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Vierter Band.
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Die Märzrevolution in Preußen.

Partei eiferte namentlich gegen die rheinischen Oppositionsmänncr des Landtags, welche,wie ein Organ der Ultramontanen sich ausdrückte, „es zum ersten mal gewagt haben,die traditionelle rheinische Politik zu verleugnen, indem sie, den bodenlosen Chimärendes modernen Constitutionalismus huldigend, die hohlen Worte Verschmelzung, Ver-brüderung und Centralisation auf ihre Fahne setzten". In den alten Provinzen warman nicht mehr für den Entwurf eingenommen. Verschiedene Gemeindevertretungenpetitionirten für die gänzliche Beseitigung desselben. Neben diesen Bedenken, welcheden Gegenstand der Berathungen selbst betrafen, tauchte auch wieder die Kompetenz-frage auf. Nachdem der Vereinigte Landtag erklärt hatte, daß die ständischen Aus-schüsse ihn nicht ersetzen könnten und ein großer Theil der Abgeordneten nur unterdieser Voraussetzung die Ausschußwahlen vollzogen, fragte man sich, was diese Ab-geordneten der königlichen Erklärung gegenüber, welche alle Vorbehalte für ungültigerklärte, thun würden. Zwei von ihnen, Bardeleben und Beckerath, hatten schon vordem Zusammentritt der Ausschüsse ihr Mandat niedergelegt. Von den Oppositionsfüh-rern waren somit nur noch Cämphausen, Auerswald und Schwerin in den Ausschüssen.

Die Versammlung wurde am 17. Jan. 1848 eröffnet, und begann am 18. Jan.ihre Geschäfte. Sogleich ergriff Schwerin als Vorsitzender der vorberathenden Ab-theilung das Wort und verlas eine Declaration derselben, worin gesagt ward, daßdie Erklärungen, welche bei den Aüsschußwahlen abgegeben worden, durch die Be-rathung des Strafgesetzes durchaus nicht alterrrt würden, indem dadurch in die vomVereinigten Landtage vorbehaltenen Rechte durchaus nicht eingegriffen würde. Nachihm trat Auerswald auf, um für sich und 32 seiner Kollegen ausdrücklich zu eröff-nen, daß sie sich zu andern Berathungen und Handlungen als der vorliegendenaußer Stande sehen würden. Camphausen, der diese Erklärung mit unterzeichnet,setzte die Motive auseinander. Das Volk werde wissen, daß sie, die Abgeordneten,an dem Grundsätze festhielten, daß alle Gesetze über Person- und Eigenthumsrechte,sowie über Steuern, ohne den Beirath des Vereinigten Landtags nicht erlassen wer-den könnten. Die abwesenden Mitglieder des Vereinigten Landtags würden wissen,daß die Mitglieder des Ausschusses nicht gesonnen seien, sich Rechte beizumessen, dienach der Ansicht des Vereinigten Landtags ihm allein zuständen. „Die Regierungendlich", fuhr er fort, „wird wissen, daß nicht, wie ihr Organ dem Lande einzu-reden bemüht gewesen, der Zwiespalt geschlichtet ist, der zwischen den thatsächlichenZuständen und der frühern Gesetzgebung besteht. Um so mehr halte ich es für meinePflicht, die Regierung hierüber nicht in Zweifel zu lassen, als der Gang, den sieam Schluß des Vereinigten Landtags und nach demselben eingeschlagen hat, michmit tiefer Betrübniß und mit Sorge für die Zukunft erfüllt. Eine große That wargeschehen; nach 30jahrigem Harren waren die Vertreter des ganzen Landes in einemSaale versammelt, und Alle, welche wissen, wie selten und wie schwer großen Ver-sammlungen die Selbstbeherrschung gelingt, sahen mit Spannung und nicht ohnd !Besorgnisse ihren Schritten entgegen. Wie ist der Erfolg gewesen? Das Auslandwar erstaunt und überrascht über die Mäßigung der Versammlung, über ihre treue >

Ergebenheit gegen den Fürsten; es war im Zweifel, ob es ihre Zurückhaltung loben '

oder sie der Schwäche beschuldigen sollte; es fand den König zu beneiden, der unter ^solchen Umständen eine solche Versammlung berufen und eine so glänzende Manifestationder Treue und Ergebenheit seines Volks der Welt vor Augen legen konnte. In Preu-ßen aber, wo die Stände bis auf die äußerste Grenze vorrückten und weit hinüber-gebogen, um die Hand zur Ausgleichung zu bieten, ist diese Hand im Zorn zurück-gestoßen worden. In Preußen haben die Stände von Seiten der Regierung Tadelund Nichtbeachtung gefunden, und Äußerungen des Misfallens und Unwillens, welchein geringem Einklänge mit einem monarchischen Staate stehen, der von den Ständennur Rath verlangen, sie nur Rath zu ertheilen berechtigen will. Ein Wort hättehingereicht, den Verfassungsstreit in Preußen auf immer zu beendigen; es ist nichtgesprochen worden. Die Folgen müssen getragen werden; die Geschichte aber wirdrichten zwischen der Regierung und uns."