Band 
Dritter Band.
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316 Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

fiel aufs Buhlen. Wenn einen das Glück stürzen will, bemerkter, sohebt es ihn in alle Höhe; der gütige Gott läßt ihn aber wohl treulichwarnen. Das geschah auch ihm, er nahm sichs aber nicht an. Leicht-sinnig schloß er ein Eheband mit eines Obristen Tochter; zugleich fieldas Haus, bei dem er in Köln seinen Schatz niedergelegt. Die Ver-hältnisse führten ihn nach Paris, da gabs wieder Versuchungen undgalante Abenteuer. Die Blattern raubten ihm Haare, Stimme, Schön-heit und Geld; er gerietst in tiefe Noth, ward Quacksalber und Musque-tier und trieb ein loses verworrenes Leben. Nun trifft er wieder aufseinen alten Freund Herzbruder, allein auch dessen Hülfe schlägt zumUnheil aus. Er wird von den Weimaranern gefangen, muß Breisachmit belagern helfen, ward aber auch da wieder frei. Erst als er einmalauf jenen Olivier wieder trifft, der ein Räuber geworden war und ihnauffordert, das Gleiche zu werden, fällt ihm aufs Herz, wohin es mitihm gekommen war. Die Erzschurkerei dieses Menschen hält ihm selbstden Spiegel vor; in Villingen, wo er seinen Herzbruder krank und elendwieder findet, vereint er sich mit diesem zu einer Wallfahrt nach Einsied-len. Aber seine Schelmerei überwiegt noch sehr seine Reue; er wirdkatholisch aber darum nicht fromm. Mannichfaltige Wechsel des Schick-sals entdecken ihm nachher, daß sein Weib todt ist, auch daß er der Sohnjenes Einsiedlers und jener verlorenen Schwester des Kommandantenwar. Beim Aufenthalt auf dem Sauerbrunnen, wo er seinen krankenHerzbruder verlor, fiel er noch einmal ganz ins Gemeine zurück, dannaber strebte er sich ernstlich eines gottseligen Lebens zu befleißigen. Nunkommt der Wundertheil seines Epos: die Leute erzählen ihm von demMummelsee und dessen sonderbaren Eigenschaften. Er wandert dahin;hineingeworfene Steine erregen ein Gewitter, Sylphen erscheinen undentführen ihn zum Mittelpunkt der Erde, wo ihn ihr König um denStand der Welt fragt, den S. ironisch schildert; eine Allegorie inMoscherosch's Stile. Weitere Umstände machen ihn dann zum Reisen-den, führen ihn nach Rußland und Sibirien, nach China und Konstanti-nopel. Hier wird die Geschichte knapp, planlos und matt, und es istnur interessant, die Reiselust, die Aufdeckung der Erdräume, die dasGeschäft jener Jahrhunderte war, Hereinspielen zu sehen. Zuletzt hältS. Rechnung mit sich, und findet, daß er nichts davon gebracht von Gutund Ehre, daß er Tugend, Jugend und Zeit verloren, den Leib ermüdet,den Verstand verwirrt hatte. Er hatte alle Erfahrungen durchgemachtund keinen Gewinn gezogen. Da fielen ihm etliche Schriften des (sehr inderZeit beliebten) Quevara in dieHand, und er saugt die Weltverachtung