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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
polyhistorischer und mathematischer Natur war, um Dichter sein zu können.In dem größern geistlichen Gedichte von der Christenburg ^"") (l626) isteine Allegorie durchgeführt, wie die im Jahre 1517 durch das SchloßLautier Eck neu gefestigte Stadt Christenburg später durch Ruhe undSicherheit blos gestellt, von dem Antichrist und seinem Heere berenntund zum Aeußersten gebracht wird, bis sie ein alter frommer „Reformator"unter Aufrichtung der Sitte und des Glaubens rettet. Die poetische Er-findung ist einfach und gering, mehr verstand- als einbilvungsvoll, dieSprache höchst ungehobelt. Das Fesselnde aber ist die Gesinnung ausder das Gedicht entworfen ist; sie stellt es wesentlich in die Reihe derWerke, die Andreäs ganze religiöse Eigenthümlichkeit und Geisteörichtungam innerlichsten charakterisiren. Ihm war die sittigende Kraft imChristen-thume in werkthätiger Erscheinung und aufrichtiger Gesinnung alleinvon Werth; wohlthätige Gesellschaften und Einrichtungen bezeichnetendaher jede Stätte, wo er persönlich thätig war; gern hätte er den Geu-fern ihre Sitteneensur entlehnt; die Uebereinstimmung mit ihren Sittenhätte ihn, nach seiner Selbstbiographie, ewig gefesselt, wenn ihn nichtdas Bekenntniß getrennt hätte. Daher füllt denn auch die Satire gegendie unfruchtbaren Grübeleien der Theosophen und scholastischen Theolo-gen seine ganze Schriftstellerei aus; und in der Christenburg kämpftdaher die Heuchelei, die Sophistik und alles äußere Scheinwerk desWissens und Glaubens aus Seiten des Antichrists, alle schlichte Religionund Innerlichkeit, die zur „Nachfolge" Christi im Leben führt, auf Seitenseines Reformators. Diese selbe Sinnesart durchdringt alle die rätsel-haften Schriften Andreäö, die einen Bezug auf den Rosenkreuzerordenhaben, und so auch seine kleinen Gedichte und Lieder. Unter diesen sinduns die „christlichen Gemäl" (1612) unbekannt; in der geistlichen Kurz-weil(16I9) sind Lieder, in denen jene gesunde Tüchtigkeit der Gesinnungneben der altlutherischen Gedrungenheit und Kraft des Ausdrucks wohl-thut, obwohl sie roh von Form sind und noch keine Ahnung von derneuen Regelung und Gewandtheit der poetischen Sprache verrathen. —Von Joh. Heermann (Pfarrer in Köben, 1585— 1647) sagten wirdagegen oben, daß er unter den Ersten Opitzens neue Gesetze in dieKirchendichtung einführte. Hecrmann ist in der Geschichte der Kirchen-literatur immer erstaunlich ausgezeichnet worden. Es muß wohl deshalbsein, weil er zuerst diesen Reformen Gehör gab, weil er die neue Vers-kunst beobachtete, ohne wie Opitz von dem alten Geiste der Frömmigkeit
2lü) Neu herauSg. von C. Grüneisen. Leipzig 183k.