626 Die Engländer und Russen in Persien und Mittelasien.
schaft Persiens alsdann bis zu den Grenzen Indiens, über Balutschistan und dassüdliche Afghanistan erweitert werden. Graf Simonitsch, der russische Minister amHofe zu Teheran, trieb Muhammed an, keine Zeit zu verlieren, sondern alsbald zurAusführung seiner Vorsätze zu schreiten. Der englische Abgeordnete hatte im Ge-gentheile den Auftrag, alle Mittel anzuwenden, um den Fürsten von dem Unterneh-men gegen die Lander der Afghanen zurückzuhalten. Persien steht ganz unter rus-sischem Einflüsse; eine Ausdehnung seiner Herrschaft gegen Indien zu mußte alseine Erweiterung der mittelbaren russischen Herrschaft, als ein Befördern des russi-schen Zntriguenspiels im Osten betrachtet werden. Es würde sich dann in Herat einAgent des Zars niedergelassen haben, welcher von hier aus leicht ein Spionirsystemüber ganz Afghanistan und alle östlichen Lande verbreiten konnte. Auch hatte ja einGesandter der Baraksi-Fürsten von Kandahar öffentlich an dem Hofe zu Teheran er-klärt: mit der Hülfe seiner Gebieter könne der Schah bis nach Delhi vorrücken unddort neuerdings den Islam zur Herrschaft erheben. Selbst Dost Muhammed vonKabal schien unter gewissen Bedingungen geneigt, den Persern beizustehen und so-gar die Oberherrlichkeit „der Zuflucht des Weltalls" anzuerkennen. Er verlangte denBeistand des Schah gegen die Sikh, um ihnen Peschawer zu entreißen und das alteLand der Afghanen von den Ungläubigen zu befreien. Würde der König der Kö-rüge, fügte der Baraksi-Ha'uptling hinzu, seinem Gesuche nicht willfahren, so müsse ersich den Engländern in die Arme werfen, die dann unwiderruflich die Herren würdenvon ganz Afghanistan. Persien möchte in diesem Falle später zu seinem Leidwesenerfahren, daß die Flamme der Gewaltthätigkeiten dieses Volks keine Grenzen kenne.
Stellung zu Herat, Persien und England.
Der englische Gesandte wendete alle Mittel an, um diese Gefahren des in-dischen Reichs zu entfernen. Er schrieb an Kamran und ersuchte ihn, seine Ver-bindlichkeiten gegen Persien zu erfüllen; die britische Krone habe große Besitzungenin Hindostan und müsse schon ihres eigenen Interesse wegen an dem Zustande derbenachbarten Länder den größten Antheil nehmen. Möge Afghanistan unter einernoder mehren Herren stehen: England werde immerdar ein scharfes Augenmerk ausdie Verhältnisse dieses Landes haben. Kamran wollte aber von einer unbedingte"Anerkennung der Herrschaft PersienS nichts hören. Er sei bereit, erklärte er, jährlicheinen Tribut an den Hof nach Teheran zu senden und dem Schah nach Kräfte"mit einem Contingent beizustehen; hiermit mögen sich die Schiah begnügen und sichnicht weiter in die innern Angelegenheiten der Rechtgläubigen zu Herat mischen.
Der erste Zug des Schah gegen Chorasan nahm ein trauriges Ende. Wah'rend des folgenden Winters wurden nun neue Vorkehrungen in größerm Maßstabe,und zwar mit russischem Gelde getroffen, um mit dem künftigen Frühjahre die Lieb'lingsplane des jungen Fürsten und des Gesandten des Zar auszuführen. Man be-hauptete zwar in Petersburg auf Anfragen England-: Graf Simonitsch Handel*seinen Verhaltungsbefehlen schnurstracks entgegen. Der Graf mußte aber seine geheime"Vorschriften haben; er blieb auch in diesem Jahre (1837) dem frühern politischen Ve^fahren getreu. Doch enthielt er sich, den Schah auf seinem Zuge zu begleiten,keinen offenen Bruch mit England herbeizuführen. Er versuchte unterdessen mit de"Baraksi-Fürsten Verbindungen anzuknüpfen und sie zu vermögen, sich in den Sch"kdes Zar zu begeben, der ihnen dann gegen die Sikh beistehen werde. Zu diesesEndzweck ward ein Pole, Capitain Witkowitsch, Adjutant des Generals PerowskiOrenburg, nach Kabal gesandt und von dem Schah mit Empfehlungsschreiben §die vorzüglichsten Häuptlinge der Afghanen -ersehen. Diese Schreiben deSenthüllen uns mit einem mal die großen Plane Rußlands auf Mttelasien, um danvon hieraus weiter gegen Indien vorzurücken. Die Majestät Persiens behaupt^geradezu, nach der Einnahme Herats gegen Balkh zu ziehen und später längs deAer des Oxus sich wider Chiwa zu wenden, wo sich die persischen Truppen rBeginne des Frühjahrs 1838 mit den Russen, die von Orenburg gegen den Ol"
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