Band 
Erster Band.
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Die Kartoffeln.

Pfd. Kartoffeln hervorzubringen, nicht weniger als 688647 Acres damit bestellt wer-den. Hierbei ist aber noch gar nicht berücksichtigt, daß auch der wohlhabendere Theilder Bevölkerung Kartoffeln consumiren will; der Bedarf des letztem zu jenen erwähn-ten Ansätzen geschlagen, erhöht die Kartoffclconsumtion Irlands aus 12,617,000000Pfd. jährlich, deren Production ein Areal von 894,687 Acres verlangt. Zu diesenmüssen noch ungefähr 100000 Acres addirt werden, welche nöthig sind, um das er-foderliche Kartoffel-Saatgut zu produciren. Irland ernährt aber nicht allein seinePopulation mit Kartoffeln, sondern führt deren auch noch beträchtliche Quantitätenaus, nach England. Diese ebenfalls mit in Rechnung gebracht, kann angenommenwerden, daß jährlich über 1 Million Acres Land daselbst mit Kartoffeln bebaut wer-den, was mehr als den vierten Theil des gesammten productionsfähigen Bodens aus-macht. Bedenkt man, daß dieser Grundbesitz sehr wenig vertheilt und in den Hän-den willkürlich damit schaltender Herren ist, daß der Landbau die Hauptbeschäftigungder armem Classen bildet, daß ein Familienvater statt Geldes täglich ungefähr 14Pfd. Kartoffeln als Lohn erhält, von welchen er mit seiner Familie leben muß, daßer endlich nur acht Monate lang im Jahr aus sichern Erwerb und Stillung seinesHungers rechnen darf, so erhält man einen Einblick in die dortigen Zustände, derfast den Segen der Kartoffel vergessen machen könnte. Wie sehr England undSchottland in dieser Hinsicht bevorzugt sind, beweist, daß beide mit Irland zusam-men nur 23,360,000000 Pfd. Kartoffeln consumiren, welche auf 1/2 Million Acresproducirt werden.

Die Kartoffelarten.

Die Cultur hat die ursprüngliche Kartoffelpflanze in eine so große Anzahl vonVarietäten zerspalten, daß jene heutzutage selbst durchaus nicht mehr erkennbar ist.Die Menge der Spielarten theilt man nach der länger» oder kürzern Dauer ihrerVegetationszeit in zwei große Abtheilungen: frühe und späte. Für die einzelnenUnterarten derselben circuliren sehr viele Namen, welche außerordentlich variiren undmancherlei Confusion verursachen. Es ist Schade, daß man noch nicht versucht hat,eine allgemein gültige, wissenschaftlich begründete Nomenclatur der Kartoffeln einzu-führen, wie dies bei den Weintrauben geschehen ist, bei den Obstarten aber ebenfallsnoch wünschenswerth bleibt. Aus jenem Grunde entspringen viele Verwechselungen,die der Cultur sehr schädlich gewesen und der Empfehlung vorzüglicher Sorten inden Weg getreten sind. Von Frühkartoffeln, d. h. solchen, die Ansang April oderEnde März gelegt, im Juli und August reife Knollen haben, sind, mit Vorbehaltetwaiger Andersbenennung, die empfehlenswerthesten: die rothe und die weiße Horn-kartoffel, die pfälzer Kartoffel, die Gurkcnkartoffel, die Sammetkartoffel, die Jacobi-kartoffel, die pommersche Kartoffel, die Biscuitkartoffel, die schwarze Kartoffel unddie Rockskartoffel. Unter den Spätkartoffeln, solchen, die im April und Anfang Maigelegt, im October geerntet werden, heben wir als die vorzüglichsten hervor: die langeNierenkartoffel, die blaue Hornkartoffel, die runde blaue Kartoffel, die wilde Kartof-fel, die Erdbeerkartoffel, der Preis von Holland, der Preis vom Westerwald, dieZwiebelkartoffel, die Lerchenkartoffel, die kleine Speisekartoffel, die Zapfenkartoffel, dieZuckerkartoffel, die englische Kartoffel, die Rohankartoffel, die weiße Kartoffel, diekleine schottländer Kartoffel, die kleine Nußkartoffel, die gelbe Patate, die peruviani-sche Kartoffel, die spanische Kartoffel, die Wucherkartoffel, die große Viehkartoffel,die Zwitterkartoffel u. s. w. Das hohenheimer Preisverzeichniß zählt gewöhnlich 60— 80 Sorten von Kartoffeln aus, und bei der großen Versammlung deutscher Land-und Forstwirthe zu Kiel im Jahre 1847 hatte die berühmte Samenhandlung vonI. G. Booth u. Comp. in Hamburg ein Sortiment von 151 Varietäten ausgestellt,von welchen 99 ganz allein englische und schottische Sorten waren. Im Durchschnittmögen jetzt in Europa 4—500 Spielarten der Kartoffel cultivirt werden.