Die Afghanen und ihr Reich. 449
innerhalb der ersten eingeschlossen. Zn diesen Gefäßen oder in den Hallen, wo sieaufbewahrt werden, bemerkt mau Asche oder eine noch nicht genau untersuchte klebe-rige Materie, mit kleinen Perlen oder Goldknöpfen vermischt, die sämmtlich mit fei-nem Leinenzeuch umwunden sind; dann goldene Verzierungen und Ringe, Glasper-len und andere Stücke von Glas und Krystall; Thonmaffen und Steine mit Figurenversehen; Knochen und Zähne von Thieren, namentlich der Esel und Geise; StückeZeuch und Baumrinde, auf welchen ähnliche Schriftzeichen wie auf den Münzen vor-kommen, und eine große Anzahl indoskythische, indische, sassanische und selbst byzan-tinische Münzen. Aber was höchst sonderbar ist, obgleich Bruchstücke griechischer In-schriften vorhanden sind, niemals ward in den Grabhügeln Afghanistans das Geldbaktrischer Könige gefunden. Auf einem noch ziemlich gut erhaltenen Siegel vongebrannter Erde aus diesen Gräbern ist in schwer leserlichen Pali-Schriftlichen fol-gender Spruch ringegrabcn: „Der jetzt regierende Buddha erklärte die Ursachen derverdienstlichen Werke; auch was diese verhindert, hat der große Büßer erklärt." Aufeinem goldenen Gefäße finden sich auf beiden Seiten vier Figuren in getriebener Ar-beit: ein lehrender Buddha, mit einem Bettelmönch zur Rechten und einem Laienzur Linken. Das Bild an der Seite des Laien soll wahrscheinlich eine Nonne dar-stellen. Die Figuren stehen in Nischen, mit fcingewundenen Bögen umgeben, dieauf Säulen ruhen, zwischen welchen kauernde Adler hervorsehen. Das Gefäß istringsum, oben und unten mit einer Reihe Rubinen aus Badakschan eingelegt; essind auf jeder Seite 12. In diesem kostbaren Gefäße wurden 30 kleine Goldorna-mente, 18 Saphire, Achate, Krystalle und manche ändere unbedeutendere Gegen-stände gefunden.
Der Buddhaismus hatte, wie es scheint, in den Gegenden des Fünfflußgebiets,in Kaschmir und Afghanistan während des 3., 6. und 7. Jahrhunderts unserer Zeit-rechnung viele Kämpfe und Verfolgungen von Seiten der Brahmancn zu bestehen.Die Religion des Siddatha Kumara, dies ist der Eigenname Buddha's, gerieth, wiewir auch aus den mit geringerer Sorgfalt aufgeführten Grabhügeln der spätern Zeitentnehmen können, in Verfall; sie behauptete sich aber, neben dem Brahmaismus,bis zu den Einfällen der Muselman und der endlichen Herrschaft des Islam. Die-ses Religions- und Priesterwesen des östlichen Iran, Länder die bei den Kirchen-vätern unter dem Namen Baktrien zusammengefaßt werden, scheint von großem, vonunheilvollem Einfluß auf das Christenthum gewesen zu sein. Die ganze Lehre Ma-ni's erscheint blos als ein Versuch, das Christenthum, die Religion Schakia's undZoroaster's in einer höhern Einheit auszulosen, oder das Evangelium, wenn auch blosin äußerlicher Weise, mit den beiden andern Religionen in Verbindung zu bringen.Die Offenbarungen, welche Mani von der Gottheit erhalten hatte, sagen seine An-hänger, find blos eine Erneuerung der Religion, die so alt ist wie Himmel und Erde.Es ist dies die Lehre aller der tausend Buddhas, die da waren und sein werden, zumHeile der Menschheit verkündet. Tcrebinthus, welcher nach einer bedeutungsvollenSage die Schriften des Mani geschrieben haben soll, deren äußerliche Einthcilungund Name schon an die Bücher des Königssohns von Kapilapura erinnert, wolltenicht mehr Tcrebinthus heißen, sondern nannte sich einen neuen Buddha, der, wiesein Vorgänger, gleichfalls aus einer reinen Jungfrau geboren sei. Und in diesemSinn konnten die Manichäer mit Recht behaupten: Zoroaster, Buddha, Christusund Mani find dasselbe Scheinbild der Gottheit, welche niemals den Himmel ver-lassen, niemals mit der Materie sich verbunden hat.
Mythische Geschichte der Afghanen; die Sage der jüdischen Abstammung; der RameÄsghan, Pathan und Puschtu.
Das ursprüngliche Heimatland der Afghanen erstreckt sich, nach den Angabenöstlicher Schriftsteller, im Westen bis zum Jlmenfluß unfern Herat, und im Nor-den bis nach Kaschgar; es wird im Süden von Balutschistan und im Osten vonDie Gegenwart. IV. 29