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Preußen zur Zeit seiner Nationalversammlung.
Revolution nicht anerkennen wolle, hieß es, so solle eine neue gemacht werden, dieschon anerkannt werden würde. Es wurden sogar Abgesandte in das Haus geschickt,um sich bei dem Präsidenten nach dem Resultate zu erkundigen; der Präsident wiessie jedoch ab. Als nun das Endresultat bekannt wurde, da stieg die Erbitterung aufihren Gipfelpunkt: gegen die Mitglieder der Rechten ertönten Verwünschungen undDrohungen. Die beiden Ausgänge des Hauses wurden besetzt, um die Abgeordnetenzu empfangen. Die Bürgerwehrwache war zu schwach, um dies zu verhindern, unddie Studentenwache im Innern des Hauses hatte die Eindringenden nicht abgehalten.Das Bürgerwehrcommando ward nämlich von dem Studentencorps nicht anerkannt,dessen Befehl nicht angenommen. So rächte sich der Fehler des Ministeriums, dieBürgerwehr ohne Organisation gelassen zu haben. Als die einzelnen Abgeordnetenheraustraten, fragte sie die Menge, ob sie zur Rechten oder zur Linken gehörten.Die von der Rechten wurden geschmäht, Mehre, darunter Sydow, thätlich mißhandelt.Der Minister des Auswärtigen, von Arnim, wurde ebenfalls von Volkshaufen an-gehalten und mußte sich unter dem Schutze einiger Studenten in die Universitätflüchten. Die andern Minister entgingen nur mit Mühe den Nachstellungen derwüthenden Menge.
Die Verhandlungen über den Schutz der Versammlung vor und nach dem Zeughaussturm.
Das Pfingstfest trat zwischen diese schmachvollen Austritte und die nächsteSitzung der Versammlung ein. In der Sitzung vorn 14. Juni kamen die Vor-fälle zur Sprache und riefen die heftigsten Scenen hervor. Von allen Seiten wur-den Anträge gestellt; außerhalb der Versammlung war schon der Gedanke angeregtworden, die Versammlung in eine andere Stadt zu verlegen. Dagegen sträubtensich aber die meisten Abgeordneten. Einer der Abgeordneten von der gemäßigtenLinken, Temme, welcher in Berlin das Amt des Staatsanwalts beim Criminalgerichtversah, machte den Vorschlag, ein Gesetz zum Schutze der Versammlung zu erlassen.Reichensperger (Stolberg) beantragte die Nicderseßung einer Commission, um dieVorfälle zu untersuchen, und die geeigneten Maßregeln vorzuschlagen. Camphauscn,der wol fühlen mochte, daß die Vorfälle zum Theil dem Ministerium zur Last gelegtwürden, weil es verabsäumt hatte, die geeigneten Maßregeln zum Schutze der Ver-sammlung zu ergreifen, suchte die Regierung zu rechtfertigen und legte das ganzeVerhalten des Ministeriums seit den Märztagen dar. Er sagte, die Regierung hättenach dem März sofort alle Konsequenzen des eingetretenen Zustandes mit Schnellig-keit und Energie, ohne Scheu vor willkürlichem Eingreifen ziehen, und dem Volkeeinerseits den unverkümmerten Genuß der ihm zugesagten Rechte sichern können, umsich dadurch andererseits seiner Zustimmung zu den kräftigsten Maßregeln für Ord-nung und Ruhe gewiß zu machen. Das Ministerium habe diesen Weg nicht ein-schlagen wollen, sondern den des gesetzlichen Übergangs gewählt. Dieses Letztere seiaber nicht leicht, da man stets genöthigt gewesen, dieexecutive Gewalt in der öffent-lichen Meinung zu suchen. Nun sei die Versammlung da, um mit dem Ministeriumvereint eine starke und kräftige Regierung zu schaffen, und was sie beschließe, würdevom Lande als Ausdruck des legitimen Volkswillens anerkannt werden. Die Ver-sammlung war aber seht uneinig über Das, was gethan werden sollte. Aus demCentrum erhoben sich Stimmen, die gegen eine Einmischung in Befugnisse der Si-cherheitsbehörden sprachen, und es bei der Berathung eines Gesetzes über den Schutzder Versammlung bewenden lassen wollten. Die äußerste Linke wünschte die Ange-legenheit ganz beseitigt und verlangte die Tagesordnung. Jung (Berlin) suchtezu zeigen, daß die Vorfälle in einer so aufgeregten Zeit ganz erklärlich; das Ereig-nis sei zu unbedeutend, um nun beschränkende Gesetze zu erlassen. Bücher, obwolnicht zur äußersten Linken gehörig, wollte ebenfalls alle Anträge verworfen haben.Ein Angriff gegen die Versammlung würde künftig von der bewaffneten Macht ab-gewehrt werden. Die Versammlung müsse ihre Sicherheit nicht in Polizeiansial-ten, sondern im Vertrauen und in der Anhänglichkeit des Volks suchen. „Ich