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Die Afghanen und ihr Reich.
mit der Thräne im Auge die Tage der Vergangenheit beschreibt, wo Morlath fiel,Maronnan sank und Konachar in seinem Blute erzitterte.
Chasch-Chal und seine unerschrockenen Genossen brachten den Mongolen vieleNiederlagen bei, wodurch sie am Ende solch ein Selbstvertrauen erlangten, daß sienicht mehr zusammenhielten und es wagten, in einzelnen Heerhausen die größtenMassen anzufallen. Die Folge war, daß sie häufig unterlagen und sich endlich nachFrieden sehnten: namentlich war dies der Fall mit dem zahlreichen Stamm der Zu-sofsi. Chasch-Chal ließ nun einen Gesang ausgehen, worin er seine Freunde, dieChattak, zur Beständigkeit ermähnte und sie beschwor, mit vereinten Kräften demFeinde Widerstand zu leisten. Zu gleicher Zeit erinnerte er sie an die Treulosigkeitdes Padischah, an seine Verbrechen, an die bösen Anschläge, die er gegen sie imSchilde führte, und Alles dies in männlicher eindringlicher Rede.
Alle diese Lieder, deren eine Menge gedichtet wurde, all dieser Eifer für Frei-heit und Unabhängigkeit war vergebens. Die Stämme der Ebene wurden des Kriegsmüde, sie unterwarfen sich und die Befürchtungen des afghanischen Tyrtäus gingenbuchstäblich in Erfüllung. Der Statthalter des Padischah im Kaballande gewanndie Häuptlinge durch Freundlichkeit und machte sie so sicher, daß sie nichts Bösesahnten. Sie wurden zu einem Mahle nach Peschawer geladen, und hierbei vergaßensie ihre eigene Treulosigkeit und waren thöricht oder ehrlich genug, in die Schlingezu gehen. Nach dem Essen, wo Alles dem Trunke, der Freude und Lustbarkeit er-geben war, warfen sich die in der Nähe verborgen gehaltenen Mordscharen über dieWehrlosen und rödteten sie bis auf den letzten Mann. Der schändliche Statthalterward zwar zurückberufen und zum Schein in die letzte Beamtenclasse herabgesetzt;im Geheimen versicherte ihn aber Orangsib seines ganzen Beifalls, seines vollkom-menen Wohlwollens. Die Afghanen, ihrer Anführer beraubt, blieben vor der Handruhig; sie sannen aber immer auf eine Gelegenheit, diese Unbill zu rächen und ihreSelbständigkeit wieder zu erkämpfen. Diese Gelegenheit ward ihnen auch, wie wirbald sehen werden, nach einigen Jahrzehnden gegeben. Chasch-Chal entging, manweiß nicht in welcher Weise, diesem allgemeinen Blutbade; er ward als Gefangenernach Indien abgeführt und in der Feste Gwalior eingesperrt. In der Gefangenschaftdichtete er mehre rührende Lieder, worin er über sein eigenes Unglück und die Leidenseines Volks klagt. Der Khan ist aber niemals kleinmüthig geworden; seine starkeSeele, sein fester Sinn hat ihn auch im Elend aufrechterhalten. Einer dieser Klag-gcsänge schließt mit folgenden hochherzigen Worten: „Bei allen diesen Drangsalendanke ich noch immer Gott für zwei Dinge, daß ich ein Afghane bin und Chasch-Chal der Chattak."
Nadir-Schah; Ahmed Abdalli; das Königthum der Durani; die Kisilbasch oder persischen
Rothmüßen.
Der Raub- und Eroberungszug des Nadir-Schah gegen Indien hat die Zer-stückelung und den Fall des durch Baker gegründeten Reichs um einige Zahrzehndebeschleunigt. Die Schwäche des großmongolischen Staats lag nun dem Unkun-digsten offen vor Augen; es zeigte sich auch alsbald, wie dies im Osten gewöhnlich,eine Masse selbstsüchtigen Raubgesindels, das sie zu benutzen suchte. EhrgeizigeAbenteurer, welche hofften, auf den Trümmern des Erbes der Timuriden ihre Herr-schaft entweder über das ganze Land oder einen Theil desselben zu errichten, griffenzu dem Schwerte und stellten sich an die Spitze der gesetzlosen Banden. Muham-med-Schah, der gezwungen ward, aus den Händen eines glücklichen Kriegers seinDiadem als Gnadengeschenk zurückzunehmen und dafür alle westlichen Provinzen hin-zugeben, war tief in der Achtung seiner Unterthanen gesunken. Sie, welche durchden Einfall Nadir's so furchtbar gelitten hatten, haßten einen Herrscher, den sie mitRecht blos als einen Statthalter des Tyrannen betrachten konnten. Die Armeewar vernichtet, der Schatz leer und alle Quellen des Einkommens in dem verwüste-ten Lande versiegt. Der Padischah suchte keineswegs durch eine sorgfältige gerechte