Band 
Erster Band.
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Joseph Freiherr vou Jellachich. SV3

»umgesetzte Ministerium schlug dem Gesammtvaterlande die empfindlichsten Wunden.Ungarn wollte mit Östreich nichts mehr gemein haben. Es schickte seinen Gesandtennach Wien und später nach Frankfurt, gleich einer fremden Macht; es begehrte seineigenes, von dem allgemeinen Diensteid enthobenes Heer; es versuchte durch alle Mit-tel den Geist der dem Kaiser treuergebenen Truppen umzustimmen; es sprach seineSympathien für das erstandene Italien laut und unumwunden aus; es verweigerteseinem Könige, der kaum mehr dem Namen nach galt, die Hülfe zur Fortsetzungdes Kriegs gegen Carls Alberto; es berief seine in Oberitalien streitenden tapfernRegimenter zurück, und verwahrte sich im voraus gegen jede Theilnahme an deröstreichischen Staatsschuld, „selbst wenn die Monarchie zu Grunde gehen sollte".Dies Alles brachte das königlichgesinnte Kroatien dazu, sich schnell und plötzlichvom ungarischen 8ö0jährigen Verbände loszusagen. „Für den Kaiser und die un-getheilte Monarchie!" lautete das Feldgeschrei der Südslawen, das sich schnell längsder ganzen Grenze verbreitete und zur Folge hatte, daß die Raizcn und Serben vor-eilig und aus eine Art losbrachen, die zwar von einem wilden, uncultivirten Volkekaum anders zu erwarten war, von welchen Thaten aber sich die edle Seele des Ba-nus mit Entrüstung wegwandte.

Jellachich sah ein, daß, wenn er sich an die Spitze der südslawischen Bewegungsehen und all die plötzlich auftauchenden anarchischen Elemente stillen wollte, umseine begriffene Mission zu erfüllen und dem Kaiser und der Monarchie wirklich einefeste Stütze zu werden, er vorerst tief und fest in der flämischen Nationalität wur-zeln und die Sympathien seines Vaterlandes in sich vereinen müsse. Aber er suchtedies nicht durch ein Heraufbeschwören des Gespenstes Panslawismus, welch läppischeFurcht anfangs selbst östreichische und deutsche Zeitungen gegen ihn in den Harnischbrachte; er suchte dies ebenso wenig durch servile Bücklinge vor dem moskowitischenZar, wie es magyarische Blätter so gern der erhitzten wiener Aula weisgemachthätten; er suchte es nicht einmal durch ängstliches Haschen nach Popularität im ei-genen Lande und durch süßliches Liebäugeln mit allen Parteien. Jellachich wurdeder Abgott seiner Nation, weil er schnell eine kluge Strenge entwickelte, weil er miteiserner Faust das Staatssteuerruder ergriff, weil Genie und Energie jeden seinerSchritte bezeichneten. Unermüdet erschien er, unerwartet und überall, wo seine Ge-genwart nöthig war; er haranguirte die Massen, ermähnte die Beamten an ihrePflichten, beschwor die Geistlichkeit zu kräftigem Einwirken von Altar und Kanzel,lobte und bestrafte und wußte zu schlichten und zu richten, wie es der Augenblickund die Umstände erfoderten. Als er einst in eine, seinen Anordnungen feindlicheVersammlung trat, und sich ein allgemeines wilddrohcndes Murren gegen ihn erhob,ja ein Vicegespan, aus den zahlreichen Anhang sich stützend, die Keckheit hatte ihmzu sagen: „Selbst an der Spitze von 10000 Bayonneten werden Sie uns nichteinschüchtern", schnallte er seinen Säbel von der Seite und, indem er denselben demSprecher vor die Füße warf, donnerte er ihm mit glühenden Augen und hocherho-benem Arme entgegen: „Und auch ohne Waffen macht der Banus Ordnung undRuhe im Land!" Diese Festigkeit und Geistesgegenwart riß die ganze Versamm-lung zur Bewunderung hin und ein begeistertes Zivio! erfüllte die Luft. So gelanges dem neuen Banus Einen Willen, Einen Sinn und Eine Seele in die südslawi-sche Bewegung zu bringen, und in jedem einzelnen Herzen die Überzeugung zu wecken,daß nur er es sei, der die vaterländischen Interessen zu vertheidigen und Ruhe undOrdnung im Lande festzuhalten vermöge. Auch Kroatien wird seine Exaltirten, seineRadikalen, vielleicht selbst seine ungarisch Gesinnten haben. Mögen aber deren Ab-sichten auch sein, welche sie wollen — was das Volk des dreieinigen Königreichs will,sprecht sich in den Worten aus: Treu sein dem König, verbunden bleiben mit derungetheilten Monarchie, Wahrung der Nationalität, freie Entwickelung derselben ne-ben jeder andern.

Wenn man Das nur mit Unwillen lesen konnte, was damals von ungarischerSette über einen Mann geschrieben wurde, der in jeder Hinsicht ehrcnwerth, flecken-