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Vierter Band.
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Die Revolution in Venedig.

Volkshaufe vor den Polizeigefängnissen dringend und drohend die Freilassung der dortin Hast gehaltenen politisch Jncriminirten, Meneghini's, Stefani's und Lanza's. Unterdiese tumultuarische Menge fiel plöhlich ein Schuß von Seite der wachhabenden Po-lizei — ob zufällig, ob absichtlich, Wer könnte dies mit Bestimmtheit sagen? Einjunger Mann wurde zu Boden gestreckt; es floß das erste Blut! Mit Wuth suchtenun das Volk in das Innere des Gefängnisses zu stürmen, und die blutigsten Auf-tritte waren zu befürchten, wenn man es aufs äußerste kommen ließ. In diesemAugenblick traten aber die verlangten Männer aus dem Gefängniß heraus. Einelektrischer Schlag schien den wüthenden Haufen in eine Schar freudetrunkener Brö-dcr umgeschaffen zu habem Jede Gefahr war auf diesem Punkte verschwunden, undjauchzend und singend bewegte sich auch dieser Zug nach dem St.-Marcusplatz.

Der Platz war gedrängt voll. Fröhlichkeit beherrschte die Massen; die Gefahreiner Ruhestörung schien nicht vorhanden. In .dem allgemeinen Jubel wurden aufzwei der vor der Marcuskirche stehenden Masten dreifarbige Tücher aufgezogen. Diesging wahrscheinlich von der Revolutionspartei aus, welche die Versammlung des Volksbenutzen wollte. Wo das Gedränge am stärksten war, sah man Gondoliere undLivreen am meisten thätig. Auch an den Fenstern des Grafen Contarini Zaffo er-schienen dreifarbige Fähnchen, und stürmisches Lvvivs donnerte den Damen entgegen,die selbige aussteckten. Mehr und mehr bemerkte man dreifarbige Bänder in Knopf-löchern und an Hüten, welche einige Damen im Kaffeehause Florian austheilten undanhefteten. Calabreserhüke, dreifarbige Federn auf den Hüten, derartige Fähnlein inallen Punkten des Gewühls kündeten dem aufmerksamen Beobachter einen Über-gang vom friedlichen Jubel zu einer revolutionairen Demonstration an. Unmerkliches,leises Entgegenwirken wider diese künstliche Umwandelung durch Unterhaltung undSteigerung des Jubels wäre nun die Aufgabe der Negierungsagentcn gewesen. Mansah zwar das Wichtige des Moments ein; doch schlug man den verkehrtesten Wegein. Kanonenschüsse verkündeten den Commandanten in den Kasernen, daß manfeindliche Demonstrationen befürchte. Ein kleines Piquet vom Regiment Kinsky stelltesich vor der Kirche auf, welches vom Volkshaufen verhöhnt und auf die empörendsteWeise beschimpft wurde. Die Misstimmung des Volks wuchs; doch bald sah man auchvon verschiedenen Seiten Truppen auf dem Platze aufmarschiren. Die fremden Trup-pen wurden mit Schmähungen und Flüchen empfangen, die italienischen mit Lvvivaund dem Rufe träte!!! begrüßt. Der revolutionaire Club sendete unterdessen eineDeputation, vr. Eiuriati an der Spitze, an den Gouverneur, und bat um Entfer-nung der Truppen vom Platze, da durchaus keine Ruhestörungen zu befürchten seien.Palffy erwiderte: „Nun die Truppe da, wäre es Lächerlichkeit und Schwäche, die-selbe gleich fortzuschicken; doch gebe er sein Ehrenwort, dieselbe werde sich durchauspassiv verhalten, wenn sie nicht herausgefodert oder falls die Ruhe nicht gestörtwürde." Diese entschiedene Antwort ward äußerst misliebig aufgenommen, und aufallen Punkten stachelte man das Volk an. Da ertönten die Glocken vom St.-Mar-custhurm, und bald hörte man von den verschiedenen Thürmen Venedigs das gleicheSturmsignal. Die Truppen standen indessen ruhig, Gewehr beim Fuß. Wol mochtedas Geläute schon über eine halbe Stunde gedauert haben, bevor man eine Abthei-lung nach dem Glockenhause beorderte, die das Geläute einstellte und die Läutendengefangennahm. Aus den übrigen Kirchen dauerte das Läuten fort. Der Zudrangauf dem Platze ward allmälig immer größer; die Kluft zwischen Regierung und demVolke erweiterte sich mit jedem Glockenschlage.

In dieser Lage und Stimmung stand man sich volle anderthalb Stunden gegen-über. Welche Wendung sollte die Sache nehmen! Plötzlich hörte man Angstge-heul, und in stürmischer Flucht stürzte sich die Masse auf dem Platze nach dengegenüberliegenden alten Procuratien, verfolgt von der erbitterten Mannschaft niitausgestanztem Bayonnet. Mehre wurden verwundet; im Kaffeehause Zuadri wurdenSpiegel, Stühle, Tische u. s. w. zertrümmert; der Platz war in einem Nu vollkom-men gesäubert. Der Grund zu dieser Maßregel waren Insulten, Drohungen und