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Vierter Band.
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Die Märzrevolution in Preuße».

erschien, war ein eingetheilt freudiger. Da erscholl aus der Menge der Ruf, daßdas vor dem Schlosse aufgestellte Militair zurückgezogen werden solle: der König sollesich den Bürgern anvertrauen. Der König, dem der Minister Graf Arnim diesmitgetheilt, schlug Das ab, indem er einen solchen Rückzug als unehrenvoll für dieTruppen ansah. Gleichzeitig hatte die Cavalerie einige Chargen auf die Menge ge-macht; Infanterie war aus dem Schlosse herausgetreten und trieb das Volk zurück,wobei zwei Gewehre, wie es heißt zufällig, aus der Mitte der Truppen sich entluden.*)Das Volk, noch vor kurzem von entgegengesetzten Gefühlen bewegt, glaubte sich indiesem Augenblicke verrathen; es stürzte mit Rachcgeschrei davon. In wenigen Mi-nuten war die Gegend um das Schloß wie ausgestorben. Aber bald verbreitete sichin der ganzen Stadt die Nachricht von „dem Vorgefallenen; die Erbitterung gegendie Soldaten erreichte den Gipfelpunkt. Überall erscholl der Ruf „Zu den Waffen".Fast in allen Straßen begann man Barrikaden zn bauen. Bald war die ganzeStadt damit bedeckt. Alle Vorstellungen, welche von einzelnen Deputationen beimKönige gemacht wurden, die Truppen rückzuziehen, blieben erfolglos. So entspannsich einer der blutigsten Straßenkämpfe, welche die neuere Geschichte auszuweisen hat.Von Nachmittags 3 Uhr am 18. März bis zum folgenden Tage gegen 9 UhrMorgens dauerte das Gewehr- und Kanonenfeuer fort. Die Excesse der erbittertenSoldaten hatten auch selbst die eigentlichen Bürger mit in den Kampf hineingezogen.Während so das Volk durch die Verlängerung des Kampfes nur gewinnen konnte,mußte im Gegentheil das Militair demoralisirt werden. Dies mochte den Befehls-habern im Schlosse nicht entgehen. Die städtischen Deputationen, welche am Mor-gen des 19. März erschienen, fanden daher schon viel willigeres Gehör. Bereits inder Nacht hatte der König eine Prvclamation „An die Berliner" erlassen, die amMorgen verbreitet wurde. Der König foderte das Volk auf, die Barrikaden zu räu-men, dann solle das Militair sofort zurückgezogen werden. Endlich gab er, ganzersichtlich ergriffen von den Ereignissen der Schreckensnacht, den erneuten Bittennach: das sämmtliche Militair verließ um 10 Uhr die Stadt. Jetzt wurden auchdie Barrikaden geräumt, und nur die Volkshausen, welche die Straßen durchzogen,erinnerten an das Vorgefallene. Auch den allgemeinen Wunsch nach Volksbewaff-nung erfüllte der König; die Waffen wurden aus dem königlichen Zcughause ge-liefert. Am Nachmittag erschien die königliche Verordnung, welche die Entlassungder alten Minister aussprach, und den Grafen Arnim zum Vorsitzenden des neuenMinisteriums ernannte. Gleichzeitig wurden Graf Schwerin, Freiherr von Arnim,bis dahin Gesandter in Paris, in das Ministerium berufen. Alle waren hiermit soziemlich zufriedengestellt; man vergaß über den neuen Hoffnungsmorgen das Ver-gangene, und namentlich suchte man dem Könige erneute Anhänglichkeit zu bezeugen.Man suchte alle denkbaren Gründe auf, um ihm die blutigen Vorfälle nicht zur Lastzu legen, und fand endlich ein Sühnopfer. Der Prinz von Preußen, wegen seinerVorliebe für die Soldaten und seiner Anhänglichkeit an die unumschränkte Monar-chie beim Volke nicht sehr beliebt, sollte Alles verschuldet haben. Ihm schrieb manes zu, daß der Befehl zum ersten Angriff ertheilt, daß der Kampf so hartnäckig fort-geführt worden. Mochte dies Grund haben oder nicht: die erregten Gemüther glaub-ten es, und nur mit Mühe konnte das Palais des Prinzen von Preußen vor Zer-störung geschützt werden. Er selbst gab dem Volksglauben neue Nahrung, indemer, ohne ersichtliche Nothwendigkeit, am 22. März nach London abreiste.

Die Nachricht von den berliner Ereignissen langte in den Provinzen gleichzeitigmit dem Patent vom 18. März an. Während die Berichte über den StraßenkampfEntrüstung und Zorn gegen das Militairregiment hervorriefen, äußerte sich über das

*) Wir unterlassen hier die ausführlichere Schilderung der Ereignisse vom 18. und 19. März,und verweisen den Leser auf den Artikel „Berlin in der Bewegung von 1848", im zweitenBande der „Gegenwart", S. 538—597, welcher diese sowie die folgenden Vorgänge in derpreußischen Hauptstadt umständlich erzählt. D. Red.