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Dritter Band.
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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

schriften der neueren Theologen, Gerhard, Josua Stegmann, Arndt,Dilhecr u.A., und da selbst diese nicht genügten, so gingen sie aufTauler, auf St. Bernhard, Augustin, Cyprian und alle Kirchenvaterzurück. Daher kam es, daß nun die Lieder in Masse so breit, rednerischund leer wurden, als sie früher gedrungen, musikalisch und voll gewesenwaren. Daher nun geht auch so vieles von jenen älteren Männern herin diese Lieder ein, was nachher stets ausgebildeter, immer unprotestanti-scher ward. Die Zerknirschung, das Angstgeschrei um Trost und Hülfe,die Selbstentwürdigung, die Armesünderangst sieht man ungern in einemso einfachen Manne, dem es gar nicht ansteht, daß er sich reuig, „inseinem eignen Mist und Koth verfaulen" sieht und unwerth hält, ge-schaffen zu sein; man sähe lieber in ihm jenen alten lutherischen Trotz,der sich stolz auf Christs Erlösung, von Sündenangst durch den Glaubenfrei, gegen den Teufel und seine Anfechtung sicher fühlt. Und durch diekleinen Spielereien in Spee's Weise, die überall mit dieser finsteren An-sicht der Dinge wie zur Entschädigung verknüpft werden, findet man sichdann auch wenig getröstet. Da wird Jesus Christus als ein purpur-rothes Würmlein in einem Liede dargestellt, das man auf dem Tode zer-quetscht, um den Saft zu erlangen; er sei für uns ein Würmlein ge-worden, um in uns den Heczenswurm zu tödten, und wenn wir uns anunserem Ende wie ein Würmelein drehen, so sollen wir ihn armesWürmelein in unser Herz nehmen, damit wir auferstehen ob auch unserLeib der Würmer Speise wird. Dies, sieht man, ist eine Tändelei wiedie Spee'schen, allein sie ist weder mit Spee's Gewandtheit noch mit desalten Hermann's wirklicher Naivetät ausgeführt. — Weit mehr haltensich in der alten Weise die Landsleute und Zeitgenossen Heermann's,Matthäus Apelles von Löwenstern, (1594— 1648), der in seinen selbsteomponirten 30 Liedern^) ausdrücklich die neue Prosodie verschmähte,um lieber für die zahlreicheren Ungelehrten als die wenigen Gelehrtenzu dichten; und besonders David von Schweinitz (1600 — 67).In dieses letztem Herzensharfe (zuerst Danzig 1640) sieht man überall,daß er die reinsten Muster des 16.Jahrhs. vor sich hatte, denn unzähligeLieder beginnen mit den Anfängen älterer. Er schrieb zum Theil inNoth und Unglück und Spener, der seine kleine Bibel noch 1699 heraus-gab, nennt ihn ein theures Werkzeug Gottes und rechnet ihm seineLeiden als ein Zeichen von Gottes Gnade an. Seine Frömmigkeit ist

212) In dem bei Baumann's Erben in Breslau gedruckten Gesangbuch: Voll-ständige Kirchen- und Hausmusik.