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Dritter Band.
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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

den kühneren Gryphius sonst Niemand so nackt zu sagen getraute. DesHeinsiuS Lobgesang aus Christ hatte Opitz schon 1619 übersetzt. Diesesbewunderte Gedicht muß in der That mit vielen Anderen der Niederlän-der als Vorläufer der Milton-Klopstock'schen Poesie angesehen werden;es hat die Anlage eines antiken, Lykophron'schen Hymnus, hat wie soviele lateinische Gedichte der Zeit durch geschickte Benutzung der Alteneine gewisse dichterische Wärme. Opitz ahmte ihm nach in dem Lobge-sang auf die Geburt Christi (1622). Man lese das Eine neben demAndern: Opitz weiß nicht mit gleicher Gewandtheit seine Lectüre zunutzen; nicht so den Schweiß zu verbergen; nicht den wohlthätigenWechsel von Andacht und Anruf, Geschichte und Erzählung, Betrachtungund Lehre durchzuführen. Alles ist hier trocken, verständig, kalt, ein-tönig, bis wo ein unpoetischer Ausdruck (wie Weibsvolk, Klepper unddergl.) uns aufschreckt. Wer die alten deutschen Leiche voll andächtigerInbrunst und dithyrambischen Schwungs hiergegen hält, bis zu welchemGegensatze sind wir da gelangt! Für den Bilderschwall dort haben wirhier eine Flut von Antithesen; ganze Reihen von Distichen kann manausheben von epigrammatischem Anstrich; und ganz recht sagen dieschweizerischen Herausgeber von Opitzens Werken (zwar lobend) auchüber eine Rede unsers Dichters von dem Leiden und Sterben Christs:sie sei an geschickt gefundenen Gegensätzen so reich, daß Opitz keiner an-deren Kunst bedurft (bedurft wohl, aber nicht gebraucht^ habe, dasGemüth des LeserS in die andächtigste Bewegung zu setzen. Wie wir nunauch diese Gedichte beurtheilen, gewiß ist, daß Opitz auch hierin der deut-schen Dichtung den Weg gezeigt habe, sich der Religion zu bemeistern, nichtsich von ihr bemeistern zu lassen, den Weg auf dem Klopstock weiter ging,mit dem Opitz den stolzen Dünkel des Vorzugs theilt, den sie als christlicheDichter schon ebendarum vor den alten heidnischen behaupten. Wir kön-nen aber, wenn wir diesen ueuerungsvollen Unterschied der geistlichen Ge-dichte von Opitz überblicken, begreifen, daß man ihm damals unter seinenstrengen Zeitgenossen Weltsinn vorwarf, daß ihm selbst ein Verwandter(Büttner) nach seinem Tode öffentlich nachsagte, er sei mehr den eitlen alsgöttlichen Schriften zugethan gewesen ; Vorwürfe, die sogar bis zu eigent-lich verleumderischen Anfechtungen seines Lebenswandels gestiegen sind.

Wenn für die ängstliche Religiosität jener Zeiten die Andacht unddas christliche Gemüth in Opitzens geistlichen Dichtungen zu geringwar, so ist sie für unseren heutigen Geschmack zu groß in ihren Einflüs-sen auf seine weltlichen Gedichte. Die Vornrtheile der übertriebenenFrömmigkeit und der bürgerlichen Ehrbarkeit gegen die Dichtung hatte