404 Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
das Lustspiel, dem fürstlichen Ehrstande das Epos oder der Ro-man und das Trauerspiel. Kaiser und Fürsten in das Lustspiel einzu-führen, war schon nach Opitzens Ansichten ein Irrthum, und ebensowar umgekehrt ein heroisches Personal im Trauerspiel unentbehrlich,ja Klaj war überzeugt, daß ehedem blos Kaiser, Fürsten und HeldenTrauerspiele gedichtet! So wie demnach in der allgemeinen Gattung dasDrama dem Romane gleich stand, so hat es auch in allen Theilen einegleiche Bildung und Gestaltung gefunden, und sich nach gleichen Rich-tungen hin gewandt. Dies liegt zum Theil schon darin, daß es vielfach ausdem Romane entstand. Geschichtgedichte von Chariton, Assariui, Biondi,Pallavicini, Scudery und Anderen wurden dramatisch behandelt; wieFrischlin schon den Virgil in Schauspiele verarbeitet hatte, so geschah esnoch 1659 durch ein Mitglied des Schwauenordens (Salemindonis —Daniel Symonö), der die Aeneide in einen Roman „der Frygier Aeueas"umschus und aus dem Stoffe ein Trauerspiel mit Chören, Dido, ausar-beitete. Vielfach sind auch in solche prosaische Werke von Harsdörfer,Anton Ulrich, in Andr. Rihlmann's Streit der Ehre und Liebe (1663)u. A. Schauspiele eingerückt, wie wir schon oben hörten. Wir findenwie bei dem Romane, daß die Anregungen zu der Schauspieldichtungaus allen Ländern nach Deutschland ausgingen. Hauptstätten für beideGattungen gleichmäßig waren Hamburg und Nürnberg; auch liegendie Anfänge des erneuerten Drama's des 17. Jahrhs. hauptsächlich andiesen Orten. Was sodann die Gattungen angeht, so haben wir demSchäferromane entsprechend Schäferschauspiele, und so wie jener gerne zurForm von fürstlichen Ehren - Festgedichten gebraucht wird, so auch dasSchäferdrama. Unter den Nürnbergern, die alles Poetische auf dieSchäferwelt bezogen, leitete Birken auch das Schauspiel von Hirten her.Den biblischen Romanen von Zesen entsprechend, haben wir die religiö-sen Schauspiele und Moralitäten in alter oder neuer Gestalt fortdauernd.Jenen eigentlichen heroischen Romanen und geschichtlichen Staats-actionen gegenüber haben wir dann die Trauerspiele der Gryphius undLohenstein. Hier drehen wir uns unter gleichem Personale herum, inder gleichen Unnatur und Uebertreibung des sogenannten Heroischen oderErhabenen. Der Geschichte und Redekunst zu gefallen werden in beidenGattungen alle Gesetze der Dichtkunst hintangesetzt; der gleiche Mangelan eigentlichem Kunstbau herrscht hier wie da. Allegorie und Lehrewechselt mit Sachen und Handlungen auf ähnliche Weise in beiden Gat-tungen. Auf der Einen Seite nämlich sind ganze Stücke in allegorisch-lehrhafter Bedeutsamkeit geschrieben; man legte entweder eine Moral in