Martin Opitz. Paul Fleming.
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logischen Manier die Glut deS Gefühls ordentlich streitet. Das Liebes-lied ist bei ihm voll Besinnen, nicht voll Versenken; es ist nicht unsinn-lich und unfaßlich wie das Minnelied, sondern gerade das Gegentheildavon. Alles ist Gelegenheit, Alles wird daher bildnerisch; es wird derGeburtstag besungen, das Armband, der Garten der Geliebten; will derDichter seinen leidenden Zustand schildern, so schildert er nicht die innereTrauer, sondern er läßt den Maler kommen, heißt ihn seine thränendenAugen, seine blassen Wangen, seinen trocknen Mund malen. Mit derBekanntschaft dieser Dichter mit dem Gott Amor schwand nothwendigall die Nebelhaftigkeit der Minnelieder; des Gottes neckischer Charaktergab dem erotischen Liede mehr Witz als Empfindung, mehr Gedankenspielals Seele. Sonst, wenn man die Thätsächlichkeit, das Helle und Faß-bare dieser Lieder ausscheiden könnte, so würde man mehr von der bitterenFreude, dem süßen Leide der Liebe, von Klagen über unbefriedigte Sehn-sucht wie in den Minneliedern vernehmen, obwohl auch jetzt ihr Tonhier und da anklingt'"). Den Ton der Italiener trifft Fleming besser;jeder hat noch seine Sonette über die von Opitz und den Anderen setzenmüssen, und wirklich ist z. B. in seinem „O liebliche Wangen" (das be-kannte 0 krönte serena) mehr Farbe, als Opitz irgend in Uebersetzungenerreicht hat; und ebenso in den Uebertragungen einiger Stellen aus demPastor liäo. Wo Fleming Hochzeitlieder singt und sich nicht gar zu tief,wie er wohl thut, in die schmutzigen Wortspiele, die bei diesen Anlässenüblich sind, einläßt, sondern da, wo er ein Mailied zu dieser Gelegenheitsingt, den Ruf in der wohligen Zeit der Natur zu freien erhebt, da erin-nert sein Muthwille, seine naive Freude an der Natur, seine Wieder-holungen sogar, am stärksten an das Aehnliche unter den Minnesängern,so wie er dabei in den Naturschildereien einen Ton anschlägt, der bis aufVoß und Claudius stehend geblieben ist. In solchen Liedern sind Stellen,die gegen Opitz glühend und üppig genannt werden müssen, wie z. B.in einem an Schörkel ein Paar Strophen vom Wesen des Kusses, diewerther wären in Blumenlesen aufgenommen zu werden, als das stetsabgedruckte: Wie er wolle geküsset sein. Oder wie hätte Opitz auch nurein Paar Worte schreiben können, wie die, wo hier die Sterne demneuen Paare zusehen: „Tausend, tausend kleiner Wächter treiben ein sehrlaut Gelächter euch zu Ehren für und für". Der Gegensatz zu Opitz istüberhaupt in dem Charakter seiner Dichtung durchgehend. Schon seine
142) Z. B. x. 495: die Strophe „Wolke sie nur wie ich wolle".