Uebersicht und Erklärung der Kupfer zu Winckelmannö Werken II. Band. III
Art und Weise mit ungleiche» Steinen zu bauen, inctn-ta genannt.
O. Bau mit Quadern.
p. Tetradorv», oder Ziegel von vier Palmen.
tt. Didoron, die Hälfte des vorigen, oder Ziegel von zwei Palmen.
II. Pentadorvn, oder Ziegel von fünf Palmen.
8. Hemilater, oder halber Ziegel.
Tafel 44 Erhobenes Werk in Marmor, welches sich zu Capua befindet, und auf das alteTheater dieser Stadt Bezug hatte. — Diese Abbildung ist von der kopirt, welche Ma-zocchi ') mitgetheilt und weitläuftig erklärt hat. Die Schlange im Winkel zur Rechtenbedeutet wahrscheinlich den Genius des Theaters'), wie auch die darüber stehende In-schrift: 6KMV8 vermuthen laßt. Die daneben stehende Figur mit der
Schale in der Rechten und einem Füllhorn in der Linken, gießt eine Libation auf denAltar aus. Mazocchi glaubt, die drei folgende» Figuren seien die drei GottheitenJupiter, Diana und Minerva, welche auf dem Capital zu Capua verehrt wurden. Mi-nerva , die Göttin der Künste und Wissenschaften, scheint einen neben ihr sitzenden Stein-metz, welcher an einem Capitäle arbeitet, zu unterrichten. Das für unsern Zweck wich-tigste aber, ist die daneben stehende Maschine zum Aufheben großer Lasten. Hier wirdvon derselben eine Säule vermittelst eines Strickes aufgehoben, welcher über zwei Gleiseläuft, eines oben an der Säule und das andere darüber. Das Rad, in welchem zweiMänner gehen, ist im Wesentlichen daö t>mpan»m, das Vitruv ^) beschreibt, unddas Galiani nicht verstanden hat, und dessen auch Lucrez ') in den folgenden Versenbeschreibt:
lilullstjiie per trvckles«, et txmpsns pvnilere wsgno6omi»ovet, »l«pie levi «»zlollit mscliin» ni«u
Dieses Bassorilievo wurde von dem Lnccejuü Peculiaris, Unternehmer des Thea-ters, verfertigt, welcher sich verbindlich gemacht hatte, die Vorbühne des Theaters zuerbauen, welches in der Abbildung aus der darunter stehenden Inschrift erhellt. Er wardazu vielleicht von der Minerva selbst im Traume ermähnt worden, welche deßhalb auchhier abgebildet ist, wie sie ihn belehrt.
Tafel 4 » Graburne des Lucius Cornelius Scipio Barbat uS aus Peperinstein,jetzt im Muses Pio-Clementino, eines der wichtigsten Monumente der Römischen Kunst-geschichte.
Tafel 43 Enthält die beiden Seiten dieser Graburne, um die Gestalt deö Laubwerks andem Deckel zu zeigen, welches Ähnlichkeit mit einer groben Matte oder Decke hat.
Tafel »4. Ionisches Capitäl in der Kirche S. Lorenzo außerhalb Rom , in dessen Schnecken-windungen man auf der einen Seite eine Eidechse und auf der andern einen Frosch sieht.— Man s. Note 161 der Anmerk. über die Baukunst d. Alten; S. 102 diesesBandes.
Tafel 45 . Erhoben gearbeitetes Werk aus weißem Marmor, vormals in der Villa Medici,jetzt in der Galten« zu Florenz . Es stellt einen runden Tempel mit einer Reihe vonSäulen dar, von der Art, die beim Litruv Monopteros heißt (lid. IV. e. 7.). DieZwischensäulen sind durch Gitter entweder aus Bronze oder aus Stein geschlossen. DieSäulen mit der Base und hohem Piedestal sind jonischer Ordnung. Merkwürdig andiesem Tempel ist auch die Treppe, welche von der Mauer emporspringt, und deren An-lage beim Vitruv nicht deutlich angegeben ist. Die Stufen derselben scheinen einen spitzenWinkel zu bilden, wahrscheinlich hier bloß des Bassorilievo wegen, und ihre Zahl zeigt,daß sie sehr bequem zu ersteigen waren.
Tafel 48. Erhobenes Werk von weißem Marmor aus der Villa Negroni, von vorzüglichschöner Arbeit; hier vorzüglich des Tempels wegen beigebracht, dessen in den Anmer-kungen über die Baukunst der Alten öfter erwähnt wird. — Dieser Tempelsollte eigentlich zusammengesetzter Ordnung sein, aber es ist merkwürdig, daß die Capi-täte, statt der Schnecken, an jeder Seite einen Delphin haben, vielleicht in Beziehungauf den Neptun, dem er wahrscheinlich geweihet war, wie man an mehreren ähnlichen
t) In mul. Osmp. Xmpli. lil. PI>8 lL8 dlespoli, 1727.
') S. Spanheim: II« prnest. kl Hü» »um. slsüert. I. p. 221 , und piilnr? ll'Lrcol. 7om, I. 38