Schleswig- Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848. 315
die allerdings wesentlich von den früher erwähnten verschieden waren. Auf Grund-lage dieser Vorschlage entschied sich denn England, seinen Vermittelungsvorschlag fürden vorläufigen Waffenstillstand vorn 18 . Mai zu machen, wesentlich des Inhalts,daß beide Herzogthümer sowol von dänischen als von deutschen Truppen geräumt,die gegenseitigen Gefangenen herausgegeben, die mit Beschlag belegten deutschenSchiffe entlasten, die Truppenkörper der Herzogthümer aufgelöst, in beiden Herzog-thümern eine provisorische Regierung, unterstützt von einem starken Gensdarmerie-corps, eingesetzt, und endlich alle Kontributionen zurückbezahlt werden sollten. Nunkonnte Preußen in zwei Punkte nicht willigen: erstlich nicht in die Aufhebung der pro-visorischen Regierung, dann nicht in die gänzliche Entblößung Holsteins von deutschenTruppen. Zugleich mußte man sich bei der Eingehung eines Waffenstillstands eini-germaßen klar sein über die Grundlagen des Friedens. So kam man denn dahinuberein, daß die Räumung stattfinden, eine provisorische Regierung errichtet, und alsGrundlage des Friedens die Trennung des dänischen nördlichen Schleswig von demÜblichen deutschen aufgestellt werden sollte. Preußen legte diese Vorschläge demBunde vor, und dieser nahm sie im Wesentlichen an. In Folge dessen ward plöh-^ch, wider alles Erwarten, dem General Wrangel der Befehl ertheilt, aus JütlandAh zurückzuziehen, alle Kontributionen und Requisitionen zu sistiren, und sogar das^erzogthum Schleswig zu räumen. England beharrte darauf, in der RäumungSchleswigs die erste Voraussetzung aller weitem Unterhandlungen zu sehen, undPreußen, das schon damals keinen eigenen Willen mehr zu haben wagte, mußteNachgeben. Noch einige Tage stand Wrangel in Jütland still; dann begann er ge-gen Ende Mai seine rückgehenden Bewegungen. Das Erstaunen und der Schmerz^ Herzogthümer lasten sich nicht beschreiben. Zuerst wollte maM es nicht glauben;As man es glauben mußte, bemächtigte sich tiefe Niedergeschlagenheit der Gemüther.
28 . Mai war Wrangel schon wieder in Flensburg. Umsonst suchten die Ver-täuenden den Muth ausrechtzuhalten; von da an glaubten die Einsichtigen nicht mehr§n die Energie Preußens. Der Jammer der Deutschen im Norden Schleswigs warg^oß; aber da war nicht zu helfen. Die Feinde Preußens hatten den ersten großen^ieg über dasselbe erfochten, und die Herzogthümer konnten ihre Sache, insofern sieAllein von Preußen abhing, für verloren ansehen.
^ Indessen schien die Hauptsache doch in keinem Falle entschieden. Noch hattePreußen keinen Vorschlag gemacht, der hinter seine früher aufgestellten PrincipienZurückgegangen wäre. Noch war es von Dänemark nicht ungestraft verhöhnt undErletzt worden; noch konnte sein Nachgeben als eine ebenso verständige als großmü-h*ge Politik erscheinen. Wenn Dänemark jetzt nur auf die Vorlagen Preußens ein-ten wollte, so ließ sich in der Hauptsache noch immer das Beste hoffen. Undh Urum sollte man daran verzweifeln? England stand als vermittelnde Macht imEsten Vernehmen zu Preußen; Dänemarks materielle Macht schien gebrochen; Preu-hatte gezeigt, was es vermöge, und die deutschen Heere hatten willig nach außen? ? ium ersten mal ihre Einheit gezeigt. Welche Macht durfte es wagen, gegenEhe Elemente in die Schranken zu treten? Wahrlich, das kleine Dänemark amEngsten!
soa so behielten denn Viele guten Muth. Die provisorische Regierung hatteLeia** Sitz von Rendsburg nach Schleswig verlegt, um den Schleswigern zu^ gut die Sachen ständen. Sie hatte ferner die Wahlen zur deutschensei?^nalversammlung "i beiden Herzogthümer« ausgeschrieben, und diese waren da-Sega ^ allen Districten, auch des nördlichsten Schleswig, ohne Störung vorsich-einer Die Aufnahme Schleswigs in den Deutschen Bund schien damit zuzu s Entschiedenen Thatsache erhoben, und diese Ausnahme schien eine feste GewährNr/- das große Deutschland Schleswig schon zu schützen wissen werde,lerieri ii that diese provisorische Regierung freilich gar nichts. Es wäre unter"nistä'nden von allerhöchster Wichtigkeit gewesen, zwei Ziele mit unablässigerEngung zu verfolgen. Zuerst hätte diese Regierung dahin streben müssen, eine