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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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267-268
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Johann Georg Förster.

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mand sich unterstehen dürste, über Dinge zusprechen, oder vielmehr seine Berstandeskräftean Dingen zu üben, die er nicht rein bis aufdie letzten Gründe sich entwickeln kann; so ge-hörte die große Masse der fürstlichen Automa-ten, des ungebildeten und ausgearteten Adels,der juristischen Tröpfe, der Theologen, die ihreDogmalik nur auswendig wissen, zu den ersten,denen man Stillschweigen gebieten müßte, in-deß nur wahre Weise sprechen, und — was mehrist, regieren dürften. Neben so vielen Rechten,welche die Mensche» veräußern und übertragenkonnten, um den Vortheil der Bereinigung zueinem Staate zu genießen, gibt es auch andere,welche ihrer Natur nach unveräußerlich sind;und unter diesen stehet das Recht, ihre Geistes-fähigkeiten durch Entwicklung, Uebung und Aus-bildung zu vervollkommnen, oben an. Wennein Vertrag die Sklaverey gut heißen, und denunumschränkten Willen eines Tyrannen fürrechtmäßig erklären könnte, so darf doch selbstdas Leibeigenthum, welches jemand besitzt, ihmnicht zum Vorwande dienen, seine Sklaven ander Erreichung ihrer Bestimmung als Men-schen zu verhindern. Oder geht die Anmaßungder Tyranncy so weit, daß sie ihren Opfernauch diese Bestimmung abspricht? darf sie imErnste der Natur so schrecklich spotten, undohne Hehl den Sklaven zum Thier herabwür-digen wollen? Darf sie sich das Recht zuspre-chen, einem Menschen Vernunft und Mensch-heit auszuziehen? Dann rege sich alles, wasnoch Menschheit im Busen fühlt, gegen dasUngeheuer, das seine Größe nur auf Zerstö-rung bauet! ,

Wenn wir nicht auf Inkonsequenzen ver-fallen wollen, die alle Bestimmung unmöglichmachen und den Grund aller Verträge undaller Rechte untergraben; so muß selbst diedespotische Regierungsform eben den Zweck ha-ben, den die Natur mit einem jeden einzelnenDaseyn eines vernünftigen Wesens erreichtwissen wollte, den Zweck, den unsere Vernunftuns unaufhörlich vor Augen hält: den höchst-möglichen Grad sittlicher Vollkommenheit, durchdie Entwicklung aller in uns gelegten Anla-gen, zu erreichen. Dem Bande der Gesellschaft,durch welches diese Entwickelung auf eine voll-kommenere Art, als im gesetzlosen Zustande,erreicht werden kann, opfern wir gewisse Mit-tel zur Ausbildung freywillig auf: wir leidengewisse Einschränkungen unserer äußerlichenFreyheit,, unserer Handlungen; wir thun Ver-zicht auf die vollkommene Gleichheit unsererRechte, um im Staate vereinigt, mit desto grö-ßerer Sicherheit auf dem Wege der moralischenVervollkommnung ungehindert fortzuschreiten.Dir Erbärmlichkeit, womit unzählige Menschen,durch falsche Vorstellungen geleitet, an der blo-ßen Existenz, als an dem höchsten Gute han-gen, mag vielleicht dazu mitgewirkt haben, beyden unumschränkten Herrschern den hohen Gradvon Verachtung gegen ihre Unterthanen zu er-regen , vermöge dessen sie ihnen unendlich vielGnade zu erzeigen glauben, wenn sie ihnen nurblas Leben und die Mittel zu seiner kümmerli-chen Erhaltung schenken. Allein, wie gesagt;hier ist nicht die Rede von den Irrwegen, aufwelche der menschliche Geist gerachm kann,

wenn er sich selbst als alleinigen Zweck, undalles andere, die Menschen sogar nicht ausge-schlossen, als um seinetwillen geschaffen wähnt;sondern wir suchen hier den einzig möglichen5 Grund, auf welchem die schon bestehenden Ver-träge zwischen den Gliedern der Gesellschaft be-ruhen, und auf welchen die Herrscher im Staatevor dem Richterstuhle der Vernunft ihr Rechtbeziehen können. Ein Vertrag ist nichtig, der10 die Sittlichkeit verletzt, und eine Staarsverfas-sunq hat keinen Augenblick eine rechtmäßigeExistenz, wenn sie sogar ihren Gliedern dieMöglichkeit einer sittlichen Vervollkommnungraubt. Diese Vervollkommnung aber setzt den15 uneingeschränkten Gebrauch der Vernunft unddes gcsammten Erkenntnißvermögens voraus; sieheischt sogar Freyheit des Willens, worauf nurda Verzicht gethan werden darf, wo gewisseHandlungen der fremden Willkühr zum gemein«20 schaftlichen Besten Aller, das heißt, zur Beför-derung der allgemeinen Vollkommenheit, unter-worfen werden müssen. Jede Einschränkungdes Willens, die nicht zur Erhaltung des Staatsunentbehrlich ist, wird der Sittlichkeit seiner25 Glieder gefährlich, und die Gefahr einer solchenVerwahrlosung der eigentliche» Herrscherpflichlist groß genug, um weisen Despoten ihren Wegvorzuzeichnen, und sie aufzufordern, ihren Un-terthanen die uneingeschränkte Religions-, Ge-30 Wissens-, Unterredungs- und Preßfreydeit zu-zugestehen, ja sogar über die Verhältnisse desStaats, über seine Mängel und die Mittelihnen abzuhelfen, keines Menschen Nachdenkenund Bemühung sich und andere zu unterrich-35 ten, ein Ziel zu stecken. Friedrich der Einzigewar auch in diesem Stücke konsequent und allenkünftigen Alleinherrschern ein Muster.

Immerhin mögen die Vertheidiger des De-spotismus über die gehoffke Vervollkommnung40 des Menschengeschlechts lachen! Ich lache gernmit ihnen, wenn von der Realisirung einesIdeals der sittlichen Vollkommenheit die Redeist. Wie das Ideal des sinnlichen Vollkomme'nen, kann es nur in der Phantasie des Ph>l<^45 sophen eristiren, und hat nicht einmal den Gradvon Realität, den der Künstler im Bilde demJdealischschönen geben kann. Allein es heiß'zu früh gelacht, wenn nicht der höchste den^bare Punkt der Vollkommenheit als wirklich50 erreichbar angenommen, sondern nur die Frey^heil, in der Entwicklung jedes Einzelnen so meczu kommen, als Organisation, inneres Krall'maß und natürliche Beziehungen es jedesmagestatten, von dem Staate und seinen55 schern gefordert wird. Erfahrung undschichte lehren unwidersprechlich, daß die iNemsehen zu allen Zeiten von den Vorschriften, °sich aus dem Wesen der menschlichen Verholableiten lassen, abgewichen sind, um einem60 losen Begehrungsvermögen zu gehorchen: udall sehe» wir die Vernunft im Streite'bloß thierischen Kräften, und in unzah wFällen bemerken wir den Sieg der geftßl iSinnlichkeit. Aber im innersten Grunde65 seres Wesens liegt der Maßstab, wonntAUcs messen und würdigen können, das cS ^thümlichc moralische Gefühl, welches " ^

einzigen Vernünftigen fehlt, und in we mdie Unterschiede des Guten und Bösen, "