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Vierter Band.
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Preußen zur Zeit seiner Nationalversammlung.

zahl ihrer Mitglieder der Widerwille mehr auf ein unverständiges Vorurtheil gegen !

unleugbare Thatsachen als auf einen sich selbstbewußten Konservatismus gründete. ,

Am liebsten hätte die Rechte gesehen, der Antrag wäre gar nicht zur Discusston ge- llangt, und eines ihrer Mitglieder, Neygers, schlug auch vor, zur Tagesordnungüberzugehen. Die Majorität jedoch, obwol sie namentlich das Unzeitige des Berends'-schen Antrags erkannte, hielt es für unwürdig, die einmal aufgeworfene Frage zuvermeiden: die Tagesordnung wurde daher abgelehnt. Weniger einstimmig war dieMajorität hinsichtlich des Antrags selbst. Hätte die Linke bisher nicht schon ange- >deutet,, welche Konsequenzen sie aus der Anerkennung der Revolution in Bezug auf i

die Versammlung zu ziehen gedächte, so würde die Majorität den Berends'schen An- !

trag unverändert angenommen haben. Die Meisten erkannten, daß in Folge des ^

Kampfes Wichtiges errungen worden; unter den vorliegenden Verhältnissen aber sahman in dem Antrage selbst republikanische Motive. Berends selbst hatte gesagt, dieVersammlung stehe auf dem Boden der Revolution, und so wurden denn von denCentren Vermittelungsanträge gestellt, welche in weniger abstracter Form doch dieSache selbst festhielten. Schulze (Delitzsch) wollte nicht allein den Kämpfern, son-dern auch dem Volke von Berlin wegen seiner Haltung nach dem Kampfe Dankgezollt wissen. Er wollte damit die Mäßigung des Volks nach dem Kampfe, be-sonders in Bezug auf die Dynastie, anerkannt haben. Andere wollten die errungeneFreiheit, noch Andere den neuen Umschwung anerkennen.

Man war gespannt, wie das Ministerium den Antrag aufnehmen würde. Camp- ^

Hausen wiederholte, daß die Regierung die Bedeutung des Kampfes nicht verkenne; dieForm des Antrags erscheine aber bedenklich, wenn auch in der Sache die Meinungs-verschiedenheit vielleicht nicht erheblich sei. Wolle man wiederholt anerkennen, daßdurch die Märzereignisse eine Periode eingetreten, welche die erheblichsten Umgestal-tungen im Innern zur Folge haben müsse, so könne Niemand mehr einverstandendamit sein als er. „Soll hingegen ausgedrückt werden, daß der Staat und dieStaatsgewalt ihre rechtliche Begründung verloren, daß ein Umsturz der bestehendenGewalt stattgefunden habe; soll angedeutet werden, daß wir uns im Eingänge vonZuständen befinden, wie wir sie aus der Geschichte der englischen Revolution im17. und aus der französischen Revolution im 18. Jahrhundert kennen, Zustände, !

deren nothwendiges Ende nach Vergießung von Strömen Bluts, nach grausamenBürgerkriegen, Das ist, daß die Gewalt in die Hände eines Dictators übergehen, daßeine Vernichtung der Volksfreiheit daraus hervorgehen muß: dann protestire ich ge-gen eine solche Auslegung im Namen des preußischen Volks, im Namen des Volksvon Berlin, in dessen ausschließlichen Schutz sich der König mit nicht getäuschtemVertrauen in jenen Tagen begeben hat." Am Schlüsse wies Camphausen wieder-holt aus die Wichtigkeit der Form des Antrags hin und empfahl, die verschiedenenVorschläge sorgfältig zu prüfen. So vermochte dieser Mann nicht, sich aus seinenSchreckensträumen der Französischen Revolution loszureißen; er erkannte nicht, daßdie preußische Revolution gerade sich in so großartiger Weise von der französischenunterschied, indem sie vor dem Throne stillgestanden. Wie war möglich zu leugnen, !

daß ein Umsturz der bestehenden Gewalt stattgefunden habe, da doch die souveraine '

Gewalt der Krone beseitigt und durch eine neue, aus Krone und Volk bestehend,ersetzt worden war. Die Linke wollte von keinem Vermittelungsvorschlage hören,weil, wie ihre Redner erklärten, der Sinn des Hauptantrags verblaßt würde. Dieswar jedoch nur insofern richtig, als die Versammlung, indem sie eines der Amende-rnents annahm, die doch in der Form dem ursprünglichen Antrage ziemlich nahe-kamen, ihr Mißtrauen gegen die Auslegung ausdrückte, welche die Linke damit ver-band. Die Linke entsandte Alles, was sie an Nednertalent auszuweisen hatte, aufLie Tribune. Auch Jacoby, der Verfasser der „Vier Fragen eines Ostpreußen"ergriff das Wort, um die „ volle Anerkennung der Revolution in allen ihren Folgen "durchzusetzen. An 20 Redner hatten bereits gesprochen, mehr als ebenso viele hattensich zum Wort gemeldet, und die Versammlung war ermüdet. Da machte Hanse-