Band 
Erster Band.
Seite
302
JPEG-Download
 

302

schickt wurde, um von dort zu der vereinigten englisch-holländisch-portugiesischen Armee nach Spanien abzugehen. Am 12. Sept.geschah der feierliche Akt, vermöge dessen Kaiser Leopold I. undder römische König Joseph alle ihre Ansprüche auf die spanischeErbschaft dem Erzherzog Carl übertrugen.

Neben den großen Zwecken der Verbesserung der Finanzen, desZustandes der kaiserlichen Heere und der Bezwingung der ungari-schen Rebellen, von deren neuer Auflehnung und Fortschrittenweiter unten die Rede seyn wird, hatte Eugen die Leitung desKriegs in Italien sich vorbehalten.

Auf der andern Seite hatte Ludwig XIV. beschlossen, indem bevorstehenden Frühjahr auf allen Punkten zugleich mit Nach-druck angriffsweise zu operiren. Marschall Villeroi mit demOberbefehl in Flandern beauftragt, sollte den Feldzug mit derEinnahme der Festungen an der Maaß und mit Bedrohung derholländischen Grenze eröffnen. War auf diese Weise die Auf-merksamkeit der Seemächte hinlänglich beschäftigt, so sollte einentscheidender Schlag gegen ten Kaiser geführt werden. Vcn-düme ward angewiesen, die Kaiserlichen gänzlich aus Italien zuvertreiben. Gleichzeitig sollte ein französisches Heer unter Villarsvom Oberrhein durch die Pässe des Schwarzwaldes sich an denChurfürsten von Baiern anschließen und ein Theil des Ven-d <> ni c'schcn Heeres durch die Tyroler Thäler zu diesem Zweck mit-wirken, dann aber die zwischen dem Jnn und der Donau zusam-mentreffenden Heere in raschem Zuge auf Wien vorrücken, umdiese Hauptstadt gemeinschaftlich mit den durch französisches Geldund Versprechungen aufgereizten ungarischen Rebellen zu erobernund den Kaiser zu einem schimpflichen Separatfrieden zu zwingen.

Gegen diesen umfassenden Plan waren von Seiten der Verbün-deten aus Mangel an Einheit in der oberste» Leitung der Kricgs-entwürfe nicht die entsprechenden Vorkehrungen getroffen worden.Wenn daher sein Gelingen scheiterte, so ist dieß, wie wir in derFolge sehen werden, einzig dem Genie Marlborongh's undEugen's zuzuschreiben. Dem erstem blieb sein vorjähriger Kriegs-schauplatz, die Niederlande, wo er sein Hauptaugenmerk auf die Er-oberung von Ostende und Antwerpen richtete. Leopold I., vonallen Seiten gedrängt, zog die dänischen Truppen aus Italien