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Vierter Band.
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Die Märzrevolution in Preußen»

That aber wurden Unterhandlungen mit dem wiener Cabinet gepflogen, welche dievorzunehmenden Reformen in der Bundesverfassung zum Gegenstand hatten. Wahr-scheinlich sollten die Resultate des beabsichtigten Fürstencongresses abgewartet werden,ehe man sich über die zu gewährenden Concessionen aussprach.

Während man aber in Berlin den Sturm nicht zu ahnen schien, begannen des-sen Symptome bereits sich in den Provinzen zu zeigen. Wie in frühern Jahren gabauch diesmal die Nheinprovinz das Zeichen der Bewegung. Natürlich hatte sie nichtden frühern friedlichen Charakter. Die Bewegungen in den benachbarten süddeut-schen Staaten und in Belgien, wo mehr oder minder zeitgemäße Concessionen ge-macht worden, mußten nothwendigerweise daS. Stillschweigen der Regierung in einemfür letztere sehr nachtheiligen Kontraste erscheinen lassen. Am 3. März begaben sichVolksmassen in Köln, freilich schon mit andern als constitutionell-liberalen Elementengemischt,„vor das Sitzungslocal des Gemeinderaths, und überreichten eine Petitionmit der Überschrift „Foderungen des Volks", indem sie auf unbedingtem Beitritt zudiesen Foderungen bestanden. Es wurde darin verlangt: Gesetzgebung und Verwal-tung durch das Volk; allgemeines Wahlrecht und allgemeine Wählbarkeit in Ge-meinde und Staat; unbedingte Freiheit der Rede und Presse; Aufhebung des stehen-den Heers und Einführung allgemeiner Volksbewaffnung mit vonr Volke gewähltenFührern; freies Vereinigungsrecht; Schutz der Arbeit und Sicherstellnng der mensch-lichen Bedürfnisse für Alle; vollständige Erziehung aller Kinder auf öffentliche Kosten.Es kam bei dieser Gelegenheit schon zu leichten Conflicten mit dem Militair, welchesendlich den Rathhausplatz räumte. Ruhiger ging es bei der am 4. März veranstal-teten Bürgerversammlung zu, welche von den angesehensten Bürgern der Stadt be-sucht war. Hier beschloß man eine Adresse an den König, worin verlangt wurde:Repräsentativverfassung mit Verantwortlichkeit der Minister und allgemeinem Wahl-rechte, Freiheit der Rede, der Presse und Vereinigung, Religionsfreiheit u. s. w.Ähnliches geschah fast gleichzeitig in den Städten Aachen, Koblenz, Düsseldorf, Elber-selb, und bald stellte auch die kleinste Gemeinde der Provinz ihre Foderungen auf.In der Provinz Sachsen vergaß man endlich die religiösen Streitigkeiten und wandtesich dem politischen Gebiete zu. Von Magdeburg, Halle, Nordhausen, Halberstadtund andern Orten gingen ähnliche Adressen wie die obenerwähnten aus. Auch dasMiservative Westfalen, namentlich die,Landgemeinden, blieben nicht zurück.

In Schlesien eröffnete Breslau die Adreßbewegung. Der Widerstand der Be-hörden veranlaßte jedoch Unruhen. Eine Versammlung von Bürgern, welche amtt. März stattfinden sollte und die Entwerfung einer Adresse beabsichtigte, wurdeuntersagt. An demselben Tage beschäftigte sich die Stadtverordnetenversammlung mitdemselben Gegenstände bei offenen Thüren, in Gegenwart eines ziemlich aufgeregtenPublicums. Letzterm genügte der Adreßentwurf der Versammlung nicht. Von denZuhörertribunen herab rief man den Gemeindevertretern zu, daß sie dem Vertrauender Bürger nicht entsprochen hätten, daß ihr Verfahren nicht geeignet wäre, die Ge-müther zu beruhigen. Unter großem Tumult mußte die Sitzung aufgehoben werden.Nun zogen die Volkshaufen nach dem Vocale, wo die verbotene Volksversammlunghatte abgehalten werden sollen. Militair besetzte das Local und zwang die Mengeallmälig sich zu entfernen. Zu der Provinz Preußen machte die Umwälzung inFrankreich beinahe den gewaltigsten Eindruck. Man befürchtete einen Krieg mitFrankreich und als dessen Folge eine Invasion der Russen nach Preußen. Die mei-sten Adressen, welche in jenen Tagen aus diesem Landestheile eingingen, stimmtendarin überein. In Königsberg hielt man am 7. März eine Versammlung in derstädtischen Ressource ab, und Jacoby, Rupp und Dinter wurden mit Abfassung derPetition beauftragt. Es hieß in derselben: „Die Staatsumwälzung in Frankreich,herbeigeführt durch ein freiheitseindliches Ministerium, und das bevorstehende Ein-rücken russischer Truppen in das Herz Deutschlands gefährdet von Osten und Westendie Grenzen unsers Vaterlandes. Zn so verhängnißvoller Zeit nehmen wir keinenAnstand, uns offen und frei an Ew. Majestät zu wenden und es auszusprechen, daß