506 Joseph Freiherr von Iellachich,
gesteckten Ziele zusteuert, daß er, unbekümmert um Beifall oder Tadel der Menge,selbst der öffentlichen Meinung kühn zu trotzen weiß, überzeugt, sie endlich doch fürsich zu gewinnen, oder — treu seinem Herrn und Kaiser, treu seinem Vaterlande,treu seiner Gesinnung, als ihr Opfer zu fallen.
Joseph Freiherr von Iellachich (Jelacic) de Buszin ist der älteste Sohn des Frei-herr» Franz Iellachich de Buszin, der in k. k. Kriegsdiensten als pensionirter Feld-marschall-Lieutenant und Inhaber des Infanterieregiments Nr. 62, jetzt Turszky,im Jahre 1810 zu Agram starb. Vater und Mutter nach kroatischen Ursprungs,wurde der Knabe am 16. Oct. 1801 zu Peterwardein, an demselben Tage gebo-ren, da 30 Jahre früher der berühmte Czerny Georg, Anführer der Serbier imKampfe für ihre Freiheit, das Licht der Welt erblickte. Die Leitung seiner erstenErziehung, indem der Vater sich während der Franzosenkricge meist abwesend befand,übernahm seine Mutter. Aus der sanften Seele dieser allgemein verehrten Frau magder Kleine sein gutes und weiches Herz, seinen frühzeitigen Hang zur Dichtkunst undzu geistiger Beschäftigung geschöpft haben, während sich die Lebhaftigkeit, der offeneund doch so feste Charakter, und ein froher, sorgloser, ungebundener Muth vornVater auf ihn vererbte. Der Genius, als unmittelbares Geschenk des Himmels,ruhte in erster Jugend, schon aus ihm und sprach sich aus durch seine glänzendenTalente, durch ein herrliches Gedächtniß, durch eine in so zartem Alter seltene Gei-stesgegenwart, durch eine eigene Zuversicht und Sicherheit in Allem was er unter-nahm, durch ein geistiges Übergewicht über seine Umgebung, und namentlich durcheine Rednergabe, die schon frühe die Bewunderung Aller erregte, die ihn kannten,die aber jetzt — gebildet, vervollkommnet und mit seiner übrigen Persönlichkeit verei-nigt — unwillkürlich und unwiderstehlich zur Begeisterung hinreißt. Als achtjährigerKnabe dem Kaiser Franz vorgestellt, faßte dieser, seiner klugen und schnellen Ant-worten wegen, eine große Vorliebe für ihn, und versetzte ihn in die ThcresianischeRitterakademie zu Wien, eine Anstalt, aus welcher, trotz ihrer etwas klösterlichenEinrichtung, bedeutende Staatsmänner und Militairs für die östreichische Monarchiehervorgegangen. Hier entwickelte Iellachich sein großes Talent für Sprache. Wennauch eben nicht ausschließend für den Kriegerstand erzogen, war doch der in ersterKindheit cingesogene militairische Geist bei ihm überwiegend. Er bildete sich selbst zumSoldaten; Kriegswissenschaften und Geschichte, vorzüglich die alte, waren und blie-ben seine Lieblingsstudien. Dabei vernachlässigte er keineswegs die Körperübungen;er wurde ein geschickter Fechter, ein guter und kecker Reiter, und später ein treff-licher Schütze. Physisch und geistig ausgerüstet, trat Iellachich mit 18 Jahren, maller Kraft der hoffnungsvollsten Jugend, als Unterlieutenant in das Dragonerregi-ment seines Großohms mütterlicher Seite, des Generals der Cavalerie und Wce-banus von Kroatien, Frecherm von Knesevich von St.-Helena, ein polnisches Regi-ment, das unter dem Commando eines wackern Haudegens und Exerciermeisters, desObersten Olah von Nanas, zu Tarnow in Galizien in Garnison lag. Geschickt alsOffizier, menschlich und gerecht gegen seine Untergebenen, von dem treuestcn undtheilnehmendsten Herzen für seines Gleichen, wußte er sich bald die Achtung undZuneigung seiner Vorgesetzten, die Anhänglichkeit der Mannschaft, und die Anbetungall seiner Kameraden zu verschaffen. Iellachich wurde die Seele jener Verbrüderungaus Noth und Tod, welche von jeher die Regimenter der kaiserlichen Armeen charak-terisirte, und die bis zur Stunde ein festes unzerreißbares Band um alle Theile desöstreichischen Heeres windet.
Seine stets bereitwillige Freundschaft zu Rath und That, seine wilde, kräftigeLebenslust, seine nicht zu trübende Heiterkeit, sein unerschöpflich sprudelnder Witz, miteinem Worte, der hinreißende Zauber seiner ganzen Persönlichkeit macht es begreiflich,daß sein plötzliches Erscheinen hinreichte, den lautesten Frohsinn in die verstimmtesteGesellschaft zu bringen, während durch seine Abwesenheit jeder Unterhaltung der eigent-lich belebende Geist zu fehlen schien. Unermüdlich und mit der größten Leichtigkeitarbeitend, war er Vorgesetzten und Kameraden bei jedem Geschäfte behülflich Oft