Uebersicht der prosaischen Literatur.
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Rascher könnte auch eine ethische Abhandlung im poetischen Gewändeheißen. Weise hat nämlich am Ende eine Fundamentalkur mit seinempolitischen Rascher vorgenommen, d. h. er hat ernste Tugendlehre auf-gestellt; allein in der Ueberzeugung aller bisherigen Schreiber, daß mandem verdorbenen Geschlechte die bittre Arznei der Sittenlehre per piamkrsuäsm beibringen, die Wahrheit versüßen müsse, kleidet er zuerst seineLehre in einen Roman ein. Der Held, Crescentio, ist ein Neuling in derWelt, der durch eigne Erfahrungen ermitteln soll, was ein politischerRascher ist; ein Vetter, der ihn eine Zeit lang begleitet und anleitet, istPhilander. Diese Einkleidung, die Manier der Erzählung, die Anekdotenund Schwanke, die den Hauptköder des Buches ausmachen sollen, dievorgeführten Personen, die zum Theil abenteuerlich in der Welt herum-gefahren sind, Alles erinnert an Moscherosch und an die Gegenseite derernsten Romane. Die einzelnen Näscher nun, welche Crescentio kennenlernt, sind nicht allzuscharf nach dem Begriffe personificirt, der Begriffselbst aber ist um so klarer. Weise versteht darunter nichts anderes, alswas die frühere Zeit und waS Er selbst in seinem Erznarren eben mitdiesem Namen des Narren bezeichnet und was dies Jahrhundert den<Hosu8 nennt. Wer sich mit Vorwitz in Ungelegenheiten stürzt und sichso „das Maul verbrennt", wer ohne inneren religiösen Grundsatz nachder Anleitung menschlicher Klugheit und blos weltlicher (politischer)Moral handelt und es daher immer durch Unenthaltsamkeit versieht, derist ein politischer Näscher. Der Mann der Welt fühlt sich zu sehr in seinermenschlichen Unabhängigkeit, was eben das Wort Sicherheit, womitman dies weltliche Wesen belegt, vortrefflich bezeichnet. Diese Freiheitartet dann in Unmaß aus; man nascht an Allem was die Gegenwartbietet und bedenkt nicht das Ende. Dies Unmaß schadet dann unsererZufriedenheit und inneren Glücke. Es zu vermeiden, müssen wir unsin unserer Abhängigkeit ron höheren Mächten fühlen, wir müssen aufdie Religion gewiesen werten. Die rechte Philosophie müsse dahin gehen,die unordentlichen Begierden zu mäßigen, Weise nennt sie eine Klugheitdes Bösen und Guten. Ruhe des Gemüths soll dadurch erworben wer-den. Das Bestreben nach siirer solchen Philosophie war bei den Griechen,aber sie wußten nur nicht, was die verderbte Natur der Menschen sei.Wer das offenbarte Wort Gottes nicht hat, dem sei diese Weisheit ausblos menschlichen Kräften zu erforschen zu schwer. Wo die Theologienicht zu Grunde liege, da werde die Ethik schlechte Fortschritte machen.Nur dorther werde Ruhe des Gemüths gelernt. Unsere einfältige Curio-sität heißt uns zugleich Kj Christo und bei den Heiden in die Schule
Gero. d. Dicht. III. Bd. Zg