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Vierter Band.
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Joseph von Radowitz.

beansprucht würden, die jenseit der von dem Gesetz vorn 28. Juni der provisorischenCentralgewalt zugewiesenen lägen, oder die das Bündniß vorn 26. Mai gefährden könnten.

Unterdessen hat der „ Staats-Anzeiger" vorn 17. Nov. die Ernennung des Ge-nerals von Radowitz und des Oberpräsidenten Ui-. Bötticher zu Mitgliedern der pro-visorischen Bundcscommission verkündet. Man weiß, daß Radowitz das erste dirigi-rende Mitglied für Preußen sein wird. Sein schon vorher durch die Presse mitge-theilter Eintritt ist von den Anhängern des Bundesstaats in Preußen wie in demübrigen Deutschland als eine Garantie für die Vertretung deutscher Interessen, imSinne des Bündnisses vom 26. Mai, bezeichnet worden. Man weiß ferner mit Be-stimmtheit, daß er beim Zusammentritt des Parlaments Frankfurt verlassen und'dieRegierung im Schoose des Parlaments vertreten wird.

So ist Radowitz. Wir haben ihn vor den Augen des Lesers denken, sprechen,handeln lassen und, wo ein Urtheil über die ganze Erscheinung Interesse bieten konnte,am liebsten seine Feinde, rechts und links, als Zeugen aufgerufen. Wer Geduldgenug hatte, uns aufmerksam bis zu Ende zu folgen, dem wird, wenn es ihm andersdarum zu thun, klar geworden sein, was wir loben oder tadeln, was wir verant-worten möchten, was nicht. Selbst Radowitz' literarische Thätigkeit ist, wie seinepolitische, noch nicht zu ihrem Zenith gediehen. Man erwartet von ihm den zweitenTheil der „Gespräche aus der Gegenwart über Staat und Kirche", welcher die Fra-gen der gegenwärtigen Zeitverhältnisse von den Personen des ersten Theilst bespre-chen läßt. Näherstehende versichern noch, daß Radowitz sich damit beschäftigt, einetiefer eingreifende Geschichte des letztem Jahrzehnds auszuarbeiten, von welcher diemehrerwähnte Schrift: „Deutschland und Friedrich Wilhelm IV.", als ein vorausge-schicktes Fragment anzusehen sei. Endlich erscheint nächstens von ihm eine Abhand-lung über „Devisen und Mottos des Mittelalters", von der die „Deutsche Vierteljahrsschrist" eine anticipirende Analyse schon früher brachte.

Die politische Laufbahn des Mannes aber soll sich erst jetzt entfalten. Die Um-stände werden dabei entscheidend mitwirken. Radowitz ist, Alles in Allem, zuerstStaatsmann; er wird immer das Mögliche wollen. Ein Jünger der historischenSchule, wird er doch die Gegenwart als ein vorwaltendes, geschichtliches Momenthoch anschlagen. Es ist die Ausgabe der Nation, diese seltenen Gaben zu nützen,ihnen den eigentlichen, ihrer Natur entsprechenden Wirkungskreis anzuweisen. Eintüchtiges Volk schafft sich den König wie den Minister. Laßt Radowitz 1797 inLondon oder Paris geboren werden statt in Blankenburg: er wird die ständische Mon-archie nicht 30 vergebliche Jahre hindurch vertreten, und zwar, weil ihm ein andererStoff geboten, eine andere Sphäre des Wirkens von der Macht der Außenwelt auf-erlegt ist. Laßt Deutschland der Freiheit würdig sein, und die Freiheit wird dengeistreichen, hoch- und scharfsehcnden Staatsmännern als ein Gegebenes, Mögliches,Nothwendiges erscheinen. Man frage daher nicht: was Radowitz in Frankfurt, waser in Erfurt thun wird? Man frage: Wie wird Deutschland aus sich heraus sichgestalten? Welche Federungen wird es so einmüthig, weise, klug und energisch ver-folgen, daß nur beschränkte Köpfe oder verblendete Thoren sie umgehen wollten?Das ist das Problem! Selbst der größte Geist würde, einsam und verlassen, zumSchaffen nicht gelangen. Erst wenn ihm das deutsche Volk nicht fehlt, wird er demVolke nicht fehlen.