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Franz von Pillersdorf.
Macht ersten Rangs aufgeschwungen hat, oder als Ersah für manche Opfer eineuntergeordnete Stellung für Ostreichs Regenten hinzunehmen, welche — soweit dieGeschichte ihres Hauses reicht — an der Spihe Deutschlands vorzuschrcitcn gewohntwaren: solche Zugeständnisse konnte kein östreichischer Staatsmann mit seiner Ehre,mit seiner Pflicht, mit den Interessen und Gefühlen, welche in allen Schichten derBevölkerung Widerhall fanden, vereinigen. Dadurch entstand ein Conflict, welcherdie natürlichen Beziehungen Ostreichs zu Deutschland verrückte und beide Landereiner langem Ungewißheit ihrer innern Zustände preisgab, Der sicherste Weg, dieEinheit Deutschlands mit einer innigen Verbindung mit Ostreich zu erstreben, undzugleich der einzige, welchen ein östreichischer Staatsmann einschlagen kann, er magwas immer für einer Parkei angehören, liegt in einer innigen Verschmelzung derInteressen dieser zwei großen Ländercomplexe ohne Vorbehalt und ohne willkürliche! Ausscheidungen nach Sprachverschiedenheiten. Die Natur und die staatliche Ent-
^ Wickelung Europas hat diesen Interessen bereits eine gleiche Unterlage und die gleiche
Richtung zugewiesen; ihre gemeinschaftliche Wahrung und das Aufbieten vereinigter! Kräfte zu ihrer unbeirrten Entfaltung und Durchführung besteht daher bereits als
I eine politische Nothwendigkeit und als der natürliche Kitt für einen festen staatli-
^ chen Bund.
! Da diese Interessen in allen Wechselbeziehungen gegen andere Staaten, in der
Vertheidigung der eigenen Rechte und des politischen Gleichgewichts, in der Ent-^ Wickelung der Betriebsamkeit und Handelsthätigkeit nach allen Richtungen, in dergegenseitigen Verbürgung der politischen Rechte und Freiheiten völlig übereinstimmendsind: so folgt daraus, daß die Gesetzgebung und die vollziehende Macht in allen die-sen Angelegenheiten in die Hände einer gemeinschaftlichen Gewalt gelegt und derControle und Mitwirkung einer gemeinschaftlichen Volksvertretung unterstellt werdenkönnen und müssen. Das Gebiet dieser Wirksamkeit kann'und wird sich in demVerhältnisse erweitern, als die einzelnen Volksstämme des großen Bundes in derRichtung ihrer Sitten, ihres innern Volkslebens und der Eigenthümlichkeiten über-t lieferter Institutionen sich näher rücken, und, dieses Gebiet läßt der freien Regelung
> ihrer innern Angelegenheiten, der eigenen Überwachung ihrer besondern Interessendurch selbständige Landesvertretungen, und der Selbständigkeit unabhängiger Landes-regierungen noch ein weites Feld. Die Richtigkeit dieser Grundlinien vorausgesetzt,bliebe nur noch der formelle Punkt der Stellung Östreichs in dem großen Bundezu regeln; und hier dürfte die Rücksicht aus das hohe Gewicht und die materielleMacht Östreichs, auf den unermeßlichen Einfluß, welchen sein Beitritt auf die öf-fentliche Meinung ausüben wird, und die Achtung vor geschichtlichen Überlieferungen,welche noch tief in den Gefühlen der Menschen wurzeln, den Ausspruch nicht zwei-felhaft machen.*)
Während die Ungewißheit über die Gestaltung in Deutschland und über dieStellung Östreichs zu diesem Bunde die Gemüther in Spannung erhielt, erwuchsen! aus den Vorgängen in Ungarn noch ernstere Verlegenheiten für den östreichischen
> Staatsmann. Ungarn war — man mag den thatsächlichen oder verfassungsmäßigenStandpunkt festhalten — stets nur durch Personalunion mit dem östreichischen Kai-serstaate verbunden. Seine Landesvertretung handelte ganz selbständig, seine Gesetz-
*) Der Leser betrachte diese Erörterung über die Stellung Ostreichs zu den deutschen Ein-heitsbestrebungen einzig als den Reflex der Ansichten desjenigen Staatsmanns, dessen politischerCharakter hier gezeichnet werden soll. Überhaupt bemerken wir, daß der Verfasser wol imStande gewesen sein mag, die Politik jenes Staatsmanns in zuverlässiger Weise zu entwickeln.Dieser Umstand ist hier insofern nicht ohne Interesse, als die Mittheilungen ein sehr unzwei-felhaftes Licht auf die deutschen Verhältnisse im Frühjahre und Sommer 18-18 werfen. Wirsehen unverhüllt, wie groß der Irrthum schon damals war, wenn die öffentliche Meinung inDeutschland nur einen Augenblick hoffte und glaubte, die Regierung Östreichs werde den Ber-> sassungstendenzen des teutschen Parlaments ernstlich die Hand bieten. D. Red.