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Fünfter Band.
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Niederland und seine Colonien.

Obgleich Kanal- und Wafscrland, überzieht sich Niedertand doch auch mit einemEisenbahnnetz, und bietet bereits zwischen den Hauptplätzen den überraschenden An-blick, daß Fußgänger, Reiter, Postwagen, Kanalschuiten, Dampser sich linienwetsenebeneinander bewegen in einer Breite von nur etwa 100 Schritten aus einem hohe"Damme, von dem man auf unabsehbaren Wiesen das prächtigste Vieh grasen sieht'Das Land macht einen wohlhäbigen Eindruck. Dennoch lebt ein Fünftel des nieder-ländischen Volks von der Mildthätigkeit der übrigen vier Fünftel, und von diesenwird immer noch ein großer Theil zeitweise unterstützt oder nur künstlich in Arbeitund eigenem Unterhalt gehalten. Für die Hilfsbedürftigen ist indessen ausgezeichnetgesorgt. Arme Waisen werden durch die Gemeinden weniger in großen Anstaltenals bei Familien sittsam untergebracht, und bis zu ihrer Verheirathung oder Nieder-lassung versorgt. In der öden, aber nicht unfruchtbaren Provinz Drenthe, w"noch viel Land urbar zu machen ist, hat die großartig wirkende Wohlthätigkeitsgescu'schast Armencolonien mit Werkstätten, Waisen-, Bettel-, Krankenhäusern, mit Spin'nereien, Landwirthschaftsanstalten u. s. w. hergestellt. Hier wird den Altern Arbeit/den Jüngern Unterricht ertheilt, bis sie ein nährendes Gewerbe erlernt haben. Diel?Colonien dienen mehr für die keiner Gemeinde angehangen Kinder, für Findling?/Hülflose armer Gemeinden, Verlaufene; sie helfen die ärmste Provinz deS Staa^anbauen und bevölkern, und bewirken, daß die Armuth in Niederland uns n)?'niger nackt entgegengrinst wie anderwärts. Hierzu kommen die trefflichen unentgelt'lichen Schulen für Alle, die sich meistentheils ebenfalls auf mildthätige Gaben stützt'Das ärmste Kind, rühmt der Holländer gern, könne bei ihm zu Hause soviel ler"^als das reichste: freilich nur, solange die mildthätigen Schulanstalten nicht voll bestksind. Abgesehen von den Lasten, die bei den schwierigen Zeiten doppelt drücke^wurden, hat diese Mildthätigkeit auch ihre Kehrseite: dieselbe erzieht manche ju"§Leute zu kleinen Herren, die bei..großen Ansprüchen es nie zu was Rechtem briug?^Hiermit hängt das Jagen nach Ämtern zusammen, welches man mit Unrecht an dbesondere Verfassung Niederlands geknüpft glaubte. Die durch die mannichfach?Auflagen zum Theil verursachte Theuerung der Lebensmittel und anderer Bedürfn^in den großen Städten, der Druck der angehäuften Capitale u. s. w. machen esNiederland dem Unbemittelten, der nicht taglohnt, sehr schwer, sein gutes Auskörnt"zu verdienen. Wie soll z. B. ein mittelloser Kaufmann bei allem Fleiße leicht g?^,den mächtigen Einfluß von Capitalien aufkommen, welche sich mit 2 "/<, sicherm Gew^begnügen? Nach dem Wiederaufblühen des Colonialhandels stieg allerdings derfuß gegen hypothekarische oder gleiche Sicherheit auf 3, ja 40 / 0 , weil viele Capl^gewinnreichen Verlag fanden. Allein dies erreichte bald seine Grenze, die GeleSheit der Verwendung hielt nicht Schritt mit dem Anwüchse des Geldes, derfuß fiel wieder, und nun suchten die Capitale Verwendung in öffentlichenwie Eisenbahnen und Austrocknungen der Seen. x,

Unter den letzter» Unternehmungen ragt besonders die Austrocknung des ^lemer Meeres als ein wahrhaft riesenhaftes Nationalunternehmen hervor. *) D"n^t,liefert den Beweis, daß die Ungunst der Zeiten dem Holländer viel von seinerdoch nichts von seiner Rührigkeit nehmen konnte. Schon vor mehr als hundertren **) ward an die Ausführung dieses Werks gedacht, das über 13 Millionenden kosten wird. Die Unterhaltung der Dämme und deS Grabens rings umMeer, welche die in dasselbe mündenden Gewässer ableiten, kostet allein jährlich ^^jltThaler. Diese Ausgaben geschehen indessen in der That zum nachhaltigen Dorw ^des Landes. Der Staat macht eine dauernde Eroberung, gewinnt für Tau,

*) Dar Harlemer Meer steht durch das K mit dem Südersee in Verbindung, §Stunden lang, 2*/, Stunden breit, und wird durch eine 2 Stunden breite Strandvuder Nordsee getrennt. „ e^

**) Damals schon schlug der Wasserbaumeister Lackenwater den großartigenAustrocknung vor, über den man ihn verspottete. Heute trägt die kolossalste DarnpiMaschine, die bei ber Arbeit angewendet wird, seinen Namen.

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