Martin Opitz. Paul Fleming.
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Gehirn zu Papier gebracht, und also mehr nicht als das Lob eines gutenDolmetschers, aber keines Poeten zu erfordern habe." Und im zweitenTheile geräth er noch einmal zugleich von einer andern Seite an Opitz:„Er hat, sagt er, die Episteln in Liedern gesetzt; mich bedünkt aber, daßdie vielen schweren Lehrpunkte darin kein schicklicher Inhalt zu Gedichtensind, deren Reimband die Meinung noch mehr verdunkelt und der Lieb-lichkeit, auf die die Poeterei zielt, zuwiderläuft; doch ist es eine Dol-metschung und nicht ohne große Mühe zu Wege gebracht; ich sage eineDolmelschung, in welcher keine poetische Erfindung vonnöthen gewesen."Wirklich ist die Erfindung in dieser Schäferei von Opitz, auf die er sichallerdings was einbildet, höchst ärmlich. Es ist ein Ehrengedicht aufdas Haus Schafgotsch; prosaische Erzählung ist mit Gedichten unter-webt. Der selbst erzählende Schäferdichter quält sich mit Liebesgedankenund Sonetten, es stören ihn darin einige Freunde. Er will reisen, dochfesselt ihn ein Dienst der Liebe. Der Gegenstand der Liebe wird nungesprächsweise abgehandelt. Die Unterredner befinden sich auf den Gü-tern der Schafgotsch; beim Unterhandeln stoßen sie auf eine Nymphe aneiner Grotte, die ihnen die Gegend und Gemächer mit all ihrer phanta-stischen Pracht zeigt. Der Leser erinnert sich gleich an die Scenerie un-serer alten Allegorien. Die Nymphe entwirft dann das Geschlecht unddie Thaten der Schafgotsche, zeigt ihre Bilder und Denksprüche, undeine Weissagung der Parzen. Die Schäfer gehen dann weiter, die Redefällt aus Rübezahl und Geister; gleich erscheint eine beschwörende Here,vor deren schrecklichen Reden und Handthierungen sie die Flucht ergreifen.Mit dem Zweck des Ganzen hat die Erscheinung nichts zu thun. Zuletztverweilen sie bei der Betrachtung eines warmen Brunnens und endenAbenteuer und Reden mit dem Tag. Dies ist Alles. Und dennoch istdies Stück das Vorbild einer großen Masse ähnlicher Erfindungen ge-worden. Der Hang zu lehrhaften Betrachtungen und zu Schildertenließ sich darin ungezwungen befriedigen. Und dies eben bleiben wesent-liche Theile der Poeterei dieser Zeiten. Von dem Didaktischen hörtenwir es; in Beziehung auf das Schildernde theilt Opitz (obwohl ihmdies nur dunkel vorsteht) mit Büchner jene Ansicht, die die Poesie einelebendige Malerei nennt, und diese Ansicht zog sich bekanntlich bis Les-sing hin. Opitz spricht sie in einem Gedicht an den Breslauer MalerStrobel aus; Büchner setzt sie als Motto vor seine Poetik. In den bei-den Gedichten Vesuv und Vielgut theilt sich Opitz immer zwischen Schil-derung und Lehre und vertieft sich in das gelehrte Didaktische so, daß ergleich einen Commentar zum Vesuv selbst beifügt. Auch mit dieser