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erhob. Ein anderer Theil der Linken hielt damals noch — doch auch schon mehraus einer gewissen Scheu vor dem Vorwürfe der Inkonsequenz als mit aufrichtigerÜberzeugung — an der früher bekannten Ansicht fest. Zuleht ging aber auch dieseFraction, Tzschirner selbst voran, in das Lager der Particularisten über.
Die Rechte in den Kammern war von vornherein, mit geringen Ausnahmen,den Ansichten des Ministeriums in der deutschen Frage zugeneigt. Die Wenigen,welche im Princip die Souveraineta't der Nationalversammlung vertheidigten, wieSachße, Geißler, Metzler, hielten ein Aussprechen dieses Grundsatzes im dermaligenStadium der deutschen Verfaffungsfrage entweder für überflüssig, oder auch für be-denklich. So ward das Decret mit großer Mehrheit von beiden Kammern genehmigt.
Außerhalb der Kammern hatten anfänglich sowol die Deutschen als die Vater-landsvereine den Grundsatz von der alleinverfassunggebenden Machtvollkommenheit derNationalvertretung zu ihrer Losung gemacht, die letztern beinahe mit noch größermNachdruck als die erstem. Allmälig aber folgten auch sie dem von der sächsischenLinken in Frankfurt gegebenen Impulse und ließen die zuvor als souverain procla-mirte Versammlung die eigene Souveraineta't in Mistrauensadressen und Protestenfühlen. Die Deutschen Vereine blieben dagegen konsequent bei ihrer zuerst bekann-ten Ansicht stehen, und geriethen durch diese beharrliche Verfechtung des Principsder unbedingten Gültigkeit aller von der Nationalversammlung gefaßten Beschlüsseselbst mit dem Ministerium, welches zu unterstützen sie doch im Übrigen zu ihrerAufgabe gemacht hatten, in wiederholte Conflicte.
Der außerordentliche Landtag neigte sich bereits seinem Ende zu, als die Kata-strophe von Wien eintrat. Die Linke in der zweiten Kammer verlangte von derRegierung Maßregeln zum Schuhe der dort bedrohten deutschen Nationalität undFreiheit. Das Ministerium sagte solche zu, soweit sie im Bereiche seiner Machtlagen. Da kam die Kunde von Blum's Verhaftung, Tags darauf von seiner stand-rechtlichen Hinrichtung. Die Aufregung, welche diese Nachricht im ganzen Landehervorbrachte, war ungeheuer. Die Demokratie sah ihren Hauptsührer und Lieblingsich entrissen, entrissen auf eine so blutige Weise, durch ein Verfahren, welches sieunter allen Umständen für ein ungesetzliches erklärt haben würde, hier aber in ver-doppeltem Maße, weil es gegen einen Mann geübt worden war, der in seiner Eigen-schaft als Nationalvertreter, nach dem ausdrücklich zum Schutze der Abgeordneten inFrankfurt erlassenen Neichsgesetze, in allen deutschen Landen hätte unverletzlich seinmüssen. Von diesem letzten Standpunkte aus fanden sie auch bei den politischenGegnern Blum's entschiedene Beistimmung und Unterstützung, wenn sie auf eklatanteGenugthuung für die durch Blum's Tödtung der ganzen Nation angethane schwereBeleidigung drangen. Daher handelten in dieser Sache Deutsche Vereine und Vater-landsvereine in Übereinstimmung. Der Deutsche Verein sprach seine Entrüstung überdas Geschehene öffentlich aus und richtete Adressen an die gesetzlichen Gewalten, umihnen die Wahrung des verletzten Rechts und der Ehre Deutschlands ans Herz zulegen. Der Vaterlandsverein blieb dabei nicht stehen; durch eine an den Minister vonder Pfordten entsendete Deputation drang er zugleich aus strenge Rechenschaft überdie von der Regierung und von der königlichen Gesandtschaft zu Wien zum SchuheBlum's nach seiner Verhaftung gethanen Schritte. Dieses letztere Verlangen wardals förmlicher Antrag von beiden Kammern einstimmig an die Regierung gebracht,und die zweite Kammer fügte dem noch den weiter» Antrag hinzu, dem jedoch dieerste Kammer nicht beitrat: „Daß von der Centralgewalt zu Frankfurt gefedertwerde, zur Sühnung der durch die Tödtung Robert Blum's in Wien verletzten Ehreder deutschen Nation die energischsten Maßregeln zu ergreifen." Mit dem gleichenBegehr wandten sich die leipziger Gemeindevertreter sowol an die Regierung und dieKammern, als auch direct an die Centralgewalt in Frankfurt. In Dresden und^ipzig fanden stürmische Volksversammlungen statt. In Leipzig begab sich eineaufgeregte Masse aus der Versammlung nach dem Hause des östreichischen Consuls,riß das Consulatwappen herab und zertrümmerte es, brachte dann mehren Personen,