Band 
Dritter Band.
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Geistliche Dichtung.

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wird Gott gesundem. Nichts wollen und thun macht Gott gleich, der dieewige Ruhe ist; wenn der Wille todt ist, so muß Gott was ich will.Selbst die Begierde zu Gott muß in uns ruhen, denn wer begehrt, dererwartet noch Gewährung, und man muß ganz von Gott umfangen sein,um kein Verlangen mehr nach ihm haben zu müssen. Wer nun bei dieserHeiligsprechung der göttlichen Faulheit inneren Aufschwung findet, demmuß man rathen auf diese Quellen von dergleichen Weisheit zurückzu-gehen. Noch Ein Poetisches Werk von Scheffler gibt es, das erst nachseiner antilutherischen Polemik geschrieben ist: „die sinnliche Betrachtungder vier letzten Dinge", (1675) und es trägt die Spuren, die diese Zeitdeö Hasses in dem quietistischen Dichter zurückgelassen hat. Es ist wieSchottel's „Vorstellungen" aus der finsteren Absicht geschrieben, die Men-schen mit der Vorbildung der ewigen Qualen der Hölle zur Tugend zuschrecken, mit der sinnlichen Ausmalung der himmlischen Freuden zulocken. Wie tief sinkt da Scheffler gegen jene Minoriten vor 300 Jahrenzurück, denen alle dergleichen Vorspiegelungen schon nichts weiter als„Bilder für harte Köpfe" waren! — Wir gehen auf den etwas späterenKnorr von Rosenroth über (1636—89), einen Mann, der sich imOriente und in der Alchymie viel umgesehen hatte und in dessen geist-lichen Dichtungen gleichfalls die mystischen Neigungen durchbrachen.Doch sind seine Quellen besser; die aristotelische Ethik sieht vielfach ausseinen Liedern vor; Boethius ist sein Hauptstudium, er hat zur Ueber-setzung des Trostes der Philosophie von Helmont (1667) die Metragereimt; und in seinem Neuen Heliron (1684), einer Reihe von Sirten-liedern, unter denen auch einige aus dem Latein übersetzt sind, verfolgter eine Art Lehrsystem nach dem Boethius, in sehr prosaischen, lehrhaftenVersen. Einsamkeit, Seelengenuß im Guten, Abscheiden von der Weltwird auch hier als der Weg angewiesen zur Gemüthsruhe, der wahrenSeeligkeit. — Das Uebermaß dieser Richtung endlich haben wir inQuirinus Kuhlmann (1652—89) aus Breslau, dem wegen seinerParadoxen und seiner Schicksale berüchtigten Anhänger Böhme's, demBewunderer Barth's, den er unsern Scaliger nannte, dessen soliloguia(1658) ihm von dem heiligen Geiste selber dictirt schienen. Sein Geist,in Wahnwitz verwirrt, ist ein Opfer der holländischen Theosophie gewor-den, sein Leben ein Opfer seiner Unruhe; er starb 1689 in Moskau ausdem Scheiterhaufen, und theilte also das Schicksal eines anderen seinerMeister, des „Kühlpropheten" Nieol. Drabitz, der 1671 in Presburghingerichtet wurde. Wir lassen Kuhlmann's lateinische und prosaischeWerke, seine Spruch- und Anekdotensammlungen (Geschichtherold 1673;