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Friedrich Wilhelm Joseph von Schclliiig.
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diesem Sinn das Häßliche öfter und selbst mit ihm nur in ihren getrennten Elementen, auf
mehr Liebe nachgeahmt worden ist, als das der einen Seite als Schönheit, die im Begriff
Schöne. Wenn wir die Dinge nicht auf das ist und aus der Seele fließt, auf der andern
Wesen in ihnen ansehen, sondern auf die leere, als die Schönheit der Formen. Welches thätig
abgezogene Form, so sagen sie auch unserm In- 5 wirksame Band bindet nun aber beide zusam-nern nichtsk unser eignes Gemüth, unsern eig- men, oder durch welche Kraft wird die Seele
neu Geist müssen wir daransetzen, daß sie uns sammt dem Leib, zumal und wie mit Einem
antworten. Was ist aber die Vollkommenheit Hauche, geschaffen? Liegt dieses nicht im Ler-
jedeS Dinges? Nichts anders, denn das schaf- mögen der Kunst, wie der Natur, so vermag
sende Leben in ihm, seine Kraft, dazusein. 10 sie überhauvt nichts zu schaffen. Dieses lebendigeNie also wird dem, welchem die Natur über- Mittelglied bestimmte Winkelmann nicht; er lehrte
Haupt als Todtes vorschwebt, jener tiefe, dem nicht, wie die Formen von dem Begriff aus er-
chemischen ähnliche Prozeß gelingen, wodurch, zeugt werden können. So ging die Kunst zu
wie im Feuer geläutert, das reine Gold der jener Methode über, die wir die rückschreitende
Schönheit und Wahrheit hervorgeht. 15 nennen möchten, weil sie von der Form zu dem
Nichts geändert in der Hauptansicht dieses Wesen strebt. Aber so wird das Unbedingte
Verhältnisses wurde auch da, als man anfing, nicht erreicht: durch bloße Steigerung des Bc-das Ungenügende jenes Grundsatzes allgemeiner dingten wird es nicht gefunden. Darum zeigen
zu empfinden. Nichts selbst durch die herrliche solche Werke, die ihren Anfang von der Form
Stiftung neuer Lehre und Erkenntniß durch 20 genommen haben, bei aller Bildung von SeitenJohann Winkelmann. Zwar er setzte die Seele der letzten als Merkmal ihres Ursprungs eine
in der Kunst in ihre ganze Wirksamkeit wieder unaustilgbare Leere an eben der Stelle, wo wir
ein, und erhob sie von der unwürdigen Abhän- das Vollendende, Wesentliche, Letzte erwarten,
gigkeit in das Reich geistiger Freiheit. Lebhaft Das Wunder, wodurch das Bedingte zum Un-
bewegt durch die Schönheit der Formen in den 25 bedingten gehoben, das Menschliche ein Göttli-Bildungen des Alterthums lehrte er, daß Her- ches werden sollte, bleibt aus; der magische Kreisvorbringung idealischer und über die Wirklich- ist gezogen, aber der Geist, der sich in ihm fassen
keit erhabener Natur sammt dem Ausdruck gei- sollte, erscheint nicht, unfolgsam dem Rufe dessen,
stiger Begriffe die höchste Absicht der Kunst sei. der eine Schöpfung durch die bloße Form fürUntersuchen wir aber, in welchem Sinne 30 möglich hielt,von dem größten Theil jenes Uebertreffen der Ferne sei es von uns, hiemit den Geist des
Wirklichkeit durch die Kunst verstanden worden: vollendeten Mannes selbst tadeln zu wollen,
so findet sich, daß auch mir dieser Lehre die An- dessen ewige Lehre und Offenbarung des Schö-
sichr der Natur als bloßen Produkts, der Dinge nen mehr die veranlassende, als die bewirkende
als eines leblosen Vorhandenen fortbestand, und 35 Ursache dieser Richtung der Kunst wurde! Heiligdie Idee einer lebendig-schaffenden Natur da- wie das Gedächtniß allgemeiner Wohlthäter bleibe
durch keineswegs geweckt wurde. So konnten uns sein Andenken! Er stand in erhabener Ein-
denn auch jene idealischen Formen durch keine samkcit, wie ein Gebirg, durch seine ganze Zeit :
positive Erkenntniß ihres Wesens belebt sein; kein antwortender Laut, keine Lebensregung,
und waren die der Wirklichkeit todt für den 40 kein Pulsschlag im ganzen weiten Reiche dertodten Betrachter, so waren es jene nicht minder ; Wissenschaft, der seinem Streben entgegen kam.
war von den letzten keine selbstthätige Hervor- Als seine wahren Genossen kamen, da eben
bringung möAich, so auch nicht von den ersten. wurde der Treffliche dahin gerafft. Und dennoch
Der Gegenstand der Nachahmung wurde ver- hat er so Großes gewirkt! Er gehört durch
ändert, die Nachahmung blieb. An die Stelle 45 Sinn und Geist nicht seiner Zeit, sondern cnt-
der Natur traten die hohen Werke des Alter- weder dem Alterthum an, oder der Zeit, deren
rhums, von denen die Schüler die äußere Form Schöpfer er wurde, der gegenwärtigen. Er gab
abzunehmen sich befleißigten, doch ohne den durch seine Lehre die erste Grundlage jenem all-
Geist, der sie erfüllet. Jene sind aber eben so gemeinen Gebäude der Erkenntniß und Wiffen-
unnahbar, ja sie sind unnahbarer, als die Werke 60 schaft des Alterthums, das spätere Zeiten aus-ser Natur, sie lassen dich kalter noch als jene, zuführen begonnen haben. Ihm zuerst ward
wenn du nicht das geistige Auge hinzubringst, der Gedanke, die Werke der Kunst nach der
die Hülle zu durchdringen, und die wirkende Weise und den Gesetzen ewiger Naturwerke zu
Kraft in ihnen zu empfinden. betrachten, da vor und nach ihm alles andere
Von der andern Seite erhielten zwar die 55 Menschliche als Werk gesetzloser Willkür ange-Künstler seit dieser Zeit einen gewissen ideali- sehen und demgemäß behandelt wurde. Sein
scheu Schwung und Vorstellungen einer über Geist war unter uns wie eine von sanften
die Materie erhabenen Schönheit, aber diese Himmelsstrichen Herwehende Luft, die den Kunst-
Vorstellungen waren wie schöne Worte, denen Himmel der Vorzeit uns entwölkte und die Ur-
die Thaten nicht entsprechen. Hatte früherer 00 fache ist, daß wir jetzt mit klarem Aug undKunstgebrauch Körper ohne Seele erzeugt, so durch keine Umnebelung verhindert die Sterne
lehrte diese Ansicht nur das Geheimniß der Seele, desselben erblicken. Wie hat er die Leere seiner
aber nicht das des Körpers. Die Theorie war, Zeit empfunden ! Ja, hätten wir keinen an-
wie es zu geschehen pflegt, mit einem raschen dcrn Grund als sein ewiges Gefühl der Freund-
Schritte auf die entgegengesetzte Seite hinüber 05 schaft und die unauslöschliche Sehnsucht ihresgetreten, aber die lebendige Mitte halte sie noch Genusses, so wäre diese Rechtfertigung genug
nicht gefunden. für das Wort der Bekräftigung geistiger Liebe
Wer kann sagen, daß Winkelmann die höchste gegen den Vollendeten, den Mann klassischenSchönheit nicht erkannt? Aber sie erschien bei Lebens und klassischen Wirkens. Und hat er