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Die deutsche Kriegsflotte.
höchst wichtige Angelegenheit unsers Vaterlandes aus dem Stadium der frommenWünsche überging in das der entschiedenen Absichten und der von der ganzen Na-tion formell adoptirten Projekte. Wol kann man nicht leugnen, daß in der Debatteüber diese Angelegenheit weit weniger Talent, Beredtsamkeit, Eifer und Kenntnisseentwickelt wurden, als bei vielen andern Verhandlungen unsers Reichstags, z. B. beidenen über die posensche Sache. Die Redner hatten sich darauf beschränken sollen,mit einigen starken Zügen und mit Hindeutung auf die Hauptpunkte dem Reichstageund der Nation die Schmach, ohne Waffen auf dem Meere zu sein, und die Noth-wendigkeit einer Marine beredt ans Herz zu legen. Statt dessen aber sprach manAllerlei über „hohle Kugeln" oder nicht hohle Kugeln und deren relative Wirksam-keit, über die Manoeuvrirfähigkeit des amerikanischen Schiffs Princetown, das nebeneiner Dampfmaschine auch „lateinische Segel" hat, über Shrapnells, Paixhans, überdie „Seemachtherrlichkeit Deutschlands" und über andere ungehörige Dinge. Einer derRedner sprach sogar von „Deutschlands Fittichen, deren Schwungfedern in derNord-und Ostsee trinken und Deutschland zur Einigkeit erheben wollen". Die wunder-volle Angelegenheit also, von der die Redner handelten, hatte sie nicht auf die Höheerhoben, aus der man sie zu finden hätte erwarten sollen. Allein eine Reichsver-sammlung soll man nicht nach Reden und hier und da entschlüpften Worten kleinlichkritisiern. Sie wird richtiger nach ihren Thaten, ihren Beschlüssen als nach ihrenReden beurtheilt. Und so stellte es sich denn als schönes Resultat hervor, daß amEnde aller jener Reden, die mancher englische Admiral hier und da belächeln mußte,die Versammlung vorläufig für die Begründung einer deutschen Flotte fast einhelligsechs Millionen Thaler votirte, ein Resultat, worüber Niemand lächeln wird. Nurein einziger Redner hatte sich gegen den Vorschlag einschreiben lassen, kein einzigeraber dagegen gesprochen; fast die ganze Versammlung erhob sich, um dem Beschlusseihre Zustimmung zu geben. Der Marine-AuSschuß hatte vorgeschlagen, diese Summefür den Bau von 2 Fregatten, 4 Corvetten, 6 Dampfschiffen und 200 Kanonen-booten zu verwenden. Die Nationalversammlung überließ füglich die Art der Ver-wendung der damals noch zu bildenden Centralgewalt, die seitdem ins Leben getretenist und ein deutsches, auch mit der Marineangelegenheit betrautes Reichsministeriummit sich geführt hat. Wie nun jene sechs Millionen zusammengebracht werden sollen,was etwa davon schon zusammengebracht ist, welche Vorbereitungen man nun weiterzur Ausführung des Reichstagsbeschlusses treffen wird, welche Plane zur Verwendungder Summe man ausarbeitet, dies ist nun natürlich unserm Wissen bis jetzt nochentzogen. Wir müssen uns einstweilen mit der Überzeugung begnügen, daß die obersteBehörde der Nation „das Vertrauen auch in dem Punkte der Marineinteressen recht-fertigen wird. Im Übrigen erheischt gerade diese Angelegenheit mehr stilles Handelnund mehr Geduld als irgend eine andere. Der Congreß der Vereinigten Staatenin Nordamerika beschloß im Jahre 1816 den Bau von 12 Linienschiffen und 15Fregatten, zusammen von 27 Kriegsschiffen. Nach 10 Jahren, 1826, waren davonerst 11 Schiffe fertig. Alle übrigen befanden sich noch auf den Wersten und wa-ren noch sehr weit von ihrer Vollendung entfernt. Und doch hatten die VereinigtenStaaten bereits Alles zur Errichtung einer Flotte bei der Hand. Für uns, die wirerst das ganze Gerüste einer Flotte aus dem Grunde auszuführen haben, wird esalso einer noch längern Zeit bedürfen. Gegen Ende des Juli faßte der Reichstagzu Frankfurt auch einen Beschluß über die Nationalflagge für die deutsche Handcls-und Kriegsmarine, mit dessen Ausführung man jedoch nicht zu sehr zu eilen scheint.Die deutschen Dichter und Schriftsteller versahen uns außerdem mit zahlreichen Zei-tungsartikeln, Broschüren, wissenschaftlichen Werken, selbst mit einer Menge poetischerErgüsse, die von der deutschen Flotte handeln, und welche sämmtlich die gute Absichtverrathen, die Nation durch Begeisterung und durch Belehrung für die große An-gelegenheit wach und gestimmt zu erhalten.
Fassen wir nun aber die Resultate unserer ganzen Kriegsflottenbewegung zu-sammen, so ergibt sich, außer der Flagge, der Marineliteratur und der Marinczei-