Die ungarische Revolution im Jahre 1848. 241
Regierung gab aber ausweichende Antwort, und das Haus verwies auf dieTagesordnung. Die Majorität vertraute blind; so blieb der hochwichtige Punkt einst-weilen unerörtert.
Bald zeigte es sich, daß die Befürchtungen der Opposition nicht «»gegründetgewesen. Das Ministerium war wirklich auf jene Federung des wiener Cabinetseingegangen, und hatte es aufsichgenommen, auch die Zustimmung der Nationalver-sammlung dafür zu gewinnen. Um diesen Rückfall zu begreifen, erinnere man sichDessen, was wir oben über die Zusammensetzung der neuen Verwaltung berichteten.->ZM Ministerium machten sich zwei Richtungen geltend, deren eine Kossuth, derenandere Batthyany repra'sentirte. Aus Kossuth's Seite stand nur der College Sze-were, während De'äk, Eötvös, Klauzal und Sze'chenyi zu Batthyany hielten. Sowußte natürlich Batthyäny's Friedenspolitik im Ministerrath oft den Sieg überkossuth's entschiedenere Politik davontragen. Zudem glaubte die Fraction Batthyanyuoch immer an gute Absichten des wiener Cabinets, oder hoffte oder hielt eS wenig-stens für möglich, daß man den östreichischen Hof durch erneuerte Lieferung von Geldund Soldaten zur Bekämpfung Italiens noch werde gewinnen, und so der RebellionSüden ein schnelles Ende machen können. Kossuth aber mußte sich im Minister-*athe nicht nur der Majorität fügen, sondern es auch, als der Befähigtste der Negie-^ungsmänner, übersichnehmen, die gegen seinen Willen gefaßten Beschlüsse vor derNationalversammlung zu vertreten.
Die Fraction Batthyany rechnete besonders auf den günstigen Erfolg eines Vermit-^ungversuchs, mit dem der Erzherzog Johann noch vor Zusammentritt der ungari-'Herr Nationalversammlung beauftragt worden. Der Prinz war zwar bald daraufFrankfurt a. M. abgereist, um dort die Stelle eines deutschen ReichsverweserSju übernehmen; aber man hoffte auf seine baldige Rückkehr nach Wien, wohin sich6"" die Vertreter der beiden Parteien zu verfügen hätten. Um den Vermittler mitschlage genau bekanntzumachen, wendete sich das ungarische Ministerium anen Palatin, dem es in einem Promemoria die Angelegenheit weitläufig auseinander-letzte mit dem Ersuchen, die Thatsachen und Verhältnisse seinem Vetter, dem Reichs-erweser, mitzutheilen. In diesem Promemoria sucht das Ministerium vorzugsweiseMtendzumachen, daß Ungarn niemals Anlaß zu einer feindlichen Stellung der Nicht-agyaren gegeben, folglich auch nicht den Racenkrieg heraufbeschworen habe. Den-och muß es, im Widersprüche mit dieser Behauptung, eingestehen, wie in der vor-glichen Zeit die Nationalität der Nichtmagyaren mehrfache Eingriffe erlitten. Da-Men aber wird auf die Märzerrungenschasten verwiesen, welche den verschiedenenationalitäten Ungarns das Recht des freien Gebrauchs der Muttersprache zusichern.
vollem Rechte bezieht sich das Promemoria auch auf die großen Verdienste,Elche sich die neue ungarische Gesetzgebung um die Militairgrenze erwerbe. Manchegellen des Promemoria beweisen, daß neben Batthyäny's Richtung auch die ent-^ebenere Politik der Partei Kossuth's auf diesen Friedensversuch Einfluß geübt, undstets* Kodifikationen im Einzelnen durchgesetzt hatte. Bisher hatte das MinisteriumJetzt Unterhandlungen gesprochen, die mit Jellachich selbst anzuknüpfen wären,noch erklärt man geradezu, daß etwaige Verhandlungen weder mit dem Banden N ^ agramer Landescongregation, sondern nur mit eigens dafür zu berusen-Ziat' ,^Etern der slawischen Stämme gepflogen werden sollen. „Die ungarische^ schließt das Aktenstück, „wird billig und gerecht sein, sowol im Kriegew* Frieden; nie aber wird sie sich feig zeigen." Das Promemoria war vomEine und wurde am 20. Juli in der Nationalversammlung vorgelesen.
Esterh^"^o Denkschrift hatte schon früher der Minister des Auswärtigen, FürstMy, in Wien dem Erzherzog Johann übergeben,stchtlick Sitzung vom 20. Juli brachte das Ministerium endlich die Frage rück-*^ans^ ^ Eitern Theilnahme Ungarns am Kriege in Italien zur Sprache. KossuthD.o die volle Aufmerksamkeit des Hauses, denn es sei dies die erste Ange-^«Gegenwart, v. 16
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