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Briese an Bianconi.
viel über vierzig Jahre alt, und noch in den Jahrenwar, daß ihn zwei berühmte Amasien liebten, siehtaus wie ein Gerippe, und ist eine lange abgezehrteFigur im Styl des Giotto und noch schrecklicher alsein sterbender Christ von Caravaggio . Er wirdvon Soldaten getragen, die über und über mit alteneisernen Rüstungen bekleidet sind, wie solche im drei-zehnten Jahrhunderte gebräuchlich waren. Auf demArme des einen steht ein Zeichen, das dem arithmeti-schen Zeichen eines gewissen chinesischen Kaisers ähnlich
sieht, ungefähr in folgender Gestalt: ^ ^
Ferner ist vorhanden der Tod der Virginia, undihr Vater hat den Arm mit den nämlichen Charakterenbezeichnet. Ein anderes stellt ein Gefecht mit Thierenin einem Amphitheater vor; der Kaiser oder Procon-sul sieht demselben zu und stemmt sich mit dem Ellen-bogen auf den Knopf eines bloßen Degens, dessenKlinge lang und schmal ist, auf spanische Art, oderwie der König Karl XII . sie trug; in der Stellung,wie auf Münzen die parthischcn Könige auf ihren Bo-gen sich stützen. Auf allen Gemälden findet man be-sondere Charaktere oder Zeichen. Auf die Frage, wasdiese Zeichen wohl bedeuteten, antwortete der Auf-seher ganz zweideutig und sagte, diese Gemälde wärenvon Palmyra hergebracht worden, und damit mußteman zufrieden sein- Ich entdeckte dem MonsignorBaldani, einem eifrigen AlterthumSsorscher, gelehr-tem Manne und vertrautem Freunde des P. Con-tucci, meine Zweifel. Er antwortete darauf nichtsweiter, als: ich weiß nicht, was ich Ihnen sagen soll;zuweilen muß man auf'S Wort glauben und nicht garzu tief auf den Grund die Alterthümer und die Ge-heimnisse der Jesuiten untersuchen wollen. Der be-trügliche Verfertiger dieser schönen Waare brachte nochviele andere zum Vorschein, da er sah, daß sie inRom so gut abgingen. Wie viele Gemälde derArt sind nicht nach Frankreich und England gekommen!
§. l7. Dieser Betrüger ist ein venetianischer Ma-ler, Namens Guerra,^) der, ohne nur im Gering-sten sich nach dem Style der Alten zu richten, arbei-
64) Hier folgt In der ital. Aufgabe des Feg noch der Zusatz:
66) Im Original stand, vermuthlich durch einen Schreibfehler,Quercia; aber WinekelmaNn nennt ihn, in seinemSendschreiben, und in andern Briefen, immer Guerra;auch wird diese- Betrügers in dein t-iackirko -teN' opera ckeN'^bate 4V1ncäe/,nann tntorno alle «Loderte ck Dccolana etc.dtnpolt l7S5, unter dem Namen Guerra erwähnt. Feasagt in einer Anmerkung: derselbe sei blos der Verkäufer,nicht der Verfertiger der falschen Gemälde gewesen. ES sol-len eigentlich Gemälde gewesen sri», die im XVI. Jahrhun-dert j» Zimmcrverzierungen verfertigt worden, wie damalsin Rom üblich war. Nach der Zeit seien sie weist überstri-chen worden; und jur Zeit de» Guerra habe man sie vondem weißen Ileberjng gereinigt, aus der Wand genommen,und für Gemälde ausgegeben, die in alten Gebäuden gefun-den worden. Ant dem bloßem Urbrrjug, auf den sie ge-malt worbin, halte man die Betrügerei entdecken können.
Fernvi».
tote, wie es ihm einfiel, und der gewußt hat, denLeuten etwas aufzubinden, und sich die Blindheit derMenschen zu Nutze zu machen. Der Betrug mußteeinem jeden in die Augen fallen, der nur die altenGemälde, die in Rom geblieben find, betrachtete, ohnezuerst nach Portici zu gehen, und die dortigen zu be-sichtigen. Die Unverschämtheit dieses Mannes, aufdie Unwissenheit anderer gegründet, ist so weit ge-gangen, daß er sogar !»> Ire-sro malte, um seinenBetrug desto mehr geltend zu machen.
tz. l». Gestern vor acht Tagen°') kam ich vonNeapel zurück. Nach und nach will ich Ihnen meineBemerkungen mittheilen. Hier folgt indessen die Nach-richt von vier alten Gemälden. Unter den letzte» her-culanijchen Entdeckungen behaupten vier Gemälde mitWasserfarben den ersten Rang, die alle übrigen hintersich lassen; und wenn nicht die römischen, von denenich Ihnen geschrieben habe, zum Vorschein gekommenwären, so getraue ich mir zu behaupten, daß dieseallein hinreichend sind, einen Begriff von jenen Wer-ken der griechischen Maler zu geben, von welchen diealten Schriftsteller so viele Lobeserhebungen machen.^)Sie sind in Hcrculanum nicht erst von der Mauerabgenommen worden, sondern man fand solche in einemZimmer zwei und zwei an die Wand gelehnt, so daßdie bemalte Seite auswärts stand. Hieraus erhellt,daß sie von auswärts dahin gebracht, und vielleichtaus einem Gebäude in Griechenland oder Großgrie-chenland weggenommen worden sind; und daß mansie vermuthlich erst aus den Kasten, in denen sie trans-portirt worden, herausgenommen hatte, um sie aneinem oder dem andern Orte einzusetzen.^) Die Ar-beiter, die beinahe das ganze Zimmer aufgeräumthatten, und noch etwas übriges Erdreich von derMauer ablösen wollten, stießen mit dem Grabscheitauf etwas hartes und beschädigten zwei davon, näm-lich das dritte und vierte, die folglich sehr gelittenhaben. Alle vier haben einen doppelten Rand; deräußere besteht in drei Streifen, davon der erste weiß,der mittlere violett und der dritte grün ist, die einedunkle Einfassung haben, und alle drei sind von derBreite der Spitze des kleinen Fingers. Der innereRand ist weiß, und breiter als die drei Streifen des
66) In der ital. Ausgabe des Fea folgen noch die Worte:
tutto e«,eago clipinto L also, etc. und dazu die Note: dieGemälde i», Evllegio Nouiano sind alle in einer Maniergeniale; mau kann nicht sagen, daß rS Oeimalerei sei, undbegreift niche, wie sie gemacht sind. Einige in FrcSco ge-nial» Bilder wurden IN den Grabungen bei derNuffi-liella oberhalb FraScali gefunden. Fer nvw.
67) Dieser Brief ist vvm 27. Febr. >762. Fea.
68» W. hat sie auch in, Th. seiner Gesch. der Kunst 7. B. Z. K.§. 15—18 beschrieben. Fea.
6S) An der angeführten Stelle ist Winckelman» der Meinung,daß die Einwohner in Hcrculannm sie selbst nach dem Un-glück ihrer Stadt aus der Mauer geschnitten haben, „m siewegjuführen. Aber die hie» in den Briefen geäußerte Mei-nung ist wahrscheinlicher. Fernvw.