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Vierter Band.
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Die Märzrevolutio» in Preußen. 295

Die Wuth der Deutschen über dieses willkürliche Verfahren der Polen, de-nen die Behörden nicht mehr wehren konnten, überstieg alle Begriffe; schon sahensie sich im Geiste der Herrschaft der Polen preisgegeben. Ein deutsches National-comite hatte sich in Posen gebildet, um den polnischen Bestrebungen entgegenzu-arbeiten. Die Regierung ward jetzt mit Petitionen von Seiten der überwiegenddeutschen Districte überschüttet, worin gegen eine Lostrcnnung von Preußen entschie-den Verwahrung eingelegt wurde. Die Nctzedistricte schickten am 28. März eine De-putation nach Berlin, welche die Einverleibung in den Deutschen Bund verlangteund, als das Ministerium Anstand nahm, ihnen sofort die Erfüllung ihres Wun-sches zuzusagen, mit einer Beschwerdcführung beim Bundestage drohte. Das deutscheNationalcomite stellte den Antrag an die Regierung, eine Demarcationslinie zwischenden deutschen und polnischen Kreisen festzustellen, und nur letztere in die nationaleReorganisation einzubegreifcn. So standen sich also Polen und Deutsche mit allerSchroffheit gegenüber. Die Excesse der Polen riefen ebenso ungerechtfertigte Ge-waltthaten der Deutschen hervor. Die obern Provinzialbehörden in Posen warenausschließlich deutsch, erweckten daher bei der polnischen Bevölkerung nicht das ge-ringste Vertrauen. Auch zeigten sie sich in der That zu sehr geneigt, den Einflü-sterungen der erbitterten Deutschen Gehör zu geben, indem sie gegen die Polen stetsmit Gewalt verfuhren, während den Deutschen Vieles nachgesehen wurde. Inder Provinz selbst herrschte die vollständigste Anarchie. Die Polen fuhren inihren Rüstungen unausgesetzt fort; schon standen 10000 unter Waffen, unter Mie-roslawski's Oberbefehl. Ihre Waffenplätze waren Pleschen, Lions, Wreschen, Welnaund Buk. Augenscheinlich wollten die Führer dadurch irgend einen Grenzconflictmit Rußland herbeiführen, wo sie dann Aussicht hatten, ihr Ziel, einen Krieg zwi-schen Preußen und Rußland, zu erreichen.'

Das war der Stand der Dinge, als Anfang April das Ministerium den beiden Polen nicht unbeliebten General Willisen abzusenden beschloß. Die JnstructionenWillisen's lauteten dahin, daß er, statt des Oberprasidentcn, den Vorsitz in der Neor-ganisationscommission übernehmen sollte. Er sollte ferner vor allen Dingen suchenden Landfrieden herzustellen, dann aber sofort zur,Reorganisation schreiten, freilichmit Berücksichtigung der deutschen Nationalität. Diese sehr schwierige Aufgabekonnte nur erreicht werden, wenn der Commissar umfassende Vollmacht» erhielt;aber, wie bisher, griff die Regierung auch diesmal zu 'halben Maßregeln. DieCivil- und Militairbehörden behielten alle ihre Befugnisse, und, statt dem Com-missar untergeordnet zu sein, war factisch wenigstens das Entgegengesetzte der Fall.Er, der als Friedensstifter auftreten sollte, fand auf Seiten der Executivgewalt eineeinseitige Parteinahme vor. In Posen selbst hatte der Fanalismus der Deutschenseinen Höhepunkt erreicht; schon daß Jemand als Vermittler zwischen ihnen und denPolen angekommen, erregte ihren Ingrimm. Der General erließ sofort eine Pro-klamation an die Einwohner des Eroßherzogthums: er verkündete darin den Zweckseiner Mission. Den Polen verhieß er eine nationale Regierung und ein nationalesGerichtsverfahren: ein Pole solle an die Spitze der Verwaltung treten und die Wahlder Landra'the wieder freigegeben werden. Eine nationale Bewaffnung, sagte er,hätten sie bereits in der Landwehr; ihre übrigen Wünsche werde er gern entgegen-nehmen. Die Deutschen beruhigte er über die Befürchtungen für ihre Rechte:Jeder solle in seiner Sprache regiert werden. Sie möchten Vertrauen fassen zuihren polnischen Landsleuten, die ihnen nicht zunahegetrcten: einzelne Excesse seienauf beiden Seiten begangen. Der General erklärte, daß vor allen Dingen Ordnungund Gesetzlichkeit wiederhergestellt werden müßten. Die'Comites und die bewaffnetenCorps müßten sich auflösen.

Gleichzeitig suchte Willisen den commandirenden General von Colomb, wel-cher ohne Umstände gegen die bewaffneten Corps mit Waffengewalt einschreitenwollte, zu mildern Maßregeln zu bestimmen; er bat, bis zum 10. Apr. zu war-ten, bis dahin hoffe er auf gütlichem Wege zum Ziele gelangt zu sein. Willisen