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Fünfter Band.
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Die ungarische Revolution im Jahre 1848. 245

Deputation, oder, wenn diese zu lange ausbleiben sollte, spätestens nach 1V Tagenstch aufzulösen. Auch versprach er die Auflösung der Filialausschüsse zu bewirken, undaus jede Weise dahin zu streben, daß das Volk sich zerstreue und ruhig zu seinergewohnten Beschäftigung zurückkehre. Jedoch — war es nicht ernstlich gemeint,oder mußte der Ausschuß seinen eigenen Willen höhern Weisungen und Planen unter-ordnen? Schon zwei Tage nach dieser feierlichen Friedensversicherung brach in Neu-satz (Bacska) ein blutiger Conflict zwischen der serbischen und nichtserbischen Einwoh-nerschaft aus. Das Signal zum Kampfe war hiermit gegeben; es begann in allenvon Serben bewohnten Gegenden jener scheußliche Bürgerkrieg, der seinesgleichen*u unserm Jahrhunderte vergeblich sucht. Der eigentliche Kampf, der von dem bei-derseitigen Militair und Nationalgarden geführt wurde, war ohne Bedeutung im Ver-hältniß zu den haarsträubenden Metzeleien, welche die übermächtigen serbischen Volks-haufen in den einzelnen Orten an der unschuldigen nichtserbischen Einwohnerschaft,an Männern und Weibern, Greisen und Kindern, übten. Diese die Menschheit unddas Jahrhundert schändenden Blutthaten fallen auf Jene zurück, welche nicht davoriurückbebten, zur Förderung ihrer selbstsüchtigen Zwecke die Gereiztheit eines ungebil-^ten Volksstammes zur wilden Blutgier zu entflammen, und ihre „Getreuen" zuBrudermördern, Weiberschändern und Kinderschlächtern, im buchstäblichen Sinne,anzustacheln.

Um aber die Grausamkeit der serbischen Kampfessührung doch einigermaßen be-greiflich zu machen, müssen wir bemerken, daß hier nicht blos, wie bei den Kroa-^n und Slowaken, eine politische und nationale Gereiztheit, vielmehr schon seitEngster Zeit zwischen Ungarn und Naitzen eine persönliche Feindschaft im höchsten^aße harschte. Kaum mögen aus einem europäischen Landstrich zwei Votksstämmenebeneinander wohnen, deren Charakter so grundverschieden ist als der von Ungarnund Naitzen. Der Magyar fühlt und benimmt sich als Herr- er ist stolz, aber auchedel und großmüthig, tapfer und aufopferungswillig. Der Raitze dagegen ist hün-dlsch knechend, aber heimtückisch und verschlagen. Er lebt nur für Handel und Ge-winn, vergißt Beleidigungen nie, und zeigt sich stets bereit, Alles seinem Vortheilober seiner Rachsucht zu opfern. Der Magyar hat daher stets mit dem Raitzen^ gespanntem Fuße gelebt, und „vaä räer" (wilder Raitze) galt als das ärgsteSchimpfwort, das er Jemandem an den Hals werfen konnte. Man kann sich wolenken, daß der Raitze diese Verachtung durch den vollsten Haß gegen den Magya-on erwiderte, und denselben noch steigerte, als in neuerer Zeit politische Motive hin-zutraten. So mußten die mit den Märzerrungenschaften beginnenden Wühlereien inen serbischen Comitaten ein sehr günstiges Terrain finden; umsomehr, da man selbstReligion benutzte, um den rohen Serben aufs höchste zu sanatasiren. Der Pa-.?rch Rajachich zog z. B. im Ornate eines alten serbischen Apostels und Glaubens-Aurtyrers durchs Land, hielt Kreuzzugpredigten, und setzte auf magyarische Köpfekreise aus.

s. Es konnte nicht fehlen, daß solch drohenden Verhältnissen gegenüber ungarischer-'d"s endlich mehr Energie als früher entwickelt ward: Regierung und Nationalver-wmlung gingen hierin zusammen, und auch das Volk offenbarte eine hohe Begei-H "UZ und den Willen, Gut und Blut zur Rettung des Vaterlandes zu opfern.^ ^upesth gewann das Ansehen eines großen Heerlagers. Täglich sah man Durch-3e von Nationalgarden, die aus allen Gegenden in den bedrohten Süden hinab-Laa ^ Unewol im Anfang August die Ausenthaltszeit der mobilgemachten Garden im^äly? ^ ^0 Wochen ausgedehnt wurde. Die Landescommiffare Csanyi und Sz. Ki-Eord ^"falteten eine außerordentliche Thätigkeit. Sie hatten bereits am 4. Juli denbara?" ^n Mohäcs, Baranyavär, Sikloß, Darda und Drava-Szabolcs mit 4000weab^ Nationalgarden besehen lassen. 1200 tolnauer Garden hatten die schü-im a ^raulinie besetzt; 2400 rückten in der Bacska ein u. s. w. In Pesth wiezer Lande ging die Werbung zur Mobilgarde so gut von statten, daß in kur-

^ert die vorn Ministerium beantragte Zahl von 10000 überschritten war. Selbst