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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
813-814
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Christoph Friedrich Schlosser.

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lich dargebotenen Lebensmitteln, daß jetzt mehran Krankheiten starben, als auf dem ganzenZuge durch das L>chwert umgekommen waren.Andere kehrten, uneingedenk des noch nicht er-füllten Gelübdes, zu Schiffe in ihre Heimath 5zurück, oder zerstreuten sich nach mancherleiRichtungen, oder verkauften aus Geldmangelihre Waffen; und nur der geringe, zum Fech-ten taugliche lleberrest folgte dem Herzoge nachTyrus. Hier begrub man in feierlicher Trauer 10Kaiser Friedrichs Gebeine, und vereinte sichdann mit den Christen von Akkon. HerzogFriedrich kämpfte tapfer und stiftete den Orden

der deutschen Ritter; dann erlag er am 20stenJanuar 1191 ebenfalls den Krankheiten , und dieUeberbleibsel des so großen deutschen Heeresverschwinden seitdem in der Geschichte der Be-lagerer von Akkon.

So endete der dritte, mit den frühesten Hoff-nungen begonnene, mit seltener Klugheit ge-führte Kreuzzug. Bei längerem Leben des gro-ßen Kaisers wäre er gewiß nicht in diesemMaße vereitelt worden; indeß erschienen die un-ausweichbaren Schwierigkeiten, welche in demUnternehmen selbst lagen, seitdem bedeutenderund abschreckender als je zuvor.

Christoph Friedrich Schlosser.

Friedrich Wilhelm 1.,

Wir haben es weniger mit der Per-sönlichkeit und dem Charakter des Königs zu 30thun, als mit dem Verhältniß, in dem er zuseiner Zeit stand. Wir glauben, daß eine bloßeAnführung der Thatsachen hinreicht, um vondem Leben und den Sitten, deren Repräsentanter war, und von den Menschen, welche auf die 35Weise, wie er regierte, sich regieren und gebrauchenließen, oder gar regiert werden mußten ; einen Be-griff zu geben. Uebrigens hat sich der boshafte Witzder in der französischen Schule gebildeten Spöt-ter der Geschichte dieses Königs bemächtigt, und 40hat seine Schattenseite so grell gemalt, daß manMühe hat, die Manier dieser kräftigen Regen-ten-Natur aus dem Standpunkt der Zeit undder Bildung, welche eine solche Diktatur oderDespotie forderte, ohne Vorurtheil zu betrach- 45ten- Der Meister des bittern Spotts und geist-reicher Verhöhnung, Voltaire, hat auf den er-sten Seiten des Buches, das er seine Denk-würdigkeiten nennt, alles Lächerliche und Ge-hässige zusammengestellt, was sich von einem 50geizigen und tyrannischen Regenten, und vonder unseligen Vereinigung der Verwaltung undGerechtigkeitspflege, die unter ihm in Deutsch-land Statt fand, und hie und da noch Stattfindet, Nachtheiligcs und Empörendes sagen 55läßt. Pölnitz, ein Mann von ähnlichem Witzund gleicher Bildung mit Voltaire», hat zu derallgemeinen Schilderung, die dieser gegeben hatte,die einzelnen Züge hinzugesetzt: und VoltairesFreundin und Korrespondent!», die Fürstin von 60Baireuth, hat ihren eignen Vater in den Denk-würdigkeiten, die man vor fünfundzwanzig Jah-ren hervorgezogen hat, fast noch schlimmer be-handelt als Voltaire selbst. Wer indessen das ,Buch der preußischen Prinzessin, welches wohlhätte ungeschrieben oder wenigstens ungedrucktbleiben können, aufmerksam liefet, würde gewiß,wenn er wählen müßte, der durch Beispiel und «,

Wirkung abschreckenden,geraden, derben, einfachen »

Liüiüg von Preußen.

und doch wieder biedern teutschen Rohheit und Bar-barei des Königs vor der falschen, prahlendeneiteln, boshaften, verschwenderischen, französischenHofbildung seiner Tochter, wie sie sich in demBuche ausspricht, den Vorzug geben. Des Kö-nigs Geiz, dessen Uebermaß lächerlich und ge-hässig ward, schaffte in einer Zeit, wo Ver-schwendung an der Tagesordnung der Höfe war,seinem Nachfolger die Mittel, den teutschen Na-men, der damals unter allen Nationen einSpott geworden war, zu Ehren zu bringen;Friedrich Wilhelm zeigte außerdem dem teut-schen Bürgersmann, den er dadurch ehrte, daßer sich nach seiner Weise kleidete, daß er wiedieser lebte und speiscte und redete, auf welcheArt der Bürgerstand eigentlich feine Unabhän-gigkeit sichern kann und muß. Der König wardreich und mächtig, nicht durch Speculationen,Banken, Papier, Kauf und Verkauf, sonderndurch Sparsamkeit und Haushalten mir gerin-gem Einkommen; er zeigte dem teutschen Bür-ger, dem die Erwerbsmittel der Holländer undEngländer der Lage des Landes und den Um-ständen nach nie zu Theil werden können, unddem die Reichthümer des verschwendenden Adelsfehlten, daß nicht der Besitz großer Gütersondern die Verachtung kostbarer Vergnügun-gen und einfaches Leben reich mache. Von Böl-lern, von Virtuosität im Trinken, von Mai-treffen und genialer Liederlichkeit, von fremdenKünsten und Künstlern, Sängern und Tänzernund Geigern war in Berlin keine Rede - aberfreilich auch von keiner Bildung unb keinemStreben, das nicht einen unmittelbaren Nutzenzum Zwecke hotte. Um zu begreifen woherdes Köings Verachtung zur Wissenschaft kam,muß man bedenken, daß die französische Bil-dung, welche seine Mutter und sein Erzieherder derben, nur auf das unmittelbar Nützlichegerichteten deutschen Natur Friedrich Wilhelmshatten aufdringen wolle», diesem eben so wid»