Band 
Erster Band.
Seite
XXXI
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Biographie Johann Winckelmanns.

seines gnädigsten Herrn und Gönners, ganz frei ver-füge werden soll.

Und dieses, sagte der Herr Erblasser, sey sei» letz-tes Testament und letzter Wille, welches er will, daßes als solches, oder als sonstige, wie immer geartete,and nach gemeinen und munizipal Rechte» besser gel-tende letztwillige Anordnung beobachtet werden solle; so,and übrigens in bester Rcchtsform :c.

(Siegel.) (Unterschriften.)

Berzeichniß der bei Winckelmann vorgefundenenEffekten:

I» der rechten Tasche der Beinkleider fand manfolgende Gegenstände:

1 Münze von 20 Xr.

1 Dito - 10 Xr.

2 Siebzehncr.

2 Groschen.

13 Kaiserliche Soldi und 2 halbe.

Ferner einen grünseidcncn Beutel, enthaltend von einerSeite: 81 kaiserliche Dukaten, und von der andern en-gern Seite: 12 halbe und I ganzen römischen Paolo,0 halbe florcntinische Paoli.

In der linken Tasche der Beinkleider fand man ei-nen andern grünseidnen Beutel, enthaltend: 70H päpst-liche Dukaten und 1 holländischen Dukaten.

In der andern engern Seite desselben Beutels fandman: päpstliche Dukaten 11.

X.XXI

kaiserliche

do.

L.

Kremnitzcr

do.

>

holländische

do.

2

Louisd'or

—

5.

Ferner: em Glas, oder Vergrößerungsglas in Silbergefaßt, in einer silbernen Büchse mir ledernem Ueberzug.

Einen römischen Maßstab.

Eine» mit Leinwand überzogenen Schlüssel.

Ferner: ei» Paar silberne, an dem Beinkleid Han-gende Schnalle ».

Gegenwärtig und beistehend ist auch der Herr KajeranBannucci, in eben diesem großen Wirthshause wohnhaft.

Ferner: eine goldene Uhr.

Ein Paar goldene Knöpfchcn mit Karniol

Einen goldenen Ring gleichfalls mit Karniol

Welches alles dem gnädigste» Herrn Richter Sta-»islaus von Kupferschcin übergeben wurde.

(In diesem Berzeichniß sind jedoch nicht aufgeführt:der in München erhaltene geschnittene Stein, die Medail-le» der Kaiserin Maria Theresia und des Fürsten Kaunitz.)

Am 0. Juni wurde sein Leichnam ohne alles Ge-pränge auf dem Friedhof der Kirche des heiligen Justusbeerdigt, wo später seine irdischen Ucbcrrcstc von andernAnkömmlingen verdrängt und in dem allgemeinen Bein-hause begraben wurden. Daher suchte Seume beiseinem Spatziergang nach Syrakus , (1802) Winckcl-manns Grab vergeblich.

Zwölftes Kapitel.

Verfolgung des Werders Ärcaiigcli. — Arrerirnug. — Unrer-suMung und Gcstandniß. — Leine Verurrbeilung, — Hni-rieürurig. — Allgemeine Tbeilnalmie über WinckelmannsTod. — Leimig. — WmckelmannS VerUeiltniß zu seinemVerleger Waiwer. — Ldler von Rosem. — WinckelmannsDenkmal in Trieft. — W. als Mensch. — AIS Schriftsteller.— Sein St»l. — Sein Portrait. — Neuere Urtheile überWinckelmann . —

s dürfte dem Leser nicht unangenehm sein, nunauch noch etwas von den Lebensumständen von Win-ckclmanns Mörder, Arcangeli, zu erfahren, welche eben-falls aus dem aktcnmäßigen Bericht des Dr. von Ro-setti hier wiedergegeben werden.

Francesco Arcangeli war aus Campiglio, einemDorf bei Pistoja im Toscanischen, gebürtig, wo seinVater etwas Grundcigenthum besaß. In seinem sechs-zehnten Jahr kam er bei dem Koch eines Fürsten inFlorenz in die Lehre; nach Verlauf von zwei Jahrennahm ihn ein Graf Bardi in Dienst, wo er fünf Jahreblieb. In gleicher Eigenschaft war er hernach zweiJahre bei einem gewissen Baldinotti, wo er den Auf-trag erhielt, den Sohn seines Prinzipals als Bedienternach Wie» zu begleiten, bei welchem er aber nur fünfWochen aushielt. Hierauf trat er bei einem Graf Cot-raldi in Dienst, dem er aber bald nachher 5 bis 600 Gold-stücke stahl, und damit nach Prcsburg entfloh. Dortkaufte er sich einen ungarischen Anzug, und suchte, so

verkleidet, über Wien, Grätz und Lakbach nach Italien zu gelangen. In letzterem Ort wurde er jedoch ausMangel an Legitimation festgehalten, das bei sich ha-bende Geld wurde ihm abgenommen und er zur peinli-chen Untersuchung nach Wien transportirt, wo manihn im Mai 1761 in punelo kurti äoiiiestioi zu vierjäh-riger Einsperrung verurthcilte. Bei der Vermählungdes Erzherzogs Leopold im Jahre 1767, wo mehrerenVerbrechern ihre Strafzeit nachgelassen wurde, erhieltauch Arcangeli Begnadigung und seine Freiheit. Eheer jedoch die kaiserlichen Staaten verließ, gesellte er sicheine Beiläuferin zu, welche vielleicht mit ihm in glei-cher Lage gewesen war. Er gab sie für seine Frau aus,und ging mit ihr nach Venedig , wo er mit 436 Gul-den, welche ihm seine Frau zugebracht haben sollte, und60 Gulden, welche er sich während seiner Strafzeit cr-'part haben wollte, sich ein kleines Eigenthum einrich-tete. Im August 1767 kam er schon einmal nach Trieft,um einen Dienst zu suchen, und da er keinen fand, kehr-te er nach einem Aufenthalt von vierzehn Tagen nachVenedig zurück.

Im Mai 1768 brachte ihn das Vcrhängniß aber-mals nach Trieft, wo er, wahrscheinlich auf seine Ge-wandtheit gestützt, auf neue Gaunerstreiche sann, zuderen Ausführung er vielleicht diesen Ort, wegen dervielen Fremden, am geeignetsten hielt.

Sein Anschlag auf Winckelmanns Leben kann wohl