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Die Kartoffeln,
europäischen Volks einzig von Kartoffeln bei der jetzigen Lage der Staaten undBevölkerungen. Kein Zweifel kann mehr darüber obwalten, daß die Übervölkerungvieler Districte einzig und allein auf Rechnung der überwiegenden Kartoffelnahrungbei den niedern Volksclaffen zu setzen ist. Die Bevölkerung eines Landes stellt sichimmer ins Gleichgewicht mit der Menge von Nahrungsmitteln, welche dasselbe, directoder indirect, zu produciren vermag. Wenn es nun Thatsache ist, daß dieselbe Boden-fläche, welche mit Getreide bepflanzt, einen Menschen ernährt, mit Kartoffeln derendrei vollständig ernähren kann, so muß auch überall, wo der Kartoffelbau in größterVerbreitung betrieben wird, die Bevölkerung seit dessen Einführung in dem Verhält-niß von 1 : 3 gestiegen sein. Diese Annahme trifft mit überraschender Genauigkeitzu, wie dies die Bevölkerungslisten der einzelnen Bezirke und Staaten, die haupt-sächlich Kartoffelbau treiben, beweisen.
Aber in manchen Ländern, in denen Kartoffelbau und Kartoffelnahrung einsolches Übergewicht haben, ist die Progression der Bevölkerung nicht einmal in diesemimmer noch natürlichen Verhältnisse geblieben, sondern hat dasselbe sogar überschritten.Dies kommt daher, weil die Kartoffelnahrung einesteils allzu' leicht den Unterhalt fürviele Menschen aus verhältnißmäßig kleinem Areal liefert und somit die Familien-Legründung begünstigt, anderntheils weil die Kartoffel notorisch schon als stimuliren-des Nahrungsmittel die Kindererzeugung steigert. Aus diesem Gesichtspunkte ist denndie Kartoffel, dieses sonst segensreiche Geschenk der Mutter Natur, durch ihre Begün-stigung einer unverhältnißmäßigen Vermehrung der Bevölkerung in einzelnen Ländernals ein Hauptfactor unsers socialen Grundübels, des Pauperismus, anzuklagen. Undzwar tritt gerade die Massenarmuth in den Kartoffelbezirken als die schlimmste undheilloseste auf, denn sie ist mehr als bei jeder andern armseligen Bevölkerung ver-bunden mit physischer,' moralischer und geistiger Zerrüttung und Herabwürdigung derMenschennatur. Wir sehen in solchen Kartoffelländern Menschen mit schlaffen Mus-keln und schwächlichem, schwammig aufgetriebenem Körperbau, welcher leider oft durchden Anschein blühender Gesundheit täuscht; wir nehmen wahr Stumpfheit des Gei-stes, thierische Sinnlichkeit und Schwächung der moralischen Eigenschaften des Men-schen. Nach den Erfahrungen, welche uns jetzt die Naturwissenschaften, Chemieund Physiologie, an die Hand geben, kann dies auch nicht anders sein. Der mensch-liche Körper bedarf zweierlei Nahrung, solcher, die ihm neue Kräfte zuführt, denMuskel erhält und ergänzt, und solcher, welche ihm die Respiration möglich macht,und durch dieselbe seine innerliche Wärme, eine Nothwendigkeit des Lebens, sichert.Die Muskelbildung erfodert vornämlich Stickstoff. Es gehören demnach in dieerste Classe der Nahrungsmittel alle stickstoffhaltigen: Fleisch, Hülsenfrüchte, Brot.Der Mensch athmet ferner atmosphärische Luft ein und Kohlensäure aus. DenStickstoff der Luft verwendet er wie die stickstoffhaltigen Speisen; der Sauerstoff der-selben verbindet sich aber unter anhaltendem Verbrennungsproceß mit anwesendemKohlenstoff zu Kohlensäure. Das ist das Geschäft der Respiration und Wärme-erzeugung. Der dazu nothwendige Kohlenstoff muß dem Körper durch Speisen,welche hauptsächlich aus ihm bestehen, zugeführt werden: solche sind alle Vegetabi-lisch, besonders stärkemehlhaltige, und Fette. Die Kartoffel besteht fast nur ausStärkemehl und besitzt nach neuern Forschungen nur eine verschwindend kleine Mengean Stickstoff. Die Kartoffel kann also nicht genügen, den täglichen Abgang anMuskelstoff zu ersetzen, und die Ernährung mit Kartoffeln, ohne weitere Zuthaten,muß auf die Dauer hin nothwendig den menschlichen Körper erschlaffen, ihn zu einemlockern, aufgedunsenen Gewebe machen, das zwar seine Functionen erfüllen kann,aber zu Arbeit und Kraftanstrengungen unfähig wird. Ein anderes zur Zerrüttungder Bevölkerung mitwirkendes Übel ist aber in den sogenannten Kartoffelbezirken dieaußerordentliche Production und Consumtion des Branntweins. Der durch seineeinzige und ermattende Nahrung geschwächte Arbeiter wird ein Branntweintrinkeraus Noth, nicht aus Neigung. Er glaubt in dem berauschenden Gifte des Alkohol,irre geführt durch dessen momentane Wirkung, das Mittel zu finden, seine verlorenen