Band 
Vierter Band.
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4 Die Schweiz.

schichte, daß mitunter die am scheinbar schwierigsten Bergpässe fast zu allen Jahres-zeiten von Heeresmassen überschritten wurden, und daß hiernach selbst die höher«Gebirgszüge die früher von ihnen erwartete Sicherheit der Stellungen nicht gewäh-ren. Allein gleichwol gewährt die Schweiz, mit ihrem von Gebirgen, Flüssen undSeen tausendfach durchschnittenen Boden, einen solchen Reichthum von leicht undschnell abwechselnden Operationsbasen und Operationslinien, von mehr oder minder,gedeckten Stellungen, wie kein anderes Bergland, selbst Tirol und seine östlichenNachbarlande nicht ausgenommen. Nirgend sonstwo eignet sich also der Boden indemselben Maße zu einem hartnäckigen und mannichsach günstige Wechselfällc dar-bietenden Vertheidigungkriege, sogar gegen größere und von verschiedenen Seiten herandringende Heeresmassen: dies freilich nur unter der Voraussetzung, daß sich diekriegsgeübte Masse der Bevölkerung vertheidigen will, und daß sie sich einer einheit-lich planmäßigen Leitung unterwirft. In dieser Lage hat sich die Schweiz, als Ge-sammtheit dem Auslande gegenüber, noch zu keiner Zeit ihrer Geschichte befunden.Im Kampfe gegen die Truppen des revolutionären Frankreich war nur ein sehrkleiner Theil der selbst einer Umwälzung entgegengehenden Bevölkerung zum Wider-stände bereit. Und doch zeigten die vereinzelten und voraussichtlich erfolglosen Kämpfeder Berner, Schwyzer und Unterwaldner, welch große Vertheidigungskräfte in Thä-tigkeit gesetzt werden könnten, sobald dieselben combinirt, nicht blos nutzlos und plan-los vergeudet würden.

Ohne Centralisation des Heerwesens, die erst der neuern Zeit angehört, mit umso größeren Vertrauen auf die Eifersucht der Großmächte, so lange man der eigenenZwietracht nicht Meister werden konnte, endlich im Hinblick auf die natürlich festeLage des Landes, war für künstliche Befestigung in Rücksicht auf mögliche Kriegemit dem Auslande nur wenig gethan worden. Die im 17. Jahrhundert angelegten,aber von den benachbarten Anhöhen leicht zu beherrschenden und in den letzten Jah-ren geschleiften Festungswerke von Zürich und Bern, welche das Übergewicht derStadt über das Land sichern halfen, hatten mehr politische als militairische Zwecke.Von größer» schweizerischen Städten sind nur noch Basel und Genf befestigt, wich-tig als Grenzstädte und Knotenpunkte von Hauptstraßen. Großbasel, aus der linkenRheinseile, ist in den letzten Jahren an einigen Punkten wieder stärker befestigt wor-den, aber zugleich hat man die Einmündung der französisch-elsassischen Eisenbahndurch die Werke gestattet. Als Genf, welches die Straßen nach Savoyen und dersüdwestlichen Schweiz, sowie mittelbar die Straße nach dem Wallis und über denSimplon beherrscht, im Jahre 1811 von den Östreich»» besetzt war, hatten diese inErwägung seiner wichtigen militairischen Lage den später wieder, aufgegebenen Planeiner ausgedehnten Erweiterung seiner Festungswerke gefaßt. Überraschend war esdaher, daß im Jahre 1849 der genfer Staatsrath die völlige Schleifung beantragte.Allerdings wird Genf, ohne eine weitere Ausdehnung seiner Werke, niemals einestarke Festung sein, und überhaupt auch dürften die Festungen ihre frühere Bedeu-tung verlieren. Allein es ist doch ein Ünterschied in der Verwendung beträchtlicherSummen für die Anlage neuer, und in der Erhaltung schon bestehender Werke.Immerhin würde Genf im Stande sein, einen Einfall von französischer Seite fürkürzere Zeit aufzuhalten, und dadurch dem eidgenössischen Heere Zeit zur Sammlungzu verschaffen, während es zugleich durch die Verbindung mit der Schiffahrt ausdem Genfersee für Besatzung und Material eine sichere Nückzugslinie darböte. NachArt. 21 der Bundesverfassung kann die Bundesversammlung die „ Errichtung öffent-licher, die militairischen Interessen der Eidgenossenschaft verletzender Werke untersa-gen ". Sie kann also auch die Entfernung schon bestehender Werke verhindern, undman erwartet, daß sie Genf gegenüber erfoderlichenfalls von diesem Rechte Gebrauchmachen werde. Noch befindet sich seit 1660 eine kleine Bergfestung bei Aarburg,nahe dem Punkte, wo sich die Straßen von Zürich nach Bern und von Basel nachLuzern durchschneiden.