. Ich habe einen jungen^astuschxn bey mir gehabt, welcher in der Thatalle diejenigen Fähigkeiten besitzt, so Ew. Er-teilen; bey einem Hofmeister für Dero junge 50gnädige Herrschaft verlangen. Ueber dieses ister von einem gesetzten Wesen, tugendhaft, unds° gar, welches Ew. Excellenz nicht ungnädigvermerken werden, fromm und christlich. Eswird keiner, so wie dieser, vermögend seyn, Dero 55lunge Herren zu wackern Männern fürs Vater-land, und zur Ehre Dero hohen Hauses zuerziehen. Aber was hilft das? Seine Forde-rungen sind ungeheuer, und Ew. Excellenz sind

zu einsehend, als daß Sie wider die Ge- 60wem ^ero hoher Ahnherren so vieles Geldund dennoch nichts weiter dadurchlen als rechtschaffene Kinder. Wol-

Si? o^'s^^ben eine Lust machen, so geruhenlächerlicken eigenhändigen Aufsatz seiner 65

fuae ^ rivtkNjjio» in der copeylichen An-

s?tbeu^^?? *^n. Mit einem Worte, einSacke ^ ^r Ew. Excellenz keine

w - Es sind uvch einige andere bey mir

gewesen, welche sichs für eine grosse Gnade hal-ten, als Hofmeister in Ew. Excellenz Dienstezu treten. Sie versteh» freylich das wenigstevon dem, was Dieselben verlangen; und ichkann nicht läugnen, daß bey den meisten die Auf-führung nicht die beste ist. Inzwischen kann ichihnen doch nachrühmen, daß es Leute sind, welchemir sich handeln lassen, und die Ew. Excellenzgewiß nicht überlheuren werden. Mehrere Nach-richt davon werden Sie in der Beylage suk livon ihnen finden. Ew. Excellenz gnädigstenDisposition dieserhalb bin in Unterlhänigkeitich erwartend. Mein Rath hierbey wäre, son-der alles unziemende Maaßgeben, ich ließe dieseCandidaten alle auf einmal zu mir kommenund sie auf die Hofmeisterstelle licitiren. Dem-jenigen, welcher am wenigsten für seine Bemü-hung haben wollte, könnte ich sodann gedachteHofmeisterstelle zuschlagen. Doch überlasse alleszu Dero erleuchtem Ermessen ich lediglich, undverharre mit der tiefsten Devotion,Hochwohlgebohrner Herr,

Gnädiger Herr,

Ew. Excellenz

unterthänig gehorsamster Diener

N. S. Wollten Ew- Excellenz die hoheGnade haben, und das Stipendium, so Dieselbenzu disponiren haben, meinem ältesten Sohnegnädig conseriren; so würde dieses mir dergrößten Unterlhänigkeit ich Lebenslang veneriren.

-V.

Endesbenanter glaubt, daß er, ohne unbilligzu seyn, für die von Seiner Excellenz geforder-ten Bemühungen und Dienste, als Hofmeisterder jungen Herrschaft, jährlich folgendes ver-langen könnte:

1) Für Aussicht, Unterweisung im Thlr.Christenthums, und in der lateini-schen Sprache, überhaupt .... 50 —

2) Für die Französische Informa-

tion monatlich zwey Thaler, thut ausdreyzehn Monate - - - „ - - ^6 ^

3) Dergleichen im Italiänischen,

zwey Thaler.26