Band 
Erster Band.
Seite
268
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„zu kennen. Welche Kenntniß man auch in der Entfer-nung über einen Kriegsschauplatz und die Kriegführung„auf demselben zu haben glaubt, so fehlt doch sehr viel, daß„man sich die Dinge vorstellt, wie sie wirklich sind."

Obgleich dieser Fcldzug zu keinem entscheidenden Resultateführte, ist er doch in seinen Einzelnheiten überaus lehrreich. AlsHauptfehler, welche von den Verbündeten begangen wurden, tre-ten folgende heraus:

1) Daß Catinat eine strenge Neutralität der venetiamschcnStaaten beobachtete. Denn dadurch allein war es demPrinzen Eugen möglich, ihn über seinen Etsch-Uebergangzu täuschen. Catinat's Auftrag, das Eindringen derKaiserlichen in Italien zu verhüten, war gänzlich unver-einbar mit der Neutralität Venedigs, und mit dem Befehl,die Etsch nicht zu überschreiten, und die Feindseligkeitennicht zu beginnen.

2) Catinat's zweiter Fehler bestand darin, daß er, währendEngen den größeren Theil seines Heeres zwischen derEtsch und dem Canale Bianco zusammenzog, nicht selbstdiesen Fluß überschritt, und die Kaiserlichen von ihremGeschütze und ihren Zufuhren abschnitt.

3) Catinat's dritter Fehler, die viel zu schwache Besetzungdes wichtigen Punktes Carpi, hat seinen Grund in der zugroßen Zersplitterung seiner Strcitkräfte und in dem man-gelhaft orgam'sirten Kundschaftswcsen der Franzosen.

4) Daß den Kaiserlichen der Uebergang über den Mincio beiSalionze ohne den geringsten Widerstand gestattet wurde,muß bei den gegenseitigen Machtverhältnissen als der vierteFehler der Verbündeten betrachtet werden.

ö) Der unbesonnene Angriff auf die feste Stellung von Chiari,deren Stärke die Verbündeten erst nach blutigem Verlustekennen lernten, fällt, wenn man der von französischen Au-toren hier und da ausgesprochenen Angabe des Verrathsdes Herzogs von Savoyen nicht Glauben beimcssen will,