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Der Kaukasus.
Völkern, die in Dioskurias (im heutigen Abchasien an der Küste des SchwarzenMeeres) des Handels wegen zusammenkamen und doch hauptsächlich aus dem Ge-birge stammten. Die Araber nennen namentlich den östlichen Theil den Berg derSprachen, Dshebcl al Fath, und auch in der neuesten Zeit ist, hauptsächlich durchdie Nüssen, die Meinung allgemein worden, daß eine Menge der verschiedenartigstenVölker aus dem kaukasischen Gebirge wohnten. Namentlich führen die russischenGenerale in ihren Siegesberichtcn stets eine Reihe von Völkern aus, die sie alle demrussischen Scepter unterworfen haben wollen. Es ist dies aber ein Irrthum, derwol hauptsächlich deshalb entstanden sein mag, daß eine Menge Völker der Vorzeit ^
auf ihren Wanderungen und Zügen den Kaukasus nicht allein berührten, sondernsogar eine längere Zeit an seinem Nordfuße seßhaft gewesen sind. Neue Völkerkamen und verdrängten die frühern, von denen nicht selten ein Theil sich in dasweniger zugängliche Gebirge zurückzog, darin aber mit der Zeit seine Rationalitätaufgab. Vergleichen wir die geschichtlichen Werke der Vorzeit mit den neuern undneuesten Berichten der Jetztzeit, so sehen wir, daß wenigstens kurz vor Christusdieselben Völker im Kaukasus wohnten wie heutzutage. Legt man namentlich aufStrabo's zum großen Theil musterhafte Erdbeschreibung Gewicht, da der Ver-fasser derselben als Kleinasiat den ganzen kaukasischen Isthmus genau kennen mußte;nehmen wir noch die übrigen Autoren, die den Kaukasus erwähnt haben, zu Hülfeund vergleichen Das, was diese gesagt haben, mit den ältern Werken der Orientalenund vor allem der Georgier und Armenier: so werden wir finden, daß die Alteneigentlich nur ebenso viel Hauptvölker im Kaukasus kannten als wir, und dieseziemlich mit denselben Namen belegten. Nur von einem Volke ist es gewiß, daß es,zum großen Theil wenigstens, erst später im Kaukasus eingewandert ist: es sind diesdie tatarischen Stämme, welche hier und da selbst mitten im Gebirge einige Thälerbewohnen. Mit Gewißheit läßt es sich übrigens noch keineswegs, wie Einige meinen,annehmen, daß (nach Klaproth) türkische Völker erst im 6. Jahrhundert am Kau- !
kasus erschienen sind, wenn man auch auf der andern Seite nicht ableugnen kann,daß die meisten tatarischen Stämme nach Dschingis-Khan inw Kaukasus einwanderten.
Alle die verschiedenen Stämme, welche man als im Kaukasus wohnhaft nennt,lassen sich auf sieben Völker: Tscherkessen oder Cirkassier, Abasten oder Abchasen,Ossen oder Ossethen, Georgier oder Grusier, Tschetschen oder Tschetschenzen, Lesghier ^oder Lesghinzen, und Tataren zurückführen. Armenier und Juden leben nur verein-zelt im Kaukasus. In Betreff der Erstem muß noch bemerkt werden, daß man dieVölker im Orient häufiger nach ihrer Religion als nach ihrer Abstammung unter- ^
scheidet, und daß man deshalb auch die Georgier Armenier nennt, wenn sie sich zum l
gregorianischen Schisma bekennen. Diese sieben Völker gehören mit Ausnahme der I
später eingewanderten Tataren hinsichtlich ihrer Körperconstitution und Gesichtsphy- >
siognomie sämmtlich dem indoeuropäischen Völkerstamme an. Blumenbach hatte voll-kommen Recht, die semitischen und indoeuropäischen Völkerstämme mit dem Namender kaukasischen Race zu belegen, da ohne Zweifel der Kaukasus die schönsten Men-schen dieser Race auszuweisen hat. Obwol die Sprachen der sieben genannten Völ-ker sehr voneinander abweichen, und selbst der Körperbau, wenigstens für eine unddieselbe Race, keineswegs unter ihnen übereinstimmt, so haben sich doch Sitten undGebräuche im Durchschnitt durch das ganze Gebirge, im Osten wie im Westen, all-mälig gleich gestaltet. Vor allen Eigenschaften tritt bei dem Kaukasier ein ungebän-digter Freiheitssinn hervor. Obschon hier und da erbliche Fürsten oft mit großerMacht herrschten, so wagte doch Keiner derselben der persönlichen Freiheit eines Ein-zelnen zunahczutreten. Körperliche Kraft und persönliche Energie sind die einzigenTugenden, die der Kaukasier anerkennt und denen er sich freiwillig unterordnet.
Unter solchen Verhältnissen gab es nur selten Zeiten, wo ein Einziger über dasganze Volk einen so großen Einfluß ausübte, daß die Übrigen ihm in Allem willig folg-ten. In der Regel reichte der Einfluß eines Einzelnen nicht weiter als der Gau mitseinen natürlichen Grenzen; mit der Bevölkerung benachbarter Gaue bestand hingegen