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Fünfter Band.
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Das Königreich Sachsen.

mit dem herrschenden System zufrieden und die Agitation nur das Werk einer klei-nen Anzahl von „Schreiern" sei.

Auch in Leipzig begannen sich bereits Spuren eines Umschlags oder wemgsten-Nachlaffes der aufgeregten und entschlossenen Stimmung zu zeigen. Anonyme Auf-sätze im „Tageblatt" mahnten: man möge doch nun zur gewohnten Ordnung undRuhe zurückkehren; die Censur sei aufgehoben, der Andtag berufen, das Wetterekönne man diesem vertrauensvoll überlassen; langer fortgesetztes Agitiren gefährde denVerkehr und die Sicherheit der Stadt. Allein die Mehrheit der Bürgerschaft, dieStadtverordneten voran, blieb fest und entschlossen, nicht zu weichen, bis das Ziel,das man erstrebe, erreicht, das alte System völlig gestürzt sei. Dieses letztere setzteindessen Alles daran, um sich zu halten. Nachdem die Minister durch einige Zuge-sta'ndniffe wie durch die Berufung auf den Landtag der Bewegung moralisch dieSpitze abgebrochen zu haben glaubten, wollten sie dieselbe auch physisch erdrücken.Sie zogen große Militairmassen um Leipzig zusammen; ja sie sollen insgeheim —Manche sagten sogar, ohne deS Königs Vorwiffen — mit der preußischen Regierungwegen militairischer Hülseleistung in Vernehmen getreten sein. Dies Letztere hatKönnerih öffentlich in Abrede gestellt. Gewiß ist, daß preußische Truppen an dieGrenzen Sachsens, in die unmittelbarste Nähe Leipzigs heranrückten. Am 11. Märzerschien einer der Minister selbst, Carlowitz, mit außerordentlicher Vollmacht in Leip-zig. Statt weitere Zugeständnisse zu bringen, stellte er nur Federungen an dieStadt. Die Stadtverordneten sollten sich bei ihren Verhandlungen fortan aufregen-der Reden politischer Natur enthalten; der Redeübungsverein und die Versammlun-gen im Schützenhaus sollten jeder politischen Agitation fern bleiben; da- Umherziehengrößerer Massen und das Lärmen derselben sollte abgestellt werden und, dafern esabgestellt/ei, nicht wieder vorkommen; endlich sollte der beabsichtigte Zug nach Dres-den zur Überreichung einer Adresse oder zu einer sonstigen politischen Manifestationschlechterdings unterbleiben.

Die Stadtverordneten antworteten auf diese Federungen ruhig, aber fest: gesetz-lich strafbare aufregende Reden politischer Natur seien in der Stadtverordnetenver-sammlung nicht vorgekommen; man müsse aber auch, zumal in Zeiten wie die jetzi-gen, das Recht und die Pflicht der freien Meinungsäußerung wahren und habe esdaher Jedem anheimzugeben, DaS, was er sage, vor dem Gesetze zu vertreten. Wasin den SchützenhauSversammlungen vorgehe, liege ganz außerhalb des Geschäftskreisesder Stadtverordneten; übrigen- aber müsse vom Rechte der Versammlung Dasselbegelten, was vom Rechte der freien Meinungsäußerung gesagt sei. Das Umherziehenlärmender Massen habe seit der vom Stadtrath erlassenen Abmahnung nicht wiederstattgefunden, und es sei eine Wiederholung nicht zu fürchten, sofern die Leipzig um-gebenden Truppen schleunigst zurückgezogen würden. Von dem Zuge nach Dresdensei abgemahnt worden; weitere Garantien könnten vom Kollegium weder verlangt nochgegeben werden. Schon am Tage zuvor hatten die Stadtverordneten die sofortigeZurückziehung der Truppen beantragt, weil durch deren Nähe die bis jetzt nirgendgestörte Ruhe der Stadt ernstlich gefährdet sei. Und allerdings war die Aufregung,welche die Truppenanhäufungen rings um die Stadt und die sich daran knüpfendenGerüchte in der ohnehin so erregten Bevölkerung hervorgebracht hatten, bedeutend.Man sah Leipzig förmlich wie eine belagerte Stadt umzingelt und erwartete stündlichdas Einrücken der Truppen, die militairische Besetzung der Stadt, vielleicht eine Sol-datendictatur. Dunkle Gerüchte sprachen von einer beabsichtigten Verhaftung derAnführer der Bewegung. Die Verwickelung war auf ihren höchsten Gipfel gediehen-Der Verkehr und die Arbeit stockte, die Gewerbtreibenden entließen ihre Arbeiter)eine dumpfe Bangigkeit herrschte unter der Bürgerschaft man fürchtete ebensosehr einen Gewaltschritt von außen als da- endliche Losbrechen der zum Äußerstengetriebenen aufgeregten Menge im Innern. Dennoch war man entschlossen, nichtszurückzunehmen, keinen Schritt kleinmüthiger Verzagtheit zu thun; von der Ge-setzlichkeit und Nothwendigkeit deS Gethanen überzeugt, bereute man Nicht-, was