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Friedrich von Schiller..
keil seines Gefühls hingerissen, auf Abwegegeräth, so können wir vielleicht einen Augen-blick schaudern, verabscheuen, hassen; aber ver-achten können wir nicht.
Mit einem heftigen Temperamente, erhitztdurch Partcygeist und unter deni Einfluß einestäuschenden Borurtheils, wäre es indeß mög-lich , sich selbst zu überreden, daß der Haß undGroll gegen Mirabeau nur kalte Geringschä-tzung sey; Männer von diesem Charakter fas-sen ihn nicht, weil sie ihn nicht fassen wollen.Verachtung heucheln, wo man das Gegentheilzürnend und neidisch empfindet, ist leider einKunstgriff, dessen mancher kleine Vertheidigereiner schlechten Sache sich schuldig zu machenweiß. Nichts ist kleinen Seelen so drückend,als wahre Größe; lieber preisen sie, wo nichtszu preisen ist, und stellen einen Strohwisch alseinen Halbgott hin, ehe sie sich den Genußversagten, einen Mirabeau durch Lästerung undWegwerfung zu sich herabzuziehen. Allein dasedle Selbstgefühl, der Stolz eines guten undgroßen Bewußtseyns, läßt sich nicht so leichthinzu heucheln. Wen ein tugendhafter, großerMann verachtet, nur der bleibt verachtungs-würdig, so lange die Geschichte lebt, indeß derleere Lerläumder nur seine eigene Schwächeverräth. Es gibt noch einen dritten Fall. DemWilden, der das Goldstück verachtet und dafürden eisernen Nagel ergreift, dem mangelt derBegriff von relativem Werthe beyder Metalle.Wenn Mirabeau wirklich irgendwo der Gegen-stand einer ernstlich gemeinten Geringschätzungseyn könnte, so würde dieses Phänomen sichnicht anders, als durch eine solche Radikalnulli-lär des Herzens, eine so vollkommene Erstor-
benheit jedes männlichen Sinnes erklären, wo-bey man unfähig seyn müßte, einen Mann z»begreifen. Wer mit Menschen- und mit En-gelzungen redete, und hätte dieser Liebe nicht,5 der wäre wahrlich nur ein tönend Er; und eineklingende Schelle (1. Korinth. 13, v. 1.). —Edler, größer, fester und patriotischer als Al-cibiades, dennoch hatte Mirabeau manche Aehn-lichkeil mit ihm. Dahin gehört besonders die-1V ser Zug, daß er Bewunderung, Achtung undLiebe fand, wohin sein Schicksal ihn führte;„er brachte es dahin« , sagt Nepos, „daß erüberall, wo er nur gewesen, oben angestelltwurde und ungemein beliebt war.« Ich könnte un-15 ter Mirabeau's eifrigen Freunden in England undin Deutschland Namen nennen, die über jeden Ta-del erhaben sind, und mit deren Beyfall und Liebegewaffnet, ich dem Hasse, dem Neide, der Ver-läumdung trotzen , und es ruhig ertragen würde,20 wenn die ganze übrige Welt mich verkennte.Wenn es den Menschen frommt, zu erkennenund zu empfinden, was gut und groß genanntzu werden verdiene, so ist es die Pflicht desrechtschaffenen Schriftstellers, der Größe und25 den Verdiensten Zeugniß zu geben.
- „Wahnsinniger Menschen Be-thörung kämpft entgegen dem Preis;wider Nechr erhebt sie3» die Stimme, will mir Schande dieFeier der Edeln verhüllen.
Aber den Sand am Gestad' fliehet die mes-sende Zahl;
und wie viel Samen EN des zukünft'gen35 Segens streute, wer vermag es zu sagen?«
P i n d a r.
Friedrich von Schiller.
>. was heißt und M welchem Ende studirt man Universalgeschichte ?
Eine akademische Antrittsrede.
Erfreuend und ehrenvoll ist mir der Auftrag, 55meine h. H. H., an Ihrer Seite künftig einFeld zu durchwandern, das dem denkenden Be-trachter so viele Gegenstände des Unterrichts,dem lhäligen Weltmann so herrliche Musterzur Nachahmung, dem Philosophen so wichtige <>0Aufschlug^ und Jedem ohne Unterschied so reicheQuellen des edelsten Vergnügens eröffnet —das große weite Feld der allgemeinen Geschichte.
Der Anblick so vieler vortrefflichen jungen Män-ner , die eine edle Wißbegierde um mich her 65versammelt, und in deren Mitte schon mancheswirksame Genie für das kommende Zeitalteraufblüht, macht mir meine Pflicht zum Ver-gnügen , läßt mich aber auch die Strenge und
Wichtigkeit derselben in ihrem ganzen Umfangempfinden. Je größer das Geschenk ist, ° ,ich Ihnen zu übergeben habe — und what der Mensch dem Menschen Größeres rgeben, als Wahrheit? desto mehr mußSorge tragen, daß sich der Werth der" ,unter meiner Hand nicht verringere. Je sediger und reiner Ihr Geist in dieser glücklUPl^Epoche seines Wirkens empfängt, und ss ^scher sich ihre jugendlichen Gefühle entflam«^desto mehr Aufforderung für mich, z» "Istzeitdaß sich dieser Enthusiasmus, den die Way ^allein das Recht hat zu erwecken, anund Täuschung nicht unwürdig verschwen '^tFruchtbar und weit umfassend ist das