Band 
Fünfter Band.
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248 Die ungarische Revolution im Jahre 1848.

so hartnäckiger. Nach einer viertägigen Debatte trat Koffuth mit einem vermitteln-den Vorschlage auf. Die vorhandenen Znfanterieregimenter sollten hiernach in allendrei Bataillonen ergänzt, aus den übrigen Recruten aber eine eigene nationale Land-wehr errichtet werden. Bei den Husarenregimentern hingegen, deren Patriotismusallbekannt, sollte man sich mit der Completirung der vorhandenen begnügen. DieOpposition erklärte sich hiermit einverstanden, wiewol sie anfangs nichts von Com-pletirung, sondern nur von Errichtung einer ganz neuen Nationalarmee hatte wissenwollen. Me'ßaros, der „30 Jahre gehorchen gelernt", fand auch diesen Schritt zukühn. Doch entschloß er sich endlich, die eigene Überzeugung der des Hauses zuopfern: nur möge dieses auch einen Theil der Verantwortlichkeit übernehmen.

Dieses entschlossenere Vorgehen rief indessen auch in Wien statt Einschüchterung,ein weniger verhülltes Auftreten hervor. Die Siege Nadetzky's in Italien und diereactionaire Dienstwilligkeit der czechischen Majorität im wiener Parlament gaben derCamarilla neuen Muth, und verschafften ihr neue Kräfte. Die Camarilla eilte bereitsentschieden den vormärzlichen Zuständen zu. Graf Latour stand am Ruder, wie manbehauptete, mit dem festen Entschluß, die Märzerrungenschasten im Bürgerblut zuersaufen. Die ungarische Deputation, welche nach Innsbruck die Adresse der National-versammlung als Antwort auf die Thronrede überbrachte, wurde sehr kühl empfan-gen und mit weniger als halben Versprechungen abgefertigt. *) Nachdem der Kaiserauf das Verlangen des östreichischen Reichstags nach Wien zurückgekehrt, ward mit-tels königlichen Erlasses vom 14. Aug. (gegengezeichnet von Esterhazy) dem Palatindie Vollmacht genommen, welche ihn für die Abwesenheit des Königs zu dessenStellvertreter in Ungarn ernannte. Als Grund gab man in dem Schreiben an:„Weil Se. Majestät nun nach Wien zurückgekehrt sei und die Regierung seiner Län-der selbst übernommen habe." Der wirkliche Beweggrund zu dieser Maßregel warjedoch ein ganz anderer. Sobald nämlich dem Palatin die Ptenipotenz genommen,mußte die Nationalversammlung die Sanction für jedes Geseh erst in Wien nach*suchen. Dort konnte man sie ja mit einer Einwilligung so lange hinhalten, bis dieSache ihre Bedeutung verlor. Das zeigte sich nun auch recht bald. Die National-versammlung hatte in den letzten Tagen des August den Premierminister BatthyanYund den Justizminister De'ak nach Wien gesandt, um die Sanction des Necrutirungs-uud Finanzgesetzes zu erwirken. Wie kostbar auch den Ungarn in ihrer Lage jedeStunde sein mußte, ließ man doch die beiden Deputirten länger denn eine Wochevergeblich antichambriren. In Wien antwortete das östreichische Ministerium aufdie Interpellationen des dortigen Reichstags nur ausweichend. Dagegen aber sprachLatour öffentlich von den „getreuen Serben" und den „geliebten Waffenbrüdern",wiewol er es in Abrede stellte, mit Jellachich in „Geschäftsverbindung" zu stehen.

In Ungarn stieg unter solcher: Verhältnissen von Tag zu Tag die Erbitterungund Entrüstung, zugleich aber auch der patriotische Enthusiasmus. Kossuth machteim Laufe des August eine Rundreise in den urmagyarischen Gegenden, in der Uni-

*) Diese Adresse, im Ganzen nur bekannte Verhältnisse berührend, wurde am 21. Juli vonder Nationalversammlung angenommen. Ihre Form legt dar, wie schnell sich auch der biedereMagyar die glatte, verbindliche, doch vieldeutige und trügerische Sprache der Diplomatie an-geeignet. Die Nationalversammlung bedauert, daß der König, durch schwere Krankheit ver-hindert, den Reichstag nicht in Person habe eröffnen können, hofft aber, daß er sich nach seine*Genesung in die Mitte der treuen Ungarn begeben werde. In Bezug auf die italienisch^Angelegenheiten heißt eS: „Nach gesicherter Wiederherstellung der Ordnung und deß Frieden»m unserm Vaterlande (Ungarn), und sobald die moralische und materielle Unverletzlich^*unsers Landes gewährleistet ist, werden wir Ew. Majestät freudig hülfreiche Hand zur Ber^Mittelung des Abschlusses einer friedlichen Vereinigung bieten, die der Würde deß Throne»einerseits, der konstitutionellen Freiheit und den billigen Wünschen der italienischenNatronandererseits entspricht." Diese Stelle beweist, wie wenig es dem ungarischen MinistenuMum die Ausführung jenes Beschlusses, Ostreich in Italien durch frische Truppen zu unterstütze^zu thun war, und wie sehr die Opposition unrecht hatte, wenn sie in jenem Beschlusse etwaAnderes als einen politischen Nothbehelf erblickte.