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Johann Georg Förster.
In Frankreich brach dieser Geist hervor, inFrankreich, wo der Despotismus seit Jahr-hunderten theils absichtlich, theils unwillkühr-lich, der Sittlichkeit einen schaudervoilen Unter-gang bereitete; in Versailles, in Paris und an-dern Tummelplätzen der ungezähmtesten Be-gierden, der schamlosesten Laster, der verwor-fensten Entartung, wohin die Menschheit ge-langen kann, wenn unumschränkte Macht und
theils zu sammeln, die vor ihm niemand sovollständig zusammengetragen und so fruchtbarfür die Politik geordnet hatte. Deutschen Fleißund Französischen Geist sah man nirgends inschönerem Bunde, als in seiner und seinesFreundes „Preußischen Monarchie." SemeSchriften über das Bankgeschäft, über den Ak-ticnwucher, über Neckers Administration; seineReden über die Assignaten, über den Staats-nngeheurc Mittel die Hirten eines Volkes in 10 bankerott, über die Anleihen, über unzähligerasende Wülhriche verwandeln und ein nichts- Gegenstände der Administration, der Finanzen,würdiger, sogar der Schande abgestorbener der Politik, der Rechtspflege tragen eben diesesHöflingsschwarm in der Benennung sroues), Siegel der tiefen Einsicht, des reifen Urtheils
die seine Verworfenheit und Scrafbarkeit be- und der mannichfaltigsten, durchdachtesten
zeichnet, die letzte Zuflucht seines Selbstgefühls 15 Kenntniß.
findet! — Es ist hier nicht der Ort, die Fle- In seinen drey letzten Lebensjahren trat
cken zu entschuldigen, die Mirabeau's Charak- endlich Mirabeau, als Mitglied der constitui-
ler oder sein Ruf, oder beyde zugleich, vom renden Nationalversammlung, im vollen Glänze
Durchgänge durch diesen Pfuhl davon tragen seiner Talente, seiner Grundsätze und seiner
mochten, und es liegt auch nichts daran, ob 20 Tugenden hervor. Eine Nation, in deren Mittejemand es mühsam erweisen könne, daß er es die Aufklärung des Kopfes den höchsten Gipfelnur Verkettungen des Schicksals, unabhängig der Verfeinerung erstiege» hatte, indeß das Herzvon ihm selbst, verdanken müsse, wenn er nicht, unter dem Druck ihrer Fesseln verschrumpfte,
wie Hunderttauftnde seiner Zeitgenossen, gänz- stand in ihrem armen Wortreichthume nackt
lieh darin versunken sey. Wohl wissen wir, 25 und ohnmächtig einem Manne gegenüber, dessendaß die Allmacht des Schicksals den ärmsten Patriotismus, dessen Freyheitsliebe, dessen Be-Tropf auf Mirabeau's Platz hätte heben kön- redsamkeit so tief empfunden als gedacht waren,nen; aber was hätte denn der Tropf da gethan? Seines Geistes Blitze trafen von Herz zu Herz,Lyrannenhaß mag leicht die Regung gewesen und der Donner seiner Rede war nur ihre er-setz», womit die meisten Schlachcopser der will- 30 schlitternde Begleitung. Im drückenden Gefühlekührlichen Gewalt in den Kerkern Frankreichs seiner Ueberlegenheit rächte sich zuweilen diesaßen; aber Mirabeau war der einzige, der in Nationalversammlung an ihm durch ein Miß-seiner Schrift lsur las lellros üo eaelivt) die trauen, das für Ostracismus gelten konnte;Art an den Baum legte und im Herzen aller aber öfter huldigte sie einstimmig der unwider-seiner Mitbürger den gerechten Unwillen her- 35 sächlichen Wahrheit und Evidenz seiner Götler-vorcief, der die abgelaufene Frist einer allzu- sprüche; ähnlich dem Volke von Athen, das
langmülhigen Geduld verkündigte. Feigheit seinen Alcibiadcs „liebte und haßte und immer
und Ungerechtigkeit sind unzertrennlich; man wieder verlangte." »
fand die Bastille beynahe leer, als die Frey- Als einweise Räthe des Königs die gemalt-
heicswulh der Pariser sie stürmte. 40 same Auflösung der Nationalversammlung be-
Die Last jugendlicher Unbesonnenheit lag schlössen hatten, ward Mirabeau ihr rettender
schwer auf Mirabeau; die Verschwendung seines Schutzgeists ihm allein verdankte sie ihre Fort-
Vermögens büßte er desto härter, je unbiegsa- dauer, ihm die Erhaltung ihres Ansehens undmer sein stolzer Geist den einzigen Weg ver- ihrer Würde. So lange er lebte, verhütete erschmähte, der an einem verderbten Hofe zu 45 allein den Bürgerkrieg, er allein überschaute denWürden und Reichthümern führt. Irrend ganzen ungeheuren Kreis der Revolution; er
durch Europa, oft gezwungen von feiner Feder kannte die Kraft ihrer Triebfedern, und sein
nothdürfrigen Unterhalt zu entlehne», war fester Plan war auf die richtige, weise Beur-
Freyheit sein Thema, und Bürgerglück der theilung und Abmessung ihrer Gränzen gebauet.
Endzweck aller sclner Schriften. Sein Vater- 50 Er harte Muth und Stärke, die Dämme un-land behielt jederzeit seine eifrigsten Wünsche, verletzt zu erhalten, die das Volk nicht ringe-
und bey allem was er that, verlor er es nie straft durchbricht. Er war der gute Genius
aus dem Auge; allein auch in andern Staaten der Französischen Freyheit, und was er für sie
predigte er laut, was er dachte, was er em- that, war eben was er unvermeidlich fand, da-
psand, was er für das allgemeine Wohl für 55 mit, indem man eS weigerte, nicht ungleichunentbehrlich oder zuträglich hielt. Mit prü- mehr erzwungen würde. Die Weisheit seines
fendem Blicke sichtete er überall die Menschen Herzens wollte und konnte vermitteln. M"
um sich her; es war ihm gegeben, tief in ihr schrecklicher Klarheit hat die Erfahrung nach
Herz zu schauen und ihren Verstand aus die seinem Tode gelehrt, wie man alles verliere»
Feuerprobe des seinigen zu bringen; sein Ur- 60 mußte, weil man etwas zurücknehmen gewoll-theil traf sicher und scharf. Mit der Gabe, das Mit demselben Scharfblicke, der ihn d>
Ganze zu umfassen und zu durchdringen, ver- Gährung seines Vaterlandes als allgemein »n
band er, was nur dem Genie möglich ist: jenes entscheidend erkennen ließ, hatte er auch dies-
Ausharren, das die kleinsten Bestandtheile einer seils des Rheins die Gemüther erforscht »n
Wissenschaft oder eines Zweiges vom menschli- 65 das entgegengesetzte Resultat den Deutschtchen Wissen erschöpft. So gelang es ihm, mit selbst aus Herz gelegt. „Ihr könnt mehr w'-
gründlichen und weit umhergreifenden Vorkennt-mssen, in der Bahn des Staatsmannes Kennt-nisse vom gegenwärtigen Zustande unsers Well-
sen als wir," rüst er uns zu; „aber ihrnoch nicht so reif als wir, wen» es auch »"tunserer Reife wenig sagen will. Ihr seyd e°