Allgemeines.
185
großen Wirkungen dieses Ordens den Sachsen zum Verdienste anrechnet.Was nun Anhalt angeht, so erinnere man sich, welch ein vortrefflicherMann Fürst Georg von Anhalt war, der die neue Lehre einführte, derselbst mit vielen Predigten und theologischen Schriften auftrat und dessenMutter schon eine Passion in Reime gebracht hatte. Man muß sich erin-nern, daß Johann Arndt, diese bedeutende Säule des Protestantismus,von diesen Gegenden ausging, und daß Caspar Peueer hier eine Zu-flucht fand. Neben Fürst Ludwig von Köchen, dem Stifter der frucht-bringenden Gesellschaft, waren zwei andere Anhaltische Fürsten schrift-stellerisch thätig; des Hauses vielfache Verbindungen mit den französi-schen Calvinisten und mit Heinrich IV. hatten die Bekanntschaft mit derfranzösischen und italienischen Literatur vermittelt. Ludwig selbst, der inseiner Jugend in Europa gerecht war und diese Reise später selbst besun-gen hat, war aus dieser Länderschau mit der Vorliebe für italienischeBildung ganz durchdrungen worden, und hatte übrigens für das Ver-schiedenste Sinn: er ging auf Verbesserungen des Schulwesens einzeigte seinen Geschmack in den italienischen Gartenanlagen um Köchen,und war aus guter Ueberzeugung ein Verehrer deutscher Spracheund Sitte. Wie gebildet der Anhaltische Adel verhältnißmäßig war,scheint schon die Theilnahme an dem neuen Orden zu zeigen, in den 16Fürsten und 68 Adelige blos aus dem Fürstenthum Anhalt eintraten.Die Veranlassung zur Stiftung des Ordens wird so erzählt BeiGelegenheit des Begräbnisses der Herzogin Dorothea Maria von Wei-mar, einer Schwester des Fürsten Ludwig, kam die Rede auf die italieni-schen Akademien, und wie heilsam es sein würde, wenn sich auch inDeutschland eine solche Gesellschaft für Erhaltung der deutschen Sprachebilden könnte. Auf Einrathen Kaspar's von Teutleben ward sogleich zur
129) Der Holsteiner Philolog Wolsgang RatichiuS (1571—16)5), der auf erleich-ternde Lehrmethoden sann, trug seine Plans an Höfen und Städten herum, übergab sie1612 der Reichsversammlung in Frankfurt, und erregte die Aufmerksamkeit der Fürsten.Die Höfe von Hessen und Weimar verlangten Gutachten über seine Plane; Ludwig vonAnhalt aber nahm ihn bei sich auf, und legte eine Druckerei an, wo die pädagogischenSchriften von RatichiuS gedruckt wurden. Man täuschte sich aber in ihm, wie späterin Basedow.
136) Die zwei Hauptquellen über den Orden sind: der teutsche Palmenbaum :c.durch den Unverdrossenen (C. Gustav v. Hille). Nürnbg. 1617 und besonders: Neu-sprossender Palmbaum:c. von dem Sprossenden (Georg Neumark), Nürnbg. s. ».Vergl. Otto Schulz, die Sprachgesellschaften des 17. Jahrhs. Berlin 1824, und Bert-holt:, Gesch. der fruchtbringende» Gesellschaft. Berlin 1848.