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Karl Güßlaff.
der Reaction die Augen, weil es dieselben als erwünschtes Gegengift gegen die Um-triebe des Radicalismus ansah. Man machte die Krone glauben, die VersammlungWolle in die Executive eingreifen, während letztere nichts verlangte als ein Ministe- ^
rium, welches die Beschlüsse der Majorität als die Stütze seiner Gewalt ansähe.
Die Versammlung, der es anfänglich an einer Majorität fehlte, welche die Principiender Freiheit nach beiden Seiten hin vertrat, gelangte erst zu einer Majorität, als dieReaction ihr Haupt mächtig erhob. Das Ministerium Pfücl verschmähte es indessen, ^die Absichten der im Hintergründe operirenden Reaction zu vollziehen. An seineStelle trat endlich das Ministerium Brandenburg, welches den Schlag gegen die »Versammlung wie gegen das Programm der Märzverheißungen führte, ohne dochdie äußersten Wünsche und Plane der Neactionspartei zu erfüllen. Die Frage, obdie Gewaltmaßregel wirklich eine rettende That, wie man zu sagen Pflegt, gewesen,kann erst in dem weitem Verfolg der Geschichte Preußens und Deutschlands be-antwortet werden.
Karl GüHlaff.
E)ie Sendboten, welche den Lehren des Evangeliums unter den nichtchristlichen IVölkern Anhänger verschaffen wollen, bedürfen, je nachdem sie an civilisirte oder smchtcivilisirte Menschen sich wenden, ganz verschiedener Eigenschaften und Fähigkeiten.
Eine kräftige schone Gestalt, scharfe feine Sinne, allerlei mechanische Kunstfertigkeiten ^und einige Kenntniß der Chirurgie und Medicin werden den rohen Sohn der Na-tur, den Bewohner der Goldküste, der Sandwichinseln, Neuseelands und Tahitisleicht zur Bewunderung hinreißen; er wird finden, daß der Fremde gar Vieles besserversteht und geschickter zu handhaben weiß; er wird seine Gewandtheit und geistigeÜberlegenheit anstaunen und dann den Worten dieses seltenen Mannes leicht Gehörschenken. Nicht so das von Jugend auf in einer bestimmten, altgewurzelten Culturerzogene Volk. Dieses ist im Gegentheil geneigt, einen jeden Fremden, der nachandern Sitten und Gebräuchen lebt, der verschiedenen Gesetzen und Glaubenslehrenhuldigt, für einen Barbaren und von der Gottheit Verworfenen zu halten. Wirdder Fremde noch überdies in der Sprache und Schrift, in den eigenthümlichen Wis-senschaften und Künsten des alten Culturstaats unwissend befunden, dann kennt derUnwille und die Verachtung der Gebildeten der Nation keine Grenzen. Diese un-wissenden Barbaren, so sagen sie empört, und so sprach nicht selten selbst der sanft-rnüthige Kaiser Kanghi von den im Ganzen doch so kundigen Jesuiten, diese unkun-digen Barbaren wollen uns zu ihrem Gesetz und zu ihren albernen Grillen bekehren,ohne im Stande zu sein, den tiefen Sinn unserer heiligen Schriften zu erfassen, ^miskenncnd die einzig beseligenden Lehren des kindlichen Gehorsams. Wie hätten siesonst wol Vater, Mutter und ihre nächsten Verwandten verlassen und nach demReich der Mitte ziehen können?
Die Missionare müssen nach den geistigen, moralischen und physischen Bedürf-nissen und Zuständen der Völker, zu denen sie ziehen, sich richten und bilden. Esist zu wünschen, daß Solche, welche alte Culturvölker zum Christenthum bringenwollen, bevor sie zu diesem Dekehrungswerke schreiten, alle Gänge und Windungendieser Cultur, den Glauben und den Aberglauben, die politischen und bürgerlichenVerhältnisse des Volks, welches sie bekehren wollen, genau kennen möchten; sie soll-ten in moralischer und wissenschaftlicher Bildung die einsichtvollsten Individuen derBewohner des Landes überragen: mit einem Worte, sie sollten im Stande sein, vonder Höhe der einheimischen Cultur deren Mangel nachzuweisen, um desto eindringlicher