Das Cap der guten Hoffnung. 507
wie schon bemerkt, noch ein nachhaltigeres Element insichschließend. Als das Mi-nisterium Brandenburg mit der Wahlordnung vom 30. Mai 1849 hervortrat, gerie-then auch in Königsberg die Fractionen des demokratischen Constitutionalismus inneue Bewegung, aber eine Organisation dieser Mittelpartei ist daraus nicht hervor-gegangen. Man beabsichtigte, in Königsberg zu einem allgemeinen Dtädtetage zu-sammenzutreten, auf welchem man sich über das Verhalten bei den Wahlen zurzweiten preußischen Kammer vereinigen wollte. Die städtische Behörde verweigertejedoch diese Zusammenkunft aus Besorgniß, daß sich die Stadt üblen Rückwirkungenoder wol gar dem Belagerungszustände aussetzen möchte. Es bildete sich indessenfür die Wahlangclegenheit ein Comite aus Gleichgesinnten der Stadt und der Pro-vinz, dessen Beschluß dahin ging, daß man sich der Wahlen zur zweiten Kammerenthalten solle. Dieses negative Verhalten hemmte ebenso wenig hier wie anderwärtsden Lauf der Dinge, sondern bewirkte nur, daß das specifische Preußenthum denSieg ohne Kampf erhielt, und die Männer des alten gemäßigten Liberalismus sichmehr oder weniger der herrschenden Partei anschließen mußten.
Der sociale Zustand Königsbergs im Ganzen ist freilich unter solchen Verhält-nissen für den Augenblick wenig behaglich und fruchtbar geworden. Auf der einenSeite der Preußenverein, aus der entgegengesetzten das gelichtete Häuflein des äußer-sten Radicalismus; zwischen diesen leidenschaftlichen Elementen Apathie und stille Er-bitterung. Dennoch war dieser Verlauf seit den Märztagen in Königsberg wie an-derwärts ein natürlicher. Der sociale Trieb, entfesselt inmitten tiefgreifender politi-scher Stürme und Umwälzungen, wird immer nur einseitige Zwecke verfolgen und diebürgerliche Gesellschaft nicht vereinigen, sondern im Gegentheil spalten: er dient insolcher Lage zur Fixirung der politischen Parteien, die je, nach der allgemeinen Wen-dung der Dinge stehen und fallen, und einerseits den Übermuth und die Herrschaftdes Siegers, andererseits den Schmerz und die Ohnmacht des Überwundenen zurück-lassen. Jener inhaltreiche und schöpferische Socialismus hingegen, der die Gesellschaftwahrhaft einigt, die innern Gegensätze vermittelt und zu großen, das ganze Lebenfördernden Thatäußerungen zusammenfaßt, ist einzig die Blüte eines reichen Friedensund eines sichern, festgeordneten Staatslebens. Daß Königsberg genug an Lebens-frische, Bildung, Gesinnung für diesen schöpferischen Socialismus insichbirgt, hates vor allen Städten Deutschlands bewiesen, noch ehe das Recht der politischen Asso-ciation öffentlich anerkannt war. Ohne Zweifel wird es, an der Spitze einer isolir-ten aber desto strebsamern Provinz, nach dieser Epoche allgemeiner Gährung undUmwälzung seine Kräfte um so reicher und freudiger entfalten.
Das Cap der guten Hoffnung.
Allgemeine Naturbeschaffenheit des Landes.
Die Colonie des-Cap der guten Hoffnung liegt in der Gestalt eines unregelmäßigenParallelogramms am Südende von Afrika zwischen dem 30 — 35° südlicher Breiteund dem 17 — 28° östlicher Länge (von Grecnwich). Sie grenzt im Westen undSüden an den Ocean, im OsRn an den Keiskammafluß, welcher sie von Kaffrariatrennt, im-Nordosten an den obern Lauf des Oranje-Rivier (Oranienflusses), im Nor-den an wüstes Land, von den Namaqua, Koranna, Buschmännern und andern Hot-tentottenstämmen bewohnt. Ihre Länge von der Cap - Peninsula bis zur Mündungdes Keiskamma beträgt über 600, ihre größte Breite über 300 englische Meilen.
Die Südspitze Afrikas, wird durch mehre meist parallele Gebirgszüge scharf ab-gegrenzt, welche drei gegen das innere Land aufsteigende Terrassen, mit Länge-